Mähren und Schlesien
Den östlichen Teil der Tschechischen Republik bilden Mähren und Schlesien. Beide Gebiete haben eine reiche Geschichte und sind auch geografisch interessant. Im Norden locken Berge, im Süden dann endlose Ebenen. Man findet hier Talsperren, Seen, Fischteiche, Karstgebiete. Es fehlt nicht an Sportmöglichkeiten. Sehenswert sind auch verschiedenste historische Denkmäler. Mähren kann den Besuchern viel anzubieten.
Östlich der Českomoravská vrchovina breitet sich Drahanská vrchovina mit Moravský kras (Mährische Karst) aus. In Norden von Mähren und im Süden von Schlesien befindet sich das Gebirge Jeseníky (Gesenke). Hier findet man auch den höchsten Berg Mährens, Praděd (Altvater)(karte), der 1 492 Meter misst. Südwestlich von Jeseníky an der Grenze zu Böhmen und Kladsko erstreckt sich Králický Sněžník (Glatzer Schneegebirge)(karte). Südöstlich von Jeseníky erhebt sich Oderské vrchy.
In Süd- und Mittelmähren erstrecken sich einige Talengen und „Tore“ in der Tiefebene entlang der Flüsse. An diese schließt dann weiteres Gebirge im Osten von Mähren an – Bílé Karpaty (Weiße Karpaten), Javorníky, Moravskoslezské Beskydy (Mährisch-schlesische Beskiden), Vsetínské vrchy, und westlicher liegendes Chřiby sowie das Hügelland Ždánický les.
Das gesamte Gebiet von Mähren vom Norden bis zum Süden kreuzt das Flussbett des Flusses Morava. Die ist der größte Fluss Mährens. Beim Zusammenlauf der Flüsse Morava und Dyje (Thaya) im südlichsten Zipfel Mährens im Dreiländereck mit der Slowakei und Österreich findet man den tiefste Punkt des gesamten Gebiets von Mährens – dieser hat eine Meereshöhe von nur 148 Metern.
Jeder Teil Mährens kann den Besuchern eine andere Verlockung anbieten. Sehen wir uns Mähren vom Norden an.
Nordmähren und Schlesien
Wie schon erwähnt wurde, ist der Nordteil Mährens, dessen Bestandteil auch Tschechisch-Schlesien ist, meistens hügelig. Von der Südseite gehen die Berge in fruchtbares Gebiet am Fluss Morava und in die Moravská brána (Mährische Pforte) über. Die Salz- und Bergsteinstraße führte gerade hier entlang. Im Westen der Region hat die größte Anziehungskraft auf die Besucher das Massiv von Jeseníky und Rychlebské hory, die großartige Bedingungen zur Erholung sowie zum Wandern anbieten. Im Winter ist Jeseníky ein Platz, der ideal für Skifahrer und Langläufer ist. Die Hauptskizentren sind Praděd, Červenohorské sedlo(karte) und Ramzová(karte).
Nordmähren bietet auch ein dichtes Netz an Radwegen und mehrere Golfplätze an, zum Beispiel in Čeladná und Kravaře. Diese Region ist auch durch die vielen Kurorte bekannt. Der bekannteste ist Lázně Jeseník (Gräfenberg)(karte). Dieser Kurort machte der hier gebürtige Vincenz Priessnitz, ein weltbekannter Heilpraktiker und Gründer der Wasserheilkunde, der sog. Priessnitz-Wickel bekannt. Nicht weniger bedeutend ist der Kurort Karlova Studánka, der sich unter dem Berg Praděd befindet. Neben den klassischen Kuraufenthalten werden auch Entspannungsprogramme angeboten.
Zum Zentrum dieser Region wurde die Stadt Ostrava(karte), die die drittgrößte Stadt der Tschechischen Republik ist. Ähnlich wie durch die Stadt Opava ging die Bergsteinstraße auch hier durch. Ostrava ist heutzutage vor allem mit Kohle verbunden, die hier jahrhundertelang abgebaut wurde. Im 19. Jahrhundert war Ostrava das bedeutendste Industriezentrum der damaligen Monarchie. Erst nach dem Jahr 1990 nahm der Abbau bedeutend ab. So befindet sich eine Reihe von sehenswerten technischen Denkmälern an der Stelle der früheren Bergwerke. Ostrava bietet aber auch andere Sehenswürdigkeiten an, zum Beispiel die Burg Slezskoostravský hrad (Schlesisch-Ostrauer Burg) aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, die zweitgrößte Kirche Mährens und Schlesiens oder die Kathedrale des Göttlichen Erlösers. Die jüngere Generation wird von der namhaften Stodolní Straße begeistert sein, wo es mehr als 70 Bars und Diskotheken gibt.
