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Der Lehrer Antonín Dvořák: Festival in Příbram

 
photo:  (Albína Houšková (Foto: Martina Schneibergová))
 

Konzerte, ein Wettbewerb für junge Komponisten oder eine Benefizveranstaltung – unter anderem das steht auf dem Programm des Antonín-Dvořák-Festivals in Příbram.

 

Zum sogenannten „Tag mit Antonín Dvořák“ finden dieses Jahr 20 Konzerte und weitere Aktionen statt. Diese werden an verschiedenen Orten in der mittelböhmischen Stadt Příbram veranstaltet, wozu auch eher ungewöhnliche Locations zählen. Zudem stehen 15 Konzerte und zwei Opernvorstellungen auf dem Festivalprogramm. Sie finden nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch in der Umgebung statt: auf Schloss Dobříš, in Březnice, auf dem Heiligen Berg oder in der Marienkirche in Třebsko. Das Thema der 51. Auflage der Festspiele sei Antonín Dvořák als Lehrer, erzählt Festivaldirektorin Albína Houšková:

„Das Motto lautet: ‚Der Meister und seine Schüler‘. Bei den Konzerten erklingen nicht nur Werke von Dvořák, sondern auch Kompositionen seiner Schützlinge. Nennen möchte ich vor allem Josef Suk und Vítězslav Novák. Wir stellen aber auch diejenigen Zöglinge des Komponisten vor, die so zu sagen der leichten Muse huldigten und insbesondere Operetten geschrieben haben. Zu ihnen gehörten Oskar Nedbal, Rudolf Friml und Rudolf Piskáček.“

Wie gewohnt, können auch in diesem Jahr wieder junge Komponistinnen und Komponisten ihre Kräfte bei einem Wettbewerb messen. Die Festivaldirektorin:

„Wir veranstalten diesmal zwei Wettkämpfe. Der erste davon ist für Komponisten bis 40 Jahre bestimmt. Während der vergangenen drei Auflagen sind rund 40 hochinteressante Kompositionen entstanden. Mehrere davon sind auch im Ausland erfolgreich gewesen. Der zweite Wettbewerb ist wiederum für Schulkinder bestimmt. Diejenigen, die während des Festivals die Opernvorstellungen gesehen haben, sendeten uns im Nachhinein oft Bilder zu. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, einen künstlerischen Wettbewerb für sie zu organisieren. Dieser bezieht sich auf die beiden Vorstellungen, die das Opernensemble des Tyl-Theaters aus Pilsen für die Schulklassen spielt.“

Am 4. Juni wird der „Tag mit Antonín Dvořák“ an verschiedenen Orten in Příbram gefeiert. Für die Veranstalter sei es immer ein recht hektischer und anspruchsvoller Höhepunkt des Festivals, bemerkt Albína Houšková:

„Die Bewohner von Příbram können an zahlreichen Projekten und Veranstaltungen teilnehmen. Wir besuchen an dem Tag Schulen und Kindergärten, in denen wir den Kindern verschiedene Musikinstrumente und das Zusammenspiel in einem Ensemble vorstellen. Wir bemühen uns aber auch den Erwachsenen die klassische Musik näherzubringen. Musiziert wird auf der Straße, in Krankenhäusern und auf den Marktplätzen der Stadt. Mitwirkende sind sowohl professionelle Musiker als auch Schüler der beiden Musikschulen aus Příbram.“

Benefizkonzert für Villa Rusalka

Das Festival wird am 25. April mit einem Konzert des Prager Symphonieorchesters FOK eröffnet. Auf dem Programm stehen Werke von Antonín Dvořák, Vítězslav Novák und Josef Suk. Es stellen sich die junge Violinistin Julie Svěcená sowie die Opernsängerin Lucie Silkenová und der Bariton vom Prager Nationaltheater Martin Bárta vor. Seit vier Jahren werden während des Festivals auch Benefizkonzerte für die Villa Rusalka veranstaltet. In diesem Haus in der Gemeinde Vysoká hat Antonín Dvořák oft seine Sommer verbracht.

