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Ausstellung: Via Sacra und Zittauer Fastentücher

 
photo:  (Volker Dudeck (Foto: Martina Schneibergová))
 

Die Zittauer Fastentücher sind einzigartige Kleinode von europäischem Rang. Ihre Geschichte und ihr Inhalt sind das Thema einer Ausstellung, die vor kurzem in Prag eröffnet wurde. Sie beschreibt zudem die sakralen Baudenkmäler und Schätze auf der Reiseroute der sogenannten Via Sacra im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Polen. Die Ausstellung hat Volker Dudeck vom Museum Kirche zum Heiligen Kreuz in Zittau zusammengestellt. Martina Schneibergová hat mit ihm nach der Vernissage gesprochen.

 

Herr Dudeck, die Ausstellung beschreibt die Geschichte der Zittauer Fastentücher. Wie sind sie entstanden?

„Fastentücher sind in der Fastenzeit benutzt worden. Sie ergänzen das Fasten des Leibes – kein Fleisch essen, kein Alkohol trinken, keine körperliche Liebe – durch ein Fasten der Augen. Der ganze Chorraum der Kirche war durch die Fastentücher verdeckt. Dahinter fand die Messe statt, es war eine stille Messe, man hat nichts gehört, es gab in der Fastenzeit auch keine Glocken, keine Orgel, keinen Gesang. Man sitzt ruhig in der Kirche und hat Zeit zu meditieren. Das war der Sinn der Fastentücher. Dass in Zittau gleich zwei erhalten sind, ist ein ganz verrückter Zufall oder ein Wunder – wie man will. Sie haben die Reformation überstanden, was nicht üblich ist, und auch mehrere Stadtbrände. Das große Zittauer Fastentuch ist das am besten erhaltene Fastentuch und eines der größten und ältesten Fastentücher auf der Welt. Es ist eigentlich eine Bilderbibel, die von der Erschaffung der Welt bis zum Jüngsten Gericht reicht. 45 der insgesamt 90 Bilder beschäftigen sich mit dem Alten Testament, 45 Bilder mit dem Neuen Testament.“

Was ist auf dem kleineren der beiden Zittauer Fastentücher zu sehen?

„Es gibt verschiedene Typen von Fastentüchern, dieses kleinere gehört zu den Arma-Christi-Fastentüchern. In der Mitte befindet sich eine Kreuzigungsszene und rundherum über 30 Symbole der Passion: die Dornenkrone, die Nägel, die Zange, die Leiter, die Lanze und so weiter. Von dem großen Typ gibt es weltweit 18 Fastentücher, in Deutschland nur eines, und von dem kleinen gibt es weltweit sieben und in Deutschland auch nur eines. Und diese befinden sich in Zittau.“

Neben den Kopien der Fastentücher werden in der Ausstellung Orte der Via Sacra beschrieben. Sie gehören zu den Initiatoren, die diese Themenstraße vor 15 Jahren ins Leben gerufen haben. Wie sind Sie damals auf diese Idee gekommen?

„Jeder Mensch, der in unserer Region lebt und sich für Geschichte interessiert, erkennt bald, dass es ein alter Kulturraum ist, der über Jahrhunderte zusammengehört hat: Böhmen, die Markgrafschaft Mähren, Schlesien, die Oberlausitz und die Niederlausitz. Wo man hinschaut, findet man Spuren der gemeinsamen Geschichte, insbesondere im Bereich der Frömmigkeit. Es gibt auch anderswo in der Gegend eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten, die genauso wie die Zittauer Fastentücher von europäischer Bedeutung sind. Und diese miteinander zu vernetzen und miteinander zu arbeiten, das ist die Grundidee der Via Sacra. Die Leute aus dem Westen kennen alle Dresden, Prag und Breslau. Aber dass dazwischen in dem magischen Dreieck ein ungeheuer interessanter Kulturraum ist, wissen viele nicht. Es ist bis heute eine Terra incognita. Das versuchen wir mit der Via Sacra ein bisschen zu verändern.“

Die Ausstellung über die Zittauer Fastentücher und über Via Sacra ist im Prager Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen zu sehen und läuft noch bis Ende September. Das Büro befindet sich in der Straße U lužického semináře Nr.13 unweit der Karlsbrücke.

Kommen noch einige Orte hinzu, oder ist die jetzige Zahl der Stationen schon endgültig?

„Wir sind mit 16 Stationen gestartet und haben jetzt 20 Orte. Wir müssen sehr darauf achten, dass die Stationen wirklich den gleichen Rang haben. Es muss sich schon um Dinge von europäischer Bedeutung handeln. Ich denke, es werden nicht viel mehr werden.“

Wie stark sind die Orte der Via Sacra besucht?

„Das ist ganz unterschiedlich. Viel besucht wird Karpacz im Riesengebirge, dorthin kommen jedes Jahr rund 200.000 Gäste. Dies ist zu verstehen, die Leute wandern durch die Berge und besuchen dabei auch die dortige Stabkirche Wang. Wir haben in Zittau rund 25.000 bis 30.000 Besucher im Jahr. Liberec ist bisher die letzte Stadt, die dazu gekommen ist. Es gibt dort eine hoch interessante Kreuzeskirche, zudem möchten wir mit der Shoah-Gedenkstätte noch mehr Aufmerksamkeit auch der jüdischen Geschichte der Stadt schenken. Eine Perle der Via Sacra ist Hejnice / Haindorf mit seiner Wallfahrtskirche. Der Ort wurde dank dem Priester und Theologen Miloš Raban, der leider zu früh gestorben ist, wiederbelebt. Er war für mich eine herausragende Persönlichkeit.“

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 21.06.2019
 
 
 

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