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Sternenhoch: Makabre Operngroteske

 
photo:  (Michal Dočekal (Foto: Martina Schneibergová))
 

Ivan Acher nutzte für seine erste Oper das groteske Romanetto von Ladislav Klíma als Vorlage.

 

Auf der Neuen Bühne des Nationaltheaters in Prag hatte vor kurzem eine weitere Oper ihre Premiere, die das Haus eigens bei einem tschechischen Komponisten bestellt hatte. Sie hat den klingenden deutschen Titel „Sternenhoch“. Der Komponist Ivan Acher ließ sich von einem Roman des unkonventionellen tschechischen Philosophen und Schriftstellers Ladislav Klíma inspirieren.

Der tschechische Komponist Ivan Acher hat Musik für mehr als 100 Theaterinszenierungen und für zahlreiche Filme geschrieben. Auf den Roman „Die Leiden des Fürsten Sternenhoch“ von Ladislav Klíma stieß er erstmals in den 1990er Jahren, als er noch in einem Antiquariat arbeitete. 2007 schrieb er die Musik zu einem Theaterstück, das den Roman zur Vorlage hatte und ursprünglich im Prager Theater Komedie aufgeführt wurde. Zehn Jahre später bekam Acher schließlich vom Prager Nationaltheater den Auftrag, eine Oper zu der Geschichte zu schreiben.

„Ich habe dabei berücksichtigt, in welcher Umgebung die Oper aufgeführt wird. Die Neue Bühne ist baufällig, vor allem was die Akustik anbelangt. Wir haben darum den Großteil der Musik bereits im Voraus mit dem großen Orchester aufgenommen und sie erklingt aus Lautsprechern. Ergänzt wird die Orchestermusik durch interessant klingende Musikinstrumente, die live auf der Bühne gespielt werden. Ich bin davon überzeugt, dass es sich ausgewogen anhört.“

Bei der Inszenierung hat der ehemalige Chef des Schauspielensembles des Nationaltheaters, Michal Dočekal, Regie geführt:

„Für mich bedeutete das eine große Verantwortung, einerseits gegenüber mir selbst und andererseits gegenüber den Schauspielern. In diesem Fall war ich täglich mit dem Autor des Werks in Kontakt, Ivan Acher hat nämlich auch das Libretto geschrieben. Es ist sehr schwierig, die Gedanken von Ladislav Klíma in einer Oper darzustellen. Dazu stehen uns einige Möglichkeiten zur Verfügung. Eine davon ist die visuelle, künstlerische Seite. Die Bühnenbildner haben sich bemüht, nüchterne Bühnenelemente zu nutzen und diese aus Alltagsgegenständen zusammenzustellen. Das wirkt gespenstisch und magisch. Alles, was in Klímas Roman enthalten ist, bauen wir aus Details zusammen – das ist ekelhaft und gleichzeitig faszinierend.“

Das Libretto ist nicht auf Tschechisch, sondern wurde ins Esperanto übersetzt. Ivan Acher dazu:

„Einer der Gründe war das Esperanto rein akustisch einfach gut klingt. Zudem wollten wir die Sauberkeit der genialen Sätze von Ladislav Klíma aufrechterhalten. Wir kommen damit aber auch dem Publikum entgegen. Denn bei einer Opernvorstellung versuchen die Zuschauer den Text von den Lippen der Sänger abzulesen. Wenn diese sehr hoch singen, sind die Worte kaum zu verstehen. Wir haben den Text in eine Sprache übersetzt, die insgesamt kaum jemand versteht, obwohl sie viele universelle Wörter enthält. Wer spanisch, italienisch oder französisch spricht, kann in dem Text aber dann doch einige Ausdrücke erkennen.“

Ladislav Klíma war eine äußerst unkonventionelle Persönlichkeit. Seinen Roman über Fürst Sternenhoch bezeichnete er selbst als „groteskes Romanetto“. Er beschreibt darin die Beziehung eines Adeligen und seiner bedeutend jüngeren Frau Helga. Der Fürst bewundert seine Gattin, zugleich hasst er sie abgrundtief. Helga erniedrigt ihren Mann und verübt ein fürchterliches Verbrechen. Am Ende lässt der Fürst sie verhungern.

Die Titelrolle des schmierigen Fürsten singt Sergej Kostow. Er kommt aus der Ukraine, seine Familie hat ihre Wurzeln aber in Bulgarien. Seit einem Jahr ist der Tenor Mitglied des Opernensembles in Liberec / Reichenberg.

„Es freut mich sehr, dass ich dem Komponisten Ivan Acher begegnet bin und dass ich eine so ungewöhnliche Rolle singen kann. In ihr ist vieles enthalten. Wichtig sind in der Vorstellung auch die Tänzerinnen und Tänzer, die zum Zauber der Oper beitragen.“

Ivan Achers Oper „Sternenhoch“ wird noch am 24. Juni auf der Neuen Bühne des Prager Nationaltheaters gespielt. Sie steht auch in der nächsten Spielzeit auf dem Programm.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 23.05.2018
 
 
 

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