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Wissenschaft u. Forschung

 

Die tschechische Wissenschaft verlor zwei bedeutende Persönlichkeiten

 
photo:  (sxc.hu)
 

Antonín Holý und Čestmír Šimáně, zwei der bedeutendsten Persönlichkeiten der tschechischen, jedoch auch der weltweiten Wissenschaft, verstarben kurz nacheinander im Juli des Jahres 2012. Professor Šimáně widmete sich der Kernphysik, Professor Holý rettete oder verlängerte zumindest tausenden Menschenleben auf der ganzen Welt, dank seiner Entdeckungen im Bereich der Medikamente – der Antivirotika.

 
Prof. Antonín Holý (01.09.1936 –16.07.2012) war ein tschechischer Chemiker und einer der bedeutendsten tschechischen Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er ist der Entdecker zahlreicher Antivirotika, die bei der Behandlung von HIV/AIDS, Hepatitis B, Herpes, Pocken oder viröser Entzündung der Augenschleimhaut zum Einsatz kommen. Das Medikament Viread (Tenofovir), das auf der Grundlage der Forschungen Holýs entstand, ist derzeit das wirksamste verfügbare Medikament gegen AIDS. Ihm ist es zu verdanken, dass AIDS, ursprünglich eine Krankheit, die praktisch ausnahmslos mit dem Tod endete, zu einer ernsthaften Krankheit wurde, mit der die Patienten jedoch zig Jahre leben können. Holý entwickelte auch ein Medikament gegen den Krebs der Lymphknoten.

Wenige Tage vor seinem Tode genehmigte das amerikanische Institut für Lebensmittel- und Arzneikontrolle das Präparat Truvada, an dessen Entwicklung Holý maßgeblich beteiligt war. In den Vereinigten Staaten könnte es das erste offiziell genehmigte Medikament zur Vorbeugung gegen HIV werden.

Holý ist Autor bzw. Mitautor von mehr als hundert Veröffentlichungen und sechzig Patenten. Die Patente für Medikamente aus seinem Labor stellen heute einen wesentlichen Teil des Budgets des Instituts für organische Chemie und Biochemie sicher, wo er praktisch sein ganzes Leben arbeitete.

Prof. Čestmír Šimáně (09.05.1919 –26.07.2012) wird als der Begründer der Kernforschung in der Tschechischen Republik erachtet. In Paris studierte er beim Nobel-Preisträger für Chemie Frédéric Joliot-Curie. Bis zu seinem Tode war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Kernphysik der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Řež. Seine wissenschaftliche Tätigkeit war auf die experimentelle Kernphysik und Energetik gerichtet, insbesondere auf die Konstruktion und Nutzung von Teilchenbeschleunigern, die Konstruktion von Kernstrahlungsdetektoren und Kernreaktoren.

Im Jahre 1948 begann er als erster Mitarbeiter des Instituts für Atomphysik und errichtete ein kernphysikalisches Labor. Er war Direktor des Physikalischen Instituts der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften und ab dem Jahre 1955 erster Direktor des neu gegründeten und errichteten Instituts für Kernphysik. Später leitete er auch einen Geschäftsbereich der Internationalen Atomagentur in Wien. Zu jener Zeit wirkte er auch als Dolmetscher bei Verhandlungen russischer und amerikanischer Wissenschaftler. Im Jahre 1973 wurde er zum stellvertretenden Direktor des Vereinigten Kernforschungsinstituts in Dubna bei Moskau gewählt.
 
 
Autor: Andrea Kábelová
 
Datum: 04.10.2012
 
 
 

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