Mittelschulen 3. Teil – Fachmittelschulen
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Ein Lehrlingszeugnis oder eine Abiturprüfung – vereinfacht gesagt, können die Fachmittelschulen in der Tschechischen Republik in diese beiden Gruppen aufgeteilt werden. Mit dem Erhalt eines Lehrlingszeugnisses bekommt der Absolvent gleichzeitig die Erlaubnis ein bestimmtes Handwerk auszuüben, während sich derjenige, der eine Abiturprüfung ablegt, entweder einem Fachberuf widmen oder sein Studium an einer der (Fach-)Hochschulen fortsetzen kann.
Das Interesse an Berufsschulen, welche die Schüler auf die Ausübung eines bestimmten Berufs vorbereiten, ist in den letzten Jahren zurückgegangen.
Führend in der Beliebtheitsskala der Fachmittelschulen sind schon seit Jahren Handelsakademien und medizinische und pädagogische Fachmittelschulen mit Abiturprüfung. Die Handelsakademien und Handelsschulen sind die ideale Vorbereitung für ein Hochschulstudium der Wirtschaftswissenschaften oder im Tourismusbereich.
Die geringste Nachfrage herrscht zurzeit nach einer Ausbildung an Industriefachschulen im Fach Maschinenbau. Die Schulen reagieren auf unterschiedliche Weise auf das sinkende Interesse: Während die einen versuchen, das Interesse mit Studienaufenthalten im Ausland zu wecken, versuchen andere Schulen neue, für die Jugendlichen interessantere Ausbildungsrichtungen anzubieten. Die
Landwirtschaftsschule in Benešov (Beneschau) zum Beispiel, eröffnete im Jahr 2009 den Lehrgang zum Greenkeeper. Während der Ausbildung lernen die Schüler sich um einen Golfplatz zu kümmern, das Gras richtig zu mähen und Golf zu spielen. Denn obwohl es in unserem Land bereits 85 Golfplätz gibt, besteht ein akuter Mangel an qualifizierten Fachkräften. Als weiteres Beispiel kann die Mittelschule für Steinmetze und Bildhauer in Hořice bei Hradec Králové (Königgrätz) genannt werden. Sie bietet als einzige Schule in der Tschechischen Republik einen Lehrgang für die Gewinnung und Verarbeitung von Stein an. Die Absolventen sind im In- und Ausland sehr gefragte Spezialisten, zum Beispiel als Techniker in Steinbrüchen oder Laboratorien, in welchen Steinforschung betrieben wird. Andere schlagen die künstlerische Laufbahn ein und widmen sich der kunstvollen Veredelung der Gesteinsbrocken. In Krnov (Jägerndorf) befindet sich die Mittelschule für Orgelbauer, die Interessenten die einzigartige Möglichkeit einer Ausbildung in diesem Fachgebiet anbietet. Hier kann auch eine Ausbildung zum Gitarrenbauer oder zum Kunstschreiner absolviert werden.
Schon seit längerem rückläufig ist die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen bei Berufsschulen, die keinen Abiturabschluss anbieten, sondern nur ein Lehrlingszeugnis ausstellen. Während die Jugendlichen die Lehrgänge zum Koch, Automechaniker oder Frisör noch mit Begeisterung besuchen, bleiben die Klassen der Lehrgänge zum Schreiner, Müller, Klempner, Maurer oder Polsterer beinahe leer.
Aber auch diese Schulen versuchen die Grundschulabsolventen für sich zu gewinnen – sei es durch das Angebot von Stipendien, der Möglichkeit während der Ausbildung etwas dazu zu verdienen oder indem sie ihnen ermöglichen, einen so außergewöhnlichen Beruf zu erlernen, dass der Absolvent mit einem guten Verdienst rechnen kann und sich keine Sorgen um eine entsprechende Anstellung zu machen braucht. Der Bau von schönen und wirklich gut heizenden Öfen zum Beispiel – den erlernen nur Absolventen der Berufsmittelschule in Horní Bříze bei Plzeň (Pilsen), die anschließend keine Angst vor mangelnden Aufträgen zu haben brauchen.