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Puppentheater

 
photo:  (czechtourism)
 

Schon seit vielen Jahrhunderten gehört in den tschechischen Ländern das Puppentheater zur traditionellen Art der Theaterunterhaltung. Vom Zeitpunkt seines Entstehens bis zum heutigen Erscheinungsbild hat es einen langen Weg hinter sich gebracht.

 
Schon im Mittelalter waren bei uns Puppen, die als Marionettenaufführungen Teil des Unterhaltungsprogrammes der Komödianten auf Veranstaltungen und Jahrmärkten wurden, sehr beliebt. Vom 17. Jahrhudert an bereisten immer öfter Theatergruppen aus England, Holland, Italien und später auch aus Deutschland unsere, heute tschechischen Gebiete und führten neben den klassischen Theatervorstellungen auch Stücke mit Marionetten auf.

Die ersten schriftlichen Erwähnungen von Puppenspielern tschechischer Nationalität stammen vom Ende des 18. Jahrhunderts. Ihre Marionetten waren nach barocker Tradition hergestellt. Als komische Figur trat typischerweise Pimprle, der spätere Kasperle, auf, der mit seinem Wesen an die einfachen Leute erinnerte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielten tschechische Puppenspieler eine wichtige Rolle im Prozess der nationalen Wiedergeburt. In ihren Stücken konnte sie den Zuschauern in einer klaren und einfachen Sprache die Ideen der Aufklärung und der nationalen Erneuerung näher bringen. Einer der bedeutendsten Vertreter des Puppentheaters in der Epoche der nationalen Wiedergeburt ist der Puppenspieler Matěj Kopecký, der gleichzeitig auch als Begründer des tschechischen Puppentheaters gilt.

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an verbreitete sich das Puppentheater auf der kleinen heimischen Bühne und es entstanden die sogenannten Familientheater. Viele von ihnen erreichten ein fantastisches Niveau und wurden zur Grundlage der öffentlichen Amateurbühnen. Ihren Höhepunkt erlebten die Puppentheater nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik. Die Puppen wurden in Serie produziert, die Bühnendekoration wurde in hoher Qualität gedruckt und im ganzen Land spielten mehr als zweitausend Gruppen regelmäßig für die jungen Zuschauer.

In der weiteren Entwicklung spielten vor allem diejenigen Ensembles eine Rolle, die besonderen Wert auf die künstlerische Qualität legten. Dazu gehörte auch das Puppentheater in Plzeň (Pilsen), das 1930 von Josef Skupa gegründet wurde, einem der bekanntesten tschechischen Puppenspieler und späteren Gründer des weltbekannten Prager Marionetten Theaters Spejbl und Hurvínek (Theater S & H).

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Erfolg der Puppentheater weiter zu. Zu einer der führenden Persönlichkeiten dieser Zeit wurde Jan Malík, der mit anderen Künstlern zusammen keine Mühe scheute, um ein großes Puppentheater aufzubauen, das eine ausgeglichene Mischung aus Literatur und gestalterischen Elementen anbieten sollte. So gründete er 1949 in Prag das Zentrale Puppentheater, heute bekannt unter dem Namen Theater Minor. Wurde bisher vorwiegend mit Marionetten gespielt, setzte Jan Malík ab jetzt Handpuppen, so genannte Javapuppen, ein, die eine Bühne ganz anderen Ausmaßes erlaubten. Jan Malík gehörte zu den ersten Initiatoren des Lehrstuhls für Puppenspiel an der Theaterfakultät AMU und sein außerordentlicher Einsatz trug erheblich zur Wiederaufnahme der Tätigkeit der Internationalen Vereinigung für Figuren- und Puppentheater UNIMA bei.
Eine weitere, bekannte Persönlichkeit aus der Welt des Puppentheaters nach dem Zweiten Weltkrieg war Miloš Kirschner, dessen Name untrennbar mit dem Prager Marionetten Theater Spejbl & Hurvínek (Theater S & H) verbunden ist. Unter seiner Führung wurde das Theater S & H weltbekannt.

Anfang der 60er-Jahre wuchs die Bedeutung der Regie und in die klassische Puppentheatertradition flossen neue Theatermethoden und Ansätze ein. Immer öfter traten auf der Bühne Schauspieler zusammen mit Puppen auf. Diese Konfrontation von leblosen Puppen und lebendige Schauspielern auf einer Bühne eröffnete ganz neue Ausdrucksmöglichkeiten und künstlerische Aspekte. Eine der zentralen Persönlichkeiten der modernen Puppenspielszene ist sicherlich Josef Krofta, dessen Arbeit den Rahmen des Puppentheaters weit überschreitet und der nicht nur Theater in der Tschechischen Republik inspiriert.

Im Museum der Puppenkultur in Chrudim erfahren Sie weitere Informationen zu der Entwicklung des Puppentheaters.
 


 
Autor: Petra Hubálková
 
Datum: 18.10.2010
 
 
 

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