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Geschichte des Außenhandels

 
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Der Außenhandel wurde immer von der politischen Situation in unserem Land beeinflusst. Aus dieser Hinsicht kann man die Geschichte des Außenhandels in drei grundliegende Zeitabschnitte aufteilen.

 
 
Die erste Republik 1918 – 1948
Nach dem Zerfall von Österreich-Ungarn und der Entstehung des selbstständigen tschechoslowakischen Staates im Jahr 1918 blieb ein bedeutender Industrieteil auf unserem Gebiet. Der Außenhandel orientierte sich an Frankreich und England und auch der Handel mit den USA blieb nicht zurück. Im Jahr 1928 beteiligte sich die Tschechische Republik mit 1,4 % an der Weltindustrieproduktion und nahm so die 10. Stelle auf der Welt ein. Mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Herbst 1929 nahm auch der Außenhandel ab. Die ganze Industrieproduktion ging um mehr als 40 Prozent zurück. Im Jahr 1934, als die Krise kulminierte, devalvierte die tschechische Krone und der Außenhandel sank fast auf Null.
In der Zeit des Protektorats und des Zweiten Weltkrieges kann man kaum über einen Außenhandel sprechen. Die meisten Industriebetriebe produzierte für Deutschland und die Deutschen hielten die tschechischen Fabriken für ihre eigenen.

Sozialistische Planung 1948 –1989
Der politische Umsturz im Februar 1948 brachte der tschechischen Wirtschaft viele grundliegende Änderungen. Die Privatsphäre wurde liquidiert und die ganze Volkswirtschaft wurde verstaatlicht. Es entstanden die sog. Außenhandelsunternehmen (PZO), die monopolistisch den gesamten Außenhandel beherrschten.
Alles wurde den Wünschen der Sowjetunion (UdSSR) angepasst, wobei man eher über Anordnungen seitens der UdSSR sprechen kann.

Im Jahr 1949 wurde der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) in Moskau gegründet. Die Gründungsstaaten waren Tschechoslowakei, Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien und die UdSSR. Später traten dann Albanien, die Deutsche demokratische Republik (DDR), Mongolei, Kuba und Vietnam bei. Wir wurden unter politischem Druck gezwungen, uns in das Programm der sozialistischen Wirtschaftsintegration der Mitgliedsstaaten einzugliedern. Wir gewährten der UdSSR zinsfreie Kredite und überließen ihr die technische Dokumentation. Das langsame Wachstum unserer wirtschaftstechnischen Entwicklung sowie die ungenügende Produktion hatten den allmählichen Verlust unserer Konkurrenzfähigkeit gegenüber den westeuropäischen Produzenten zur Folge. Man schätzt, dass nur noch 3 bis 5 % des tschechoslowakischen Exports auf einem Spitzenniveau waren.

Gleich nach der Entstehung des RGW bildete sich die grundliegende Struktur der territorialen Orientierung unseres Außenhandels heraus. Das Importterritorium der ČSSR bestand in erster Reihe aus den sozialistischen Staaten, die 69,8 % des gesamten Importes in die ČSSR darstellten, weiter aus den entwickelten kapitalistischen Ländern mit 24,6 % und Entwicklungsländern mit 5,6 %.
Die Kommoditätsstruktur unseres Exportes bildeten meistens Maschinen und Anlagen. Der Export wurde weiter an industrielle Verbrauchsware (vor allem Textil) orientiert und später begannen wir, infolge von Vertriebsproblemen, auch Rohstoffe in die Westländern ausführen. Im großen Ausmaß orientierte sich unser Export auch an Waffen und Entwicklungskomplexe (vor allem in die Entwicklungsländer). Beim Import überwogen dann infolge des steigernden Erdölverbrauchs die Kraftstoffe (vor allem Erdöl).


