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Die Entwicklung der tschechischen Wirtschaft

 
photo:  (sxc.hu)
 

Das Gebiet der heutigen Tschechischen Republik gehörte im letzten Jahrhundert zu den wirtschaftlich am weitestentwickelten Teilen Europas, hier konzentrierte sich die Industrie Österreich-Ungarns. Die im Jahr 1918 als selbständiger Staat der Tschechen und der Slowaken gegründete Tschechoslowakei erkämpfte sich während der 20 Jahre ihres Bestehens einen Platz unter den 10 meistfortgeschrittenen Staaten der Welt. Die Textil-, Glas- und Schuhindustrie produzierten auf höchstem Niveau. Ebenso entwickelten sich die Maschinenbau-, Elektrotechnik- und Rohstoffindustrie.

 
 
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es, bedingt durch die aufgrund des Beginns des sozialistischen Regimes entstandenen Gesellschaftänderungen, zu einschneidenden Veränderungen in der tschechoslowakischen Wirtschaft. Alle Industriebetriebe wurden verstaatlicht. Die privaten Landwirtschaftsbetriebe wurden gezwungen, sich zu kollektiven Landwirtschaftsgenossenschaften zusammenzuschließen. Die Wirtschaft des Staates wurde zentral anhand eines einheitlichen Wirtschaftsplanes verwaltet. Als Grundlage diente der Fünfjahresplan, dem alle wirtschaftlichen Entscheidungen unterlagen. Die tschechoslowakische Industrie begann sich gen Osten und in Richtung rohstoff- und energieintensiver Schwerindustrie zu orientieren. Diese Konzentration auf die Schwerindustrie schlug sich auch in der starken ökologischen Belastung der Landschaft nieder.

Nach dem Fall des kommunistischen Regimes im Jahr 1989 begann für die Tschechoslowakei die Rückkehr zur Marktwirtschaft. Der Übergang von der zentralen Plan- zur Marktwirtschaft verlief nicht schmerzlos und verursachte eine Reihe von Problemen. Das Land, das sich über lange Zeit hinweg auf die Märkte des Ostblocks konzentriert hatte, verlor durch dessen Zerfall, insbesondere durch die Auflösung der UdSSR, denn Absatzmarkt für die Produkte seiner Maschinenindustrie. Es kam zu Beeinträchtigungen in der Waffenindustrie, dem Schwermaschinenbau und dem Abbau von Braun- und Schwarzkohle. In einigen Regionen kam es demzufolge zu hoher Arbeitslosigkeit (besonders in Nordböhmen und Nordmähren). Beeinflusst durch die strukturellen Veränderungen in der tschechoslowakischen Industrie bedeutete die Transformation auch eine Neuorientierung im Bereich der Handelsbeziehungen mit der Welt – waren diese bisher auf die Staaten des ehemaligen Ostblocks beschränkt gewesen, so begann das Land jetzt Handelspartnerschaften mit hochentwickelten internationalen Wirtschaftsländern aufzubauen.

Eine weitere Folge der tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen war die Aufteilung der Tschechoslowakei Ende 1992 in zwei selbständige Staaten – die Tschechische Republik und die Slowakische Republik. Vom 1. Januar 1993 an musste also die tschechische Wirtschaft autonom funktionieren und nicht nur mit den Änderungen auf den Weltmärkten, sondern auch mit den durch die Trennung der Tschechoslowakei entstandenen Veränderungen zurechtkommen.

Die neu entstandene Tschechische Republik fuhr mit der Umstrukturierung der Wirtschaft durch Privatisierung fort, deren Realisierung sich als sehr anspruchsvoll herausstellte, mit diversen Auswirkungen auf verschiedene Bereiche des Staates. Die Privatisierung bestand aus drei Grundprozessen, der Restitution und der kleinen und großen Kuponprivatisierung. Einige Staatsbetriebe wurden direkt an ausländische Investoren verkauft (Škoda Auto). Im Rahmen der Restitution wurden Betriebe und Ländereien ihren ursprünglichen Besitzern zurückgegeben. Im Zuge der Kuponprivatisierung wurden viele Staatsbetriebe in Privatbesitz überführt, vorwiegend als Aktiengesellschaften. Zugegebenermaßen entstanden durch die Kuponprivatisierung keine effektiven Besitzverhältnisse. Der zur Verfügung stehende, gesetzliche Rahmen genügt nicht, um ein ethisches Verhalten während der Privatisierung sicherzustellen, und so verfiel die tschechische Wirtschaft in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre in eine Rezession. Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln motivierte die Tschechische Republik ausländische Investoren in den folgenden Jahren mit verschiedenen Anreizen und Vergünstigungen.

Am 1. Mai 2004 wurde die Tschechische Republik Mitglied der Europäischen Union. Für die Tschechische Republik bedeutete dieser Schritt nicht nur eine gesamthafte Verbesserung ihrer internationalen Stellung, sondern auch die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit der tschechischen Wirtschaft zu steigern, mehr ausländische Investoren zu überzeugen und Mittel aus dem Strukturfonds der EU für regionale Entwicklung zu beziehen. Weiter ermöglicht es den tschechischen Bürgern, in einem anderen EU-Staat eine Arbeitsstelle zu finden. Die wirtschaftlichen Hindernisse wurden somit aus dem Weg geräumt.

Heute gehört die Tschechische Republik zu einer der weitestentwickelten Industrienationen in Mittel- und Osteuropa. Die wichtigsten Industriezweige sind Hüttenwesen, Maschinenbau, Motorfahrzeuge, Elektronik, chemische Industrie, Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Glasindustrie, Pharmaindustrie, Textil- und die Papierindustrie. Der Industriesektor erwirtschaftet insgesamt 41 % des Bruttoinlandprodukts (BIP). Den größten Anteil am BIP hat mit 55 % der Dienstleistungssektor.

Der Landwirtschaftssektor trägt mit 5 % zum BIP bei, einem sehr kleinen Anteil also. Wichtigste Landwirtschaftsprodukte sind Weizen, Gerste, Zuckerrüben, Kartoffeln, Obst und Hopfen. Als Nutztiere werden vor allem Rinder, Schweine und Geflügel gehalten.

Zu den Handelspartnern der Tschechischen Republik zählen neben Deutschland (31,9 %) die Slowakei, Polen, Frankreich, Österreich, Italien, die Niederlande, Russland, Großbritannien, China und die Vereinigten Staaten von Amerika.
 
Autor: Ivana Jenerálová
 
Datum: 14.08.2011
 
 
 

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