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Tschechische Gespenster und Märchengestalten

 
photo: Vodník (praha.eu)
 

Wer liebt sie nicht, die Welt der Zauber und der Fantasie? Und was wäre diese Welt ohne Gespenster und Märchengestalten? Jedes Volk hat seine Fantasiewesen, die für die Märchen des Landes und die dortige Zauberwelt typisch sind.

 
Das ist auch in der Tschechischen Republik nicht anders. Die vielleicht bekannteste tschechische Märchen- und Legendenfigur ist der Wassermann oder „Hastrman“. Sie treffen ihn überall, wo Wasser ist, sicher auch am Rande des Dorfweihers im entlegensten Weiler des Landes. Bei dieser Figur handelt es sich um die Verkörperung des Wassergeistes und er wird häufig als kleines, grünes, eher hässliches Männchen dargestellt, das auf einem Wels reitet. Er hat grüne Haare, Glubschaugen und aus seiner Hose tropft Wasser. In der Regel wird er als gemeines Wesen beschrieben, das die Menschen ärgert. So hält er zum Beispiel in Mühlen das Mühlrad an oder zieht ungeübte Schwimmer unter Wasser, um ihre Seele zu bekommen. Mädchen versucht er mit bunten Bändern und Spiegeln ins Wasser zu locken. Manchmal ist er aber auch viel einfallsreicher und nützt seine Fähigkeit aus, sich in die verschiedensten Tiere verwandeln zu können. Und setzt sich dann ein Reiter auf den in der Gestalt eines Pferdes am Ufer des Weihers weidenden Wassermann, so springt dieser sogleich ins Wasser und ertränkt den Reiter. Die erbeuteten Seelen bewahrt der „Hastrman“ dann in typischen bauchigen Bechern mit Deckel in seinem Unterwasserkönigreich auf. Wenn sich die Seele aus ihrem Gefängnis befreien kann, entflieht sie als Luftblase aus dem Haus des Wassermannes. In anderen Märchen und Legenden kommen aber auch freundliche Wassermänner vor, die den Müllern helfen und harmlos auf den Zweigen der Weiden sitzen, Pfeife rauchen und in der Dämmerung Geige spielen.

In vielen tschechischen Märchen tauchen verschiedenste Arten von Teufeln auf. Ein Teufel hat Hörner, einen Schwanz und statt eines Fußes an einem Bein einen Huf. Er ist meist sehr behaart und stinkt nach Feuer. In der Hölle, wo der Teufel lebt, herrscht eine klare Hierarchie. Zuunterst sind die gerupften Teufel, auf höchster Position regiert der Höllenfürst Lucifer, der alle Zauber beherrscht. Die Teufel verlassen ihren unterirdischen Wohnort dann, wenn sie die Seelen von Sündern bekommen wollen. In der menschlichen Welt erscheinen sie meist als junger Jäger, der den Menschen für eine vorher abgesprochene Zeit einen bestimmten Dienst anbietet. Dafür verlangt er aber, dass der Betreffende seine Seele mit seinem eigenen Blut dem Teufel überschreibt – daher auch der Ausdruck „dem Teufel seine Seele verkaufen“. Nach Ablauf der vereinbarten Zeit bringt der Teufel den Menschen in die Hölle und hier bleibt seine Seele dann bis in alle Ewigkeit. Aber auch böse und sündige Menschen kommen in die Hölle. Ihre Seele wird dann in der Hölle gewogen und, wenn die Waage bis auf den Boden ausschlägt, schmort sie hier für immer. Zum Tagesprogramm der meisten Teufel gehört auch das Nachlegen von Holzscheiten unter den Kessel, in welchem die sündigen Seelen köcheln.

Eine weitere übernatürliche Gespenstergestalt, die auf vielen tschechischen Burgen und Schlössern haust, ist die „Bíla paní“, die „Weiße Frau“. Dabei handelt es sich um die Seele einer verstorbenen Frau, die über die Zinnen und durch die Kammern des Schlosses streift und deren Erscheinen meist mit einem nahenden Unheil in Verbindung steht. Die „Weiße Frau“ trägt häufig lange weiße Kleider und einen hohen, kegelförmigen Hut. Die bekannteste „Weiße Frau“ ist Perchta z Rožmberka, die auf Anwesen erscheint, die ihrer Familie gehörten.

Auch „Bludičky“, eine Art von Phantomen, die in Form von verschiedenfarbigen Lichtern nachts versuchen, Reisende ins Moor zu locken, gibt es in unserem Märchen. Dabei handelt es sich um die Seelen verstorbener Hexen oder kleiner Kinder. Ist der Reisende freundlich zu ihnen, führen sie ihn sicher aus dem Wald heraus. Im Wald streift noch ein weiteres Gespenst herum, der „Hejkal“, ein bärtiger Waldgeist, der mit seinen schrecklichen Rufen – dem sogenannten „Hýkání“ – den Menschen einen Schrecken einjagt. Speziell für freche Kinder gibt es bei uns noch die „Polednice“, eine Frauengestalt, die in der Mittagszeit (Mittag = poledne) ungehorsame Kinder holt. Sehr ähnlich verhält es sich mit der „Klekánice“, die Kinder holt, die sich nach dem Läuten für das Abendgebet (= večerní klekání) noch draußen herumtreiben.
 
 
Autor: Petra Hubálková
 
Datum: 11.07.2012
 
 
 

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