„Die Benefizkonzerte haben früher in der Dvořák-Gedenkstätte in Vysoká stattgefunden. Aber da die Karten immer so schnell ausverkauft waren und das Interesse sehr groß war, werden sie von nun an in der František-Drtikol-Galerie in Příbram veranstaltet. Die Villa Rusalka, die normalerweise nicht zugänglich ist, wird anlässlich der Benefizveranstaltung am 11. Mai von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet sein. Ich bin davon überzeugt, dass auch diesmal viele Menschen die Gelegenheit nutzen werden, beispielsweise das Klavier zu sehen, an dem Dvořák saß, als er Rusalka oder die Slawischen Tänze geschrieben hat. Die Nachkommen des Komponisten führen die Besucher durch das historische Anwesen. In den vergangenen Jahren war dabei auch die Großenkelin des Komponisten, Hana Kakešová, die die Benefizveranstaltungen initiiert hatte. Leider ist sie vor kurzem gestorben, weshalb wir bei einem Benefizkonzert an sie erinnern werden.“

An dem Abend tritt der renommierte Klaviervirtuose Ivo Kahánek auf.

Dvořáks Schüler in Amerika

Im vergangenen Jahr wurde beim Festival zum ersten Mal ein sogenanntes „immersives Konzert“ veranstaltet. Dabei gibt es keinen Abstand zwischen dem Publikum und den Musikern. Die Zuschauer sitzen inmitten des Orchesters und werden Teil der künstlerischen Leistung. Das Konzert sei ein Volltreffer gewesen, sagt Dirigent Debashish Chaudhuri, der das Orchester beim ersten Jahrgang geleitet hat. Der indische Dirigent wird in Příbram diesmal zwei immersive Konzerte geben:

„Ich war wirklich sehr überrascht, wie die Musik imstande war, sämtliche Barrieren zu überwinden und die Menschen zueinander zu bringen. Auch wenn das Konzert vergangenes Jahr nicht unbedingt unter idealen Bedingungen stattgefunden hat. Der Raum war eng und überfüllt, es war damals sehr warm. Aber niemand ist weggegangen.“

In diesem Jahr will Debashish Chaudhuri bei seinen Darbietungen auch Werke von US-amerikanischen Komponisten aufführen, die Dvořáks Schüler waren.

„Der Meister hatte einen sehr großen Einfluss auf Künstler in den USA. Wir werden beispielsweise ein Werk von Rubin Goldmark spielen. Er war einer der ersten Kompositionsschülern von Dvořák. Und Goldmark selbst hatte zwei namhafte Nachfolger: George Gershwin und Aaron Copland. Ein weiterer Komponist, der bei Dvořák studiert hat, war William Marion Cook. Er hat sich um die Durchsetzung der afroamerikanischen Musik in der damaligen Gesellschaft verdient gemacht. Das war in der Zeit von Pre-Jazz und Pre-Blues. Bei Dvořák hat auch der tschecho-amerikanische Komponist John Zamecnik studiert.“

Dem Dirigenten zufolge hat Zamecnik viel Musik geschrieben, die bei Stummfilmvorstellungen gespielt wurde. Einige Beispiele dafür bekommt auch das Festivalpublikum zu hören. Dvořák habe die US-amerikanische Musik sehr stark beeinflusst, betont Debashish Chaudhuri:

„Als der Komponist nach Amerika kam, stellte er fest, dass dort vorwiegend dieselbe Musik wie in Europa gespielt wurde. New York war jedoch ein Melting Pot, und Dvořák hat erkannt, dass die Verflechtung verschiedener musikalischer Einflüsse einen ganz besonderen Zauber hat, den es damals auf dem alten Kontinent nicht gab. Er ließ sich von den Afroamerikanern und Indianern inspirieren. Dvořák hatte einen sehr talentierten Kopisten, Harry Burleigh. Von ihm lernte er den Spiritual kennen, den er als eines der Themen seiner Sinfonie aus der Neuen Welt bearbeitet hat. Der Meister aus Tschechien war davon überzeugt, dass die USA ihre eigene Kultur- und Inspirationsquellen haben. Er hatte seine Meinung in vielen Gesprächen zum Ausdruck gebracht. Einige Generationen von US-Komponisten hatte er so beeinflusst.“


Das Antonín-Dvořák-Festival findet in Příbram und seiner Umgebung von 25. April bis 11. Juni statt. Eröffnet wird es mit einem Festkonzert, das am 25. April um 19 Uhr im Antonín-Dvořák-Theater in Příbram beginnt.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 20.04.2019
 
 
 

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