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Spannende Langeweile

 
photo:  (Bernd Posselt (Foto: Martina Schneibergová))
 

Auch in Tschechien ist die Bundestagswahl am Sonntag ein Thema. Überraschungen erwarten die Medien jedoch nicht.

 
 

Die Bundestagswahl ist nicht Top-Thema in tschechischen Zeitungen und Nachrichtenservern, vor allem da in knapp einem Monat hierzulande ebenso Parlamentswahlen anstehen. Nichtsdestotrotz verfolgt man genau, was beim größten und auch wichtigsten Nachbarn vor sich geht. Jedoch ist man sich durch die Bank einig, dass keine großen Überraschungen zu erwarten sind und dass die Auszählung am Sonntagabend nicht unbedingt spannend wird.

Bezeichnend ist dafür ein Artikel, der auf dem Nachrichtenportal des Tschechischen Rundfunks, irozhlas.cz, erschienen ist: überschrieben ist er mit dem Titel „Die große deutsche Vorwahl-Langeweile“. Der Autor beschäftigt sich mit dem sehr schleppenden Wahlkampf in der Bundesrepublik und dass die Zeitungen lieber über Ausflugsschiffe mit dem Namen Angela schreiben, als über Wahlprogramme. Und auch die Tageszeitung Právo nannte den deutschen Wahlkampf „grau und ohne Funkenschlag“.

Nichtsdestotrotz wollte gerade der Tschechische Rundfunk ein bisschen tiefer in die Seele Deutschlands schauen und hat in der letzten Woche vor dem Urnengang eine Serie dazu gestartet. Darin beschreiben bekannte Tschechen in Deutschland, wie zum Beispiel der Hertha-Star Vladimír Darida, ihre Sicht auf die Lage von Kiel bis München.

Angela Merkel ohne Konkurrenz

Tatsächlich wird die amtierende Bundeskanzlerin klar als Favoritin der Bundestagswahl gesehen und kein Medium zieht einen Wahlsieg der Union in Zweifel. Deutlich hat das in letzter Zeit zum Beispiel die Tageszeitung Hospodářské noviny gemacht, auf ihrem Onlineportal sind dazu gleich zwei große Artikel erschienen. Einer trägt dabei den Titel „Merkel als einzige Sicherheit in Europa. Die Kanzlerin steuert auf ihre vierte Amtszeit“, ein weiterer fragt schlicht: „Mit wem regiert die Kanzlerin als nächstes?“.

Doch das ist nicht das einzige zur Spitzenkandidatin der Christdemokraten, worüber die tschechischen Blätter schreiben. Verhältnismäßig viel Platz nehmen unter anderem die linken und vor allem rechten Proteste bei Wahlveranstaltungen der amtierenden Kanzlerin ein. Zu jedem Ei und jeder Tomate, das in Richtung Angela Merkel fliegt, findet sich mindestens ein Artikel. Beispielsweise hat die Tageszeitung MF Dnes auf ihrem Online-Portal eine große Fotogalerie von Anti-Merkel-Aktionen zusammengestellt.

Martin Schulz und die EU-Flüchtlingsquoten

Laut den tschechischen Blättern hat hingegen SPD-Kandidat Martin Schulz keine großen Chancen. Das liegt einerseits an der Favoritenrolle Merkels, andererseits an den geringen Unterschieden zwischen Union und SPD. Die Tageszeitung Právo hob nach dem TV-Duell von Schulz und Merkel die Meinungen deutscher Medien hervor, dass es eher ein Duett als ein Duell war.

Wenn es um Schulz geht, haben die tschechischen Medien aber auch seine Haltung in der Flüchtlingsfrage im Fokus. Der Sozialdemokrat wird dabei vor allem als glühender Verfechter von Quoten und Umverteilung dargestellt. Viel negative Beachtung hat zum Beispiel eine Wahlkampfrede des Merkel-Herausforderers Anfang des Monats gefunden, in der er die Kürzung von EU-Fördermitteln für in seinen Augen unsolidarische EU-Staaten forderte.

Tschechien-Connections der AfD

Einzig das Ergebnis der rechtspopulistischen und EU-feindlichen Alternative für Deutschland könnte auch laut tschechischen Medien eine Überraschung werden. Insgesamt haben die Zeitungen und Nachrichtenportale hierzulande einen ähnlichen Blick auf die Partei wie die deutschen. Im Zentrum stehen dabei die unter anderem die Aussagen von Spitzenkandidat Alexander Gauland oder des thüringischen Fraktionschefs Björn Höcke, Stichwort: Stolz auf die Wehrmacht und „Denkmal der Schande“. Auch die Affäre um die syrische Putzkraft, die von Spitzenkandidatin Alice Weidel illegal beschäftigt wurde, fand den einen oder anderen Artikel.

Was aber tschechischen Journalisten in Bezug auf die AfD besonders interessant vorkam, waren die Verbindungen der Partei zu Tschechien. So unterstützte Ex-Präsident Václav Klaus die Alternative für Deutschland. Teils Verwunderung rief jedoch hervor, dass er gerade vom Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, dafür kritisiert wurde.

 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 22.09.2017
 
 
 

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