Ostmähren
Der östliche Teil der Region wird als Valašsko bezeichnet und ist vor allem dank dem berühmten Walachischen Freilichtmuseum in Rožnov pod Radhoštěm(karte) bekannt. Hier hat man eine einzigartige Möglichkeit, Bauten der Volksarchitektur zu bewundern und die Kultur kennen lernen. Nur unweit von Rožnov pod Radhoštěm befindet sich das Städtchen Kopřivnice. Es ist dank der Automobilfabrik bekannt. Im Jahr 1897 wurde der erste Kutschenwagen, Präsident genannt und das erste Fahrzeug seiner Art in Österreich-Ungarn in dieser Fabrik hergestellt. In den weiteren Jahren wurde Kopřivnice vor allem durch die Produktion von Wagen der Marke Tatra bekannt. Die Geschichte der Automobilindustrie wird im hiesigen Museum dokumentiert.
Auch Vizovice ist berühmt. Die Ortschaft wurde dank ihren Pflaumenalleen bekannt, genauer gesagt dank dem Spiritus – Sliwowitz genannt, den Rudolf Jelínek schon im 18. Jahrhundert in der hiesigen Brennerei aus Pflaumen brannte. Genauso gehören auch die „Frgale“ zu diesem Gebiet, was große runde Kuchen meistens mit Quark oder Pflaumenmus sind.
Ostmähren das sind auch Gebirge. Das bekannteste Gebirge sind die Beskiden. Nicht nur Wanderer sonder auch Skifahrer im Winter und Radfahrer im Sommer kommen da auf ihre Kosten. In den Beskiden liegt das berühmte Touristengebiet Pustevny, wo sich einzigartige Bauten des Architekten Dušan Jurkovič befinden. Hier kommt man sich wie im Märchen vor. Wunderschöne Naturszenerien bieten auch Javorníky und Weiße Karpaten.
Die Metropole dieses Teils der Region ist die Stadt Zlín(karte), die in erster Linie dank Baťa und seinen Schuhen, die weltbekannt sind, berühmt wurde. Aber auch dank den typischen Bauten, der Baťa in Zlín bauen ließ. Diese stellen heute eine einzigartige Veranschaulichung der funktionalistischen Architektur dar.
Unweit befindet sich der Kurort Luhačovice. Man kann die Golfplätze zum Beispiel in Rožnov pod Radhoštěm, Zlín oder in der nahen Ortschaft Slušovice besuchen.
Mittelmähren
Mittelmähren ist eine Region der Volkstraditionen. Hiesige Trachten sind weltweit bekannt. Das fruchbare Gebiet entlang des Flusses Morava nennt man auch Haná. Man findet hier auch Bergkämme der Oderské und Hostýnské vrchy, oder das Hügelland Chřiby. Der imaginäre Kranz wird von Drahanská vrchovina abgeschlossen.
Hier befindet sich auch die tiefste Schlucht in Mitteleuropa – Hranická propast. Die bisher gemessene Tiefe erreicht 329,5 Meter, laut Fachleuten kann die Gesamttiefe aber bis zu 700 Meter sein. Man findet Naturschönheiten auch unter der Erde. Es lohnt sich die Höhlen beispielweise in Javoříč(karte), Mladeč oder Zbrašov zu besuchen.
Ganz Mittelmähren ist voll von Wanderwegen sowie Radwegen. Der Mährische und Bergsteinradweg ist ein Teil des Projektes EuroVelo. Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel auf der Homepage der Zentrale für Reiseverkehr.
Auch im Bezirk Olomouc findet man zwei Golfplätze, in Olomouc und Radíkov.
Die Region rühmt sich auch vieler historischer Denkmälern, einige davon findet man sogar in der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, es sind die Gärten und das Schloss in Kroměříž(karte) und die Stadt Olomouc (Olmütz)(karte). Zum Gebiet um die Stadt Kroměříž herum gehört auch der Wein. Hier befinden sich die nördlichsten Weinberge Mährens. Renommiert ist der hiesige Messwein, der aus den Erzbischofskellern vom Schloss in Kroměřiž kommt, wo dieser Wein seit der Zeit des Karls IV. hergestellt wird.
Olomouc kann mit vielen historischen Denkmälern prahlen. Die barocke Dreifaltigkeitssäule aus den Jahren 1716 – 1754, die 35 Meter hoch ist, wurde im Jahr 2001 in die Liste der UNESCO-Denkmäler aufgenommen. Olomouc ist auch eine Universitätsstadt, hier gibt es die Palacký-Universität. Bekannt sind auch die hier veranstalteten Blumen Messen Flora Olomouc. Genauso berühmt ist auch der Olmützer Quargel, was ein original tschechischer Käse aus fettarmem Quark mit einem sehr charakteristischen Aroma ist.
