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160. Geburtstag von Tomáš Garrigue Masaryk

 
photo:  (wikimedia.org)
 

(1850–1937)

 
Masaryk stammte aus armen Verhältnissen, sein Vater war Kutscher und seine Mutter Köchin. Tomáš war ihr erster Sohn. Trotzdem wurde ihm vergönnt auf dem Gymnasium in Hustopeče zu studieren und später besuchte er die Universität in Wien (1870–1876), wo er auch den Titel Doktor der Philosophie erlangte und wo er zwei Jahre später unentgeltlich als Privatdozent Vorlesungen abhielt (1878–1882). Inzwischen reiste er nach Deutschland und Italien. In Deutschland verbrachte er ein Jahr an der Universität in Leipzig, wo er auch 1877 zum ersten Mal seiner zukünftigen Gattin, Charlotte Garrigue, begegnete, eine Amerikanerin aus New York und Tochter eines wohlhabenden Unternehmers. Er heiratete sie am 15. März 1878 und gemeinsam kehrten sie nach Wien zurück. 1879 wurde ihre Tochter und ein Jahr später der Sohn Herbert, im Jahr 1886 dann der Sohn Jan geboren, der später auch Politiker wurde. 1891 kam die jüngste Tochter Olga zur Welt.

Die Notwendigkeit die Familie finanziell abzusichern zwang Masaryk eine besser bezahlte Stelle zu suchen und so nahm er 1882 den Posten eines außerordentlichen Professors an der Karlsuniversität in Prag an, wohin er mit der Familie umzog. Der Titel eines ordentlichen Professors wurde ihm im Jahr 1897 von der Universität verliehen.
1885 veröffentlichte Masaryk sein philosophisches Hauptwerk „Versuch einer konkreten Logik: Klassifikation und Organisation der Wissenschaften”.

1891 stieg Masaryk in die Politik ein und wurde Abgeordneter für die Jungtschechen im Parlament in Wien. Zum ersten Mal hatte er schon 1883 auf sich aufmerksam gemacht, als er in der Zeitschrift Athenaeum die Echtheit der Könighofer (angeblich aus dem 9. Jahrhundert) und Grünberger (angeblich aus dem 13. Jahrhundert) Handschriften infrage stellte, mit denen die tschechischen Linguisten zu beweisen versuchten, dass die tschechische Sprache dem Deutsch gleichwertig ist und eine ebenbürtige Geschichte hat. Dieses lang diskutierte Thema führte zu einem Streit, der sich allmählich zu einer nationalen Affäre entwickelte, in der wissenschaftliche Argumente und das Nationalgefühl der Nationalpolitik gegenüber standen. Masaryk stellte sich auf die Seite des Beweisens von Fakten, dass die Handschriften eine Fälschung sind, was ihm tschechische Patrioten lange nicht vergessen konnten, weil er ihrer Meinung nach Verrat an den Bemühungen um das Anspornen des nationalen Bewusstseins beging. Masaryk wurde von den Patrioten oft für seine Ansichten gegen den tschechischen Nationalismus verurteilt, der vom Hass gegen alles Deutsche ausging.

1893 zog sich Masaryk aus der Politik zurück, um ein paar Jahre später als Vertreter der Realistischen Partei, die er gegründet hatte, zurückzukehren. Danach war er zwei Wahlperioden lang bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges als Abgeordneter tätig.

1914 war Masaryk bereits eine bekannte Persönlichkeit des politischen sowie akademischen Lebens. Er trat als Verteidiger der Demokratie auf, er sah aber immer noch den besten Weg für die zukünftige Entwicklung in der Reformierung von Österreich-Ungarn. Zu Kriegsbeginn dachte er zunächst nicht an die Bildung eines neuen Staates, mit der Zeit jedoch begann er sich der Stagnation der Habsburgermonarchie und vor allem des Untergangs, in den sie stürzte, bewusst zu werden.

Er entschied sich, sich auf die Seite der Alliierten zu stellen und verlies 1914 Österreich-Ungarn. In Paris gründete er gemeinsam mit Edvard Beneš und Milan Rastislav Štefánik den Tschechischen Nationalrat und begann daran zu arbeiten, dass die tschechische und slowakische Nation als staatsbildend anerkannt werden und dass nach 300 Jahren der Habsburger-Herrschaft ein selbstständiger Staat der Tschechen und Slowaken zu existierten beginnt. Er handelte mit Regierungen in England, Russland und den Vereinigten Staaten und es gelang ihm, die Nachkriegstrennung von Österreich-Ungarn und die Entstehung des selbstständigen tschechoslowakischen Staates durchzusetzen.

Am 14. Oktober 1918 wurde Masaryk zum Ministerpräsidenten der provisorischen tschechoslowakischen Regierung ernannt, 4 Tage später erklärte er in der Washingtondeklaration die Unabhängigkeit der tschechoslowakischen Nation und am 14. November wählte die Revolutionäre Nationalversammlung Tomáš Garrigue Masaryk in seiner Abwesenheit zum Präsidenten der neuen Republik. Am 21. Dezember 1918 kehrte Masaryk triumphierend nach Prag zurück und einen Tag später trug er seine Botschaft vor der Nationalversammlung vor.

Er wurde dann noch zweimal in die Funktion des Präsidenten gewählt, in den Jahren 1927 und 1934. 1935 verzichtete er auf die Funktion des Präsidenten wegen seines hohen Alters und schlechten Gesundheitszustandes und bis zum Ende seines Lebens verweilte er dann auf dem Schloss in Lány. Sein Nachfolger wurde Edvard Beneš. Masaryk starb am 14. Oktober 1937.

Er war aus tiefster Seele ein Demokrat und Kritiker des leidenschaftlichen Nationalismus, er kämpfte gegen Rassismus und Antisemitismus, er legte Gewicht auf Moral, Religion und wissenschaftliche Erkenntnis. Er war eine große Autorität für den ganzen Staat und für viele Menschen wurde er zu einem Symbol von Ehrwürdigkeit, Weisheit und Einsicht, und sein Name bleibt für immer untrennbar mit der Entstehung des tschechoslowakischen Staates verbunden. 
 
 
Autor: Ivana Jeneralová
 
Datum: 18.03.2010
 
 
 

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