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Dänischer Lohengrin mit Vorliebe für Janáček

 
photo:  (radio.cz)
 

Der dänische Tenor Magnus Vigilius hat in Tschechien bereits in Opern von Leoš Janáček gesungen. Am Samstag tritt er zum ersten Mal im Prager Nationaltheater in der Titelrolle von Richard Wagners Lohengrin auf. Nach der Probe am Donnerstagabend ist im Café beim Nationaltheater das folgende Interview mit Magnus Vigilius entstanden.

 

„Ich bin nicht mit der Oper oder mit klassischer Musik aufgewachsen. Ich war sozusagen ein unbeschriebenes Blatt. Erst als ich an der Hochschule studiert habe, hat mir ein Freund einen Ausschnitt aus Puccinis La Boheme vorgespielt. Die Arie von Rodolfo hat mich begeistert, ich habe mir die Oper anschließend im Theater angesehen. Da war ich überrascht, dass die mir so gut gefallen hat. Ich habe damals aber noch nicht geahnt, dass ich Mal auch in Opern singen werde.“

Mit welchen Rollen haben Sie angefangen? Mit italienischem oder anderem Repertoire?

„Ich bin relativ spät zur Oper gekommen, ich habe zuerst in Musicals und auch in dänischen Gegenwartsopern gesungen. Dann habe ich mit dem italienischen Repertoire begonnen und erst 2014 mit Wagner.“

Ihre erste Wagner-Rolle war Erik im Fliegenden Holländer..

„Ja, ich habe den Erik in Schweden gesungen. Das war ein paar Jahre nach meinem Erfolg beim Internationalen Gesangswettbewerb Lauritz Melchior in Aalborg. Ich habe dort den zweiten Preis gewonnen. Anschließend habe ich viel mit der deutschen Sopranistin russischer Herkunft Elena Kerl und mit ihrem Mann, dem Tenor Torsten Kerl, zusammengearbeitet.“

Sie haben soeben eine Probe mit dem Opernensemble und den Solisten im Prager Nationaltheater gehabt. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihnen?

„Ich mag es hier sehr. Die Sänger sind sehr gut, die Atmosphäre auch. Der Dirigent Constantin Trinks ist wirklich toll, es ist leicht, ihm zu folgen. Es ist ein großes Vergnügen für mich, im Nationaltheater in Prag zu singen.“

Sie haben aber auch eine gute Beziehung zur tschechischen Musik, vor allem zu der von Leoš Janáček. Gibt es noch weitere tschechische Komponisten, deren Werke Sie singen?

„Ich habe auch Martinů gesungen. Im Frühjahr 2020 werde ich die Partie von Manolios in der Griechischen Passion von Bohuslav Martinů übernehmen. Darauf freue ich mich sehr, denn das ist eine phantastische Musik. Vorher bin ich in zwei Rollen in Janáčeks Opern aufgetreten: Števa in Jenůfa habe ich auch in Prag gesungen. In Brno habe ich mehrmals in der Oper Katja Kabanowa in der Regie von Robert Carsens die Partie von Boris Grigorjewitsch gesungen. Im Teatro San Carlo in Neapel trat ich mit der hervorragenden tschechischen Sängerin Pavla Vykopalová in der Katja Kabanowa auf. Vykopalová ist eine phantastische Katja.“

Wie ging es Ihnen mit der tschechischen Sprache?

Der dänische Tenor Magnus Vigilius singt am Samstag, den 9. November die Titelrolle in Wagners Lohengrin im Prager Nationaltheater. Die Vorstellung beginnt um 18 Uhr. Es gibt noch Restkarten. Zum zweiten Mal wird er dieselbe Partie im Nationaltheater noch am 23. November singen.

„Ja, ich musste auf Tschechisch singen. Natürlich, wenn ich eine Rolle lerne, muss ich alles verstehen, was ich singe, aber auch was alle anderen singen. Das war am Anfang sehr schwer für mich, aber jetzt finde ich, dass es schön ist, tschechisch zu singen. Janáček ist aber auch ein wunderbarer Komponist. Ihn zu singen ist wie sprechen. Die Personen in seinen Opern sind sehr menschlich, sie sind nicht schwarzweiß. Selbst die schlimme Frau Kostelnička aus Jenůfa ist aus menschlicher Sicht zu verstehen, auch wenn das, was sie gemacht hat, schrecklich war.“

Welche Rollen erwarten Sie in den nächsten Monaten?

„Im Frühjahr singe ich in Hannover Manolios in der Griechischen Passion. Dann habe ich mein Debüt in Bayreuth als Froh in der neuen Ring-Inszenierung. Im Herbst wird in der Komischen Oper in Berlin eine Neuinszenierung von Katja Kabanowa aufgeführt, ich singe dort Boris. 2021 erwarten mich die Partien von Siegmund und Stolzing in Leipzig. 2022 singe ich Siegfried in Saarbrücken. Ich freue mich sehr darüber, dass ich hier in Prag Lohengrin singen kann.“

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 09.11.2019
 
 
 

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