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Tag der Idioten: Verfilmung von Dana Horákovás Buch in tschechischer Uraufführung

 
photo:  (radio.cz)
 

Die ehemalige Dissidentin Dana Horáková schrieb Ende der siebziger Jahre das Buch „Tag der Idioten“, in dem sie die politische Verfolgung und ihre Flucht nach Deutschland verarbeitet. Dieses Buch wurde nun – über 30 Jahre nach seiner Entstehung – in tschechischer Sprache neu aufgelegt. Auch seine deutsche Verfilmung wurde erstmalig in Tschechien gezeigt.

 

„Tötet mich, bitte!“ Die wunderschöne Carole geht im roten Abendkleid zwischen den Pissoirs der Männertoilette umher, schlägt gegen die Wände und ruft immer wieder: „Tötet mich, bitte!“ In dieser Gesellschaft will sie nicht leben. Da sie aber keiner