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Immer mehr Tschechen wollen den Jobwechsel

 
photo:  (radio.cz)
 

Die Erwerbslosenquote ist auf einem Tiefststand in Tschechien. Doch nicht alle Arbeitnehmer sind glücklich mit ihrem Job. Die Fluktuation ist deshalb auf einem Rekordniveau.

 

Ganze 70 Prozent der unzufriedenen Arbeitnehmer in Tschechien erwägen einen Jobwechsel. Dies hat eine aktuelle Umfrage des Personalvermittlers Grafton Recruitment ergeben, die in dieser Woche veröffentlicht wurde. Für die einen Firmen ist das in Zeiten des Arbeitskräftemangels ein Segen, für andere wiederum ein Fluch. Für alle bedeutet das aber, dass man tiefer in die Tasche greifen muss beim Anwerben neuer Mitarbeiter – ob nun wegen höherer Löhne oder anderer Zuckerl. Das erklärt auch Martin Ježek von Grafton Recruitment:

„Die Firmen investieren beispielsweise in Küchen oder Duschen. Aber auch attraktive Wohnungen finden sich vermehrt im Angebotsportfolio von Unternehmen, wenn sie neue Arbeitnehmer gewinnen wollen. Ebenso locken die Chefs mit weitreichenden Weiterbildungsmöglichkeiten.“

Dazu kommen Bonusprogramme und Boni, die erst nach einer bestimmten Zeit im Betrieb ausgezahlt werden. So will man die Arbeitnehmer auch in der Firma halten, damit sie bei der guten Wirtschaftslage nicht gleich weiterziehen. Laut Tomáš Surka vom Personaldienstleister Devire gibt es aber noch ein Instrument, das besonders wirksam ist:

„Die Chefs müssen ihren zukünftigen Mitarbeitern klare Möglichkeiten zum Karriere-Wachstum präsentieren. Und auch Chancen, wie sich die Angestellten in der Firma weiterentwickeln können, sollten sie dem Unternehmen treu bleiben.“

Dabei geht es dann natürlich ums Geld, und Experten machen da auf einen interessanten Umstand aufmerksam. Die Löhne von Neueinsteigern übersteigen bereits um ein Vielfaches die Gehälter von langjährigen Mitarbeitern. Doch das dürfte für die Unternehmen hierzulande nicht das größte Problem werden in Zukunft. Karel Havlíček leitet den Verband kleiner und mittelständischer Unternehmen in Tschechien:

„Die Arbeitslosenquote wird auch weiterhin auf dem niedrigen Niveau verharren. Übersetzt heißt das: Vor allem in den Großstädten und Ballungsräumen wird es auch in Zukunft nicht genug Arbeitskräfte geben. Das ist ein Trend, denn wir bereits heute beobachten können. Die Firmen müssen sich schlicht und einfach auf diese Umstände vorbereiten.“

Die Nachfrage ist besonders hoch bei gut qualifizierten Arbeitskräften in manuellen Berufen. Gesucht werden so zum Beispiel Schweißer, Schlosser oder Logistiker mit Fremdsprachenkenntnissen. Dazu Tomáš Ježek von Grafton Recruitment:

„Künftig werden Firmen vermehrt nach Entwicklern aus den Bereichen Elektronik und Automatisierung suchen. In der IT-Branche braucht man insbesondere Programmierer und SAP-Berater. Branchenübergreifend ist wiederum die Nachfrage nach Buchhalter mit Englischkenntnissen sehr groß.“

Doch zurück zur Studie von Grafton Recruitment. Die Agentur hat nämlich auch gefragt, wo unzufriedene Arbeitnehmer nach einer neuen Beschäftigung suchen. Das Ergebnis war da eindeutig: Fast alle vertrauen auf einschlägige Plattformen im Internet. Zudem werden die Dienste von Arbeitsvermittlungsagenturen immer beliebter. Ältere Arbeitnehmer verlassen sich laut Grafton Recruitment wiederum vor allem auf persönliche Kontakte. Das staatliche Arbeitsamt hingegen nutzt kaum jemand, nur sieben Prozent der Befragten suchen dort nach einem Job.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 17.01.2019
 
 
 

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