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Prager Opern-Premiere: Prokofjews „drei Orangen“

 
photo:  (radio.cz)
 

„Die Liebe zu den drei Orangen“ gehört zu den erfolgreichsten Werken von Sergei Prokofjew. Im Prager Nationaltheater wurde die Oper zuletzt in den 1960er Jahren aufgeführt. Nun ist das Stück aber in internationaler Besetzung hier in der Stadt erneut einstudiert worden. Die Premiere der Neuinszenierung findet am Donnerstag statt.

 

„Die Liebe zu den drei Orangen“ ist ein surrealistisches Märchen für Erwachsene. Sergei Prokofjew schrieb die Oper kurz nach seiner Emigration aus dem bolschewistischen Russland in die USA. Es ist ein ziemlich kosmopolitisches Werk. Der russische Komponist nutzte ein französisches Libretto, das von einem Stück des italienischen Dramatikers Carlo Gozzi ausging. Die Premiere fand 1921 in Chicago statt. Im Prager Nationaltheater wird die Oper nach mehr als 50 Jahren wieder aufgeführt. Einstudiert hat sie der britische Dirigent Christopher Ward, der derzeit Musikdirektor im Theater in Aachen ist. Die Hauptrolle des Prinzen singt der international anerkannte tschechische Tenor Aleš Briscein. Es sei kein typischer Prinz, den das Publikum aus Dvořáks Rusalka oder aus Mozarts Zauberflöte kenne, erläutert der Opernsänger.

„Dieser Prinz macht eine besondere Entwicklung durch. Zu Anfang hat er keine Freude am Leben mehr, er leidet an hypochondrischen Depressionen, kann nicht mehr lachen. Sein Vater, der König, verwöhnt ihn und versucht, in ihm die Lust zum Leben wiederzuerwecken. In diesem Moment taucht die Zauberin Fata Morgana auf. Sie entscheidet darüber, dass der Prinz zum Sklaven der Suche nach den drei Orangen wird. Der Prinz verwandelt sich von einem Hypochonder zu einem mutigen Mann, der aufbricht, um nach den drei Orangen zu suchen. Auf seinem Weg muss er jedoch viele Hindernisse überwinden. Es gibt schließlich ein Happy End. Der Prinz bringt seine Prinzessin in den königlichen Palast.“

Aleš Briscein hält es für wichtig zu wissen, unter welchen Umständen die Oper entstanden ist.

„Sergei Prokofjew reiste damals als unbekannter Komponist in die USA. Er sprach kein Englisch und entschied sich für ein italienisches Opernthema, jedoch in französischer Sprache. Diese verrückte Kombination spiegelt sich auch in der Musik. Ich habe mit Kollegen darüber gesprochen, was der Komponist während der Schifffahrt vielleicht erlebt und wo er nach Inspirationen gesucht haben könnte, als er die Musik für ein solch buntes Libretto schrieb. In der Partie des Prinzen wirkt die Musik zu Beginn eher als Beschreibung von dessen Charakter. Dramatische Abschnitte gibt es nach des Prinzen Verwandlung zu einem mutigen Mann. Und erst zum Abschluss hat der Tenor eine sehr schöne Melodie. Musikalisch ist das keine leichte Aufgabe für einen Sänger.“

Die Regie der Oper hat Radim Vizváry. Musikalisch hat das Werk der britische Dirigent Christopher Ward zusammen mit dem Ensemble des Nationaltheaters einstudiert. Der polnische Bariton Artur Mateusz Garbas singt den Bösewicht Leander. Er sagte gegenüber Radio Prag:

„Leander ist ein schlauer Bösewicht, der helfen will, den König vom Thron zu stürzen. Er will verhindern, dass der Prinz wieder lachen kann. Er ist sehr schlimm und wirklich schleimig. Dies ist meine überhaupt erste Erfahrung mit einer Oper von Prokofjew. Es ist eine Herausforderung und zugleich die Möglichkeit, etwas Neues zu lernen. Für mich war die Musik zu Anfang sehr schwer, aber sie hat eine Intensität, die man in romantischen Opern nicht erlebt. Es ist eine große Freude, in der Oper zu singen. Dirigent Christopher Ward weiß sehr klar, was er von uns will und was wir noch besser machen können, um die Charaktere der Personen darzustellen. Ich finde die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten sowie mit Regisseur Radim Vizvary wunderbar. Ich freue mich auf die Premiere.“

Die Premiere der Neuinszenierung von Sergei Prokofjews Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ findet am Donnerstag, dem 16. Mai, um 19 Uhr im Prager Nationaltheater statt. Die Oper wird in dieser Spielzeit noch am 19., 24. und 29. Mai sowie am 9. Juni aufgeführt.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 15.05.2019
 
 
 

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