Ritt der Könige
Noch im vergangenen Jahrhundert kann der Ritt der Könige fast in ganz Mähren belegt werden. Heute ist er in der ursprünglichen Form des Brauches nur in einer Gemeinde erhalten – in Vlčnov, in der Mährischen Slowakei (Seite nur auf Englisch) – und hier wird er mit alljährlicher Regelmäßigkeit und in unveränderter Gestalt durchgeführt. Auf mit Schleifen geschmückten Pferden reiten die Jungen –die Rekruten– durch das Dorf und rufen uralte Verse zur Feier ihres Königs wie auch als Aufforderung zu dessen Beschenkung aus. Der König ist ein zehn- bis zwölfjähriger Junge, der in einer uralten Frauentracht, von zwei Adjutanten mit gezückten Degen begleitet, dahinreitet .
Der Ritt der Könige wird von jeher durch die Anmut der hiesigen Tracht , durch den reichen Schmuck des königlichen Gefolges und auch durch die volkstümliche Poesie verschönert, die in Form von Ausrufen der Reiter ertönt. Gleichzeitig ist der Brauch von Sagen umwoben, die seinen Zusammenhang mit dem Krieg des böhmischen Königs Georg von Podiebrad und des ungarischen Königs Matthias Corvinus aufzeigen.
Hexenverbrennung und Philippus-Jakobus-Nacht (Walpurgisnacht)
Seit dem Mittelalter herrschte der Glauben, dass es Tage gibt, an denen dunkle Mächte stärker als sonst sind . Dies galt auch für die Nachtstunden vom 30. April zum 1. Mai. Der Glaube an dunkle Mächte, so alt wie die Menschheit selbst, verwandelte sich mit der Zeit in den Aberglauben, dass der Teufel seine Macht auf Erden nur mittels Menschen – Hexen und Zauberern – geltend machen kann. Hexen waren oftmals der Verbindung mit dem Teufel verdächtig und zum Schutz vor ihnen wurden an erhöhten Plätzen Feuer angezündet .
Mit der Zeit entstand aus den Jahresfeuern die „Hexenverbrennung“. Die jungen Männer zündeten Besen an und warfen sie in die Höhe , angeblich um zu sehen, wie die Hexen auf den Besen in der Luft fliegen. Um Mitternacht vor dem hl. Philippus und Jakobus, d.h. dem 1. Mai, wenn böse Kräfte den Menschen Schaden zufügen sollten, konnte man wertvolle Schätze finden. Damit sich der Suchende jedoch vor der Einwirkung der unguten Kräfte schützen konnte, musste er eine Farnblüte bei sich tragen.
Die Tradition des Anzündens der Feuer hat sich in Böhmen bis in die heutige Zeit erhalten.
1. Mai, der Tag der Liebe
Am ersten Mai sollte ein Mädchen unter einem blühenden Kirschbaum geküsst werden , damit es immer schön bleibt. Die Prager Verliebten gehen am 1. Mai auf den Lorenzberg - Petřín -, um eine Blume am Denkmal von Karel Hynek Mácha (1810-1836) niederzulegen, einem böhmischen Dichter der Romantik, der das Gedicht „Mai“ (Máj) verfasst hat. Das Gedicht erzählt von der tragischen Liebe zwischen zwei jungen Menschen und ist Bestandteil der klassischen böhmischen Literatur.
Kirmes
Wenn im Herbst die Ernte eingebracht war , begann die Zeit des Vergnügens. Früher dauerte sie von Sonntag bis Donnerstag und es wurde mit dem sog. „zvac“ – Einladekuchen – dazu geladen. Der Festtisch bot Fleisch, Geflügel, Kuchen und Hefeteigfladen. Es wurde gegessen und getrunken , getanzt und gesungen . Heute findet in die meisten Gemeinden, in denen Kirmes ist, ein Jahrmarkt statt. Außer einem reich gedeckten Tisch werden Kirmeskuchen gebacken. Sie sind rund, im Durchmesser oftmals 20–25 cm groß, bunt verziert und mit Mohn, Pflaumenmus, Quark, Rosinen und anderem belegt.
Allerseelen
Seit dem Jahr 998 finden die Totenfeste am 1. und am 2. November statt. In einigen Gemeinden wurde auch für Bettler, Wandersleute und für die Armen besonderes Gebäck gebacken, das „dušičky“ – Allerseelen – genannt wurde.
Heute werden die Gräber zum Gedenken an die Verstorbenen mit Blumen, Kränzen und brennenden Kerzen geschmückt.
Barborky (Barbara-Zweiglein)
Der St. Barbara-Tag am 4. Dezember war mit vielen volkstümlichen Bräuchen verbunden. Der bekannteste davon ist das Schneiden der sog. Barbarazweige - Barborky. Nach der volkstümlichen Tradition wurde am 4. Dezember mit dem ersten Sonnenstrahl ein kleiner Zweig von einem mindestens zehn Jahre alten Kirschbaum abgeschnitten und in ein Haus gebracht, in dem ein unverheiratetes Mädchen lebte. Wenn der Zweig am Heiligabend zu blühen begann, bedeutete dies, dass das Mädchen im bevorstehenden Jahr einen Bräutigam finden würde. Erblühte er früher, bedeutete jeder Tag die Verkürzung der Frist bis zur Hochzeit um einen Monat.
Heutzutage werden Barborky vor allem zur Verschönerung der weihnachtlichen Ausschmückung geschnitten.