Ein paar Kilometer von Olomouc entfernt befindet sich der wichtige Wallfahrtsort Svatý Kopeček. Die monumentale Kirche steht auf einem Hügel und ist auch aus der Entfernung von mehreren Kilometern gut sichtbar. Am 21. Mai 1995 besuchte Papst Johannes Paul II. diesen Ort.
Die Region bietet auch viele andere historische Denkmäler an, z. B. die Burgen Buchlov und Bouzov sind sehenswert.
Südmähren
Die Metropole der Region ist die Stadt Brno (Brünn)(karte). Diese Stadt wird auch die Messestadt genannt. Die Messen und Ausstellungen in Brno sind die größten in der Tschechischen Republik. Die bekannteste ist die Maschinenbaumesse. Die ursprünglichen Pavillons stellen ein Beispiel der historischen Architektur dar. Brno ist auch eine Studentenstadt. Hier finden Sie zum Beispiel die Masaryk Universität oder Technische Universität. In Brno befinden sich auch viele historische Denkmäler, man kann zum Beispiel die Burg Špilberk(karte) oder die St.-Peter-und-Paul-Kathedrale besichtigen. Die Stadt hat auch mehrere Theater, die bekanntesten sind das Mahenovo Theater und Janáček Theater.
Südmähren das sind vor allem Weinberge, Weinkeller und Wein aus dem Weingebiet Mähren. Zweifellos bemerkenswert ist auch die mit Weinbau verbundene Volkskunst – Trachten, Musik, Gesang, Feste. Typische Weinorte sind zum Beispiel Mikulov (Nikolsburg), Velké Pavlovice, Čejkovice, Šatov oder Znojmo (Znaim), die auch durch die Herstellung von Essiggurken bekannt ist. Znaimer Essiggurken sind ein weltweit anerkannter Begriff.
Südböhmen bietet den Besucher mehr als nur Wein an. Man kann beispielweise das Naturschutzgebiet Moravský kras nennen, wo sich die weltbekannte Schlucht Macocha(karte) und Punkevní jeskyně befinden, oder der Nationalpark Podyjí (Thayatal), der als Beispiel einer erhaltenen Flusstallandschaft gelten kann.
Von den Historischen Denkmälern sollte man das Lednicko-Valtický areál (Areal Eisgrub-Feldsberg) erwähnen, der auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht, das Schloss in Vranov nad Dyjí, Dolní Věstonice mit den archäologischen Ausgrabungen, die Burg Pernštejn oder das Städtchen Slavkov (Austerlitz), das durch die Dreikaiserschlacht berühmt ist.
Zur Erholung am Wasser oder Angeln locken zum Beispiel die Stauseen Vranov oder Nové Mlýny(karte). Auch begeisterte Radfahrer kommen in dieser Landschaft auf ihre Kosten. Golf kann man zum Beispiel auf dem Golfplatz in Jinačovice bei Brno oder in Slavkov spielen.
Vysočina
Mähren und Böhmen verbindet der Landkreis Vysočina (Hochland). Den bildet größtenteils Českomoravská vrchovina mit dem Naturschutzgebiet Žďárské vrchy. Das Zentrum dieses Gebiets ist die Stadt Žďár nad Sázavou(karte). Die Region ist ideal zum Entspannen und Sporttreiben, im Sommer und im Winter. Hier befinden sich viele Fischteiche, den Winter genießen vor allem begeisterte Langläufer. Der Langlauf-Weltcup findet jedes Jahr in Nové Město na Moravě statt. Sogar die Golfliebhaber kommen hier nicht zu kurz. Man kann die Golfplätze in Telč(karte) oder Svratka besuchen. Zu den meist besuchten Sehenswürdigkeiten der Region gehören das Renaissanceschloss in Telč, das Judenviertel in Třebíč(karte) und die Friedhofkirche des Hl. Johann Nepomuk in Zelená Hora bei Žďár nad Sázavou, die auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht. Der Autor der Kirche ist der geniale Architekt des Hochbarock, J. B. Santini, dem die Tschechen die wertvollsten Denkmäler der böhmischen Barockgotik verdanken. Die Kirche ist von einem Friedhof umgegeben, der mit Arkaden in Form eines zehnzipfeligen Sternes umgeben ist.
Autor: Dana Jakešová
Datum: 25.01.10Landkreis Vysočina
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