Entwicklung nach der Wende November 1989 – Gegenwart
Die Samtene Revolution startete wieder große politische und wirtschaftliche Änderungen. Das Staatsmonopol der PZO wurde aufgehoben und es wurde mit der Transformation der zentralen Planwirtschaft in die Marktwirtschaft, die auf dem Privateigentum und dem freien Wettbewerb basiert, begonnen. Die Privatisierung fing an. Kleine Unternehmen, große Gesellschaften sowie der Dienstleistungsbereich wurden privatisiert.
Es entstanden Export- und Importfirmen, die Unternehmen selbst errichteten ihre Exportabteilungen. Trotzdem geriet der Außenhandel der Tschechischen Föderation in die Krise, und zwar vor allem wegen der wesentlichen Änderung der territorialen und Kommoditätsstruktur. Nach dem Zerfall des RGW gingen die meisten traditionellen Märkte in den sozialistischen Ländern verloren. Die versteckte Inflation erschien, die ausländische Verschuldung stieg, die Industrieproduktion ging dramatisch zurück, Die Suche nach neuen Absatzgebieten auf den westlichen Märkten brachte viele Schwierigkeiten. Ein positiver Punkt war die Erneuerung der Mitgliedschaft der Tschechischen Föderativen Republik (ČSFR) beim Internationalen Währungsfonds (MMF) und in der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) im Jahr 1990. Das Hauptziel war die Umorientierung des Exportes und Importes von den RGW-Ländern an entwickelte Länder mit Marktwirtschaft, vor allem an die EU-Staaten. Dies brachte aber Negatives in Form eines großen Exportrückgangs mit der gleichzeitigen heftigen Importsteigerung vor allem aus den westlichen Ländern mit. Trotzdem gelang es, den Import in entwickelte Länder fast um 21 Prozent zu erhöhen. Der wichtigste Exportartikel waren Rohstoffe, der Maschinenexport ging zurück. Es wurde eine große Menge an Verbrauchswaren importiert, der bedeutendste Importanstieg war bei Maschinen, Anlagen und Transportmitteln, an denen es uns absolut mangelte.

Am 1. Januar 1993 entstand die autonome Tschechische Republik. Das ganze Jahr war von ungeklärten Geschäften und Streitigkeiten mit der Slowakischen Republik gekennzeichnet, deshalb sind die Außenhandelszahlen ungenau.Die Dynamik des tschechischen Exportes nahm aber im Jahr 1994 unter den Bedingungen der beginnenden Konjunktur und Belebung des Welthandels ab, wurde territorial unausgeglichen und die Handelsbilanz endete mit einem Passivum in Höhe von 26,6 Milliarden CZK. Der Umsatz erreichte 835,4 Milliarden CZK bei der Gesamtdynamik des Außenhandels von 9,9%. Der Import stieg um 13,1 % und der Export um 6,9 %. Es wurde ein Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,6 % erzielt. Der wichtige Handel mit der Slowakischen Republik ging zurück, und zwar um 25 % (SR wurde der zweite größte Geschäftspartner der Tschechischen Republik). Der Handelsumsatz mit sonstigen Staaten wuchs 1991 bis 1994 kontinuierlich. Die Beziehungen mit den entwickelten Staaten mit Marktwirtschaft wurden vertieft. Der Umsatz des Außenhandels mit den entwickelten Staaten stieg im Jahr 1994 gegenüber dem Jahr 1993 um 62 %.
Die Tschechische Nationalbank (ČNB) hob 1997 die Fluktuationszone der Tschechischen Krone auf und ermöglichte auf diese Weise die Devalvation der Krone um circa 10 %. Die Außenhandelsbilanz erreichte ein Defizit von mehr als 150 Milliarden Kronen. Mit Ausnahme der Jahre 2000 und 2001 wurde das Defizit der Außenbilanz immer kleiner und im Jahr 2005 wurden sogar schwarze Zahlen erzielt. Dies war zum ersten Mal seit der Samtenen Revolution im Jahr 1989 der Fall. Im Jahr 2008 erreichte der Außenhandelsüberschuss 67 Milliarden Kronen.
 
Autor: Aleš Martínek
 
Datum: 25.01.2010
 
 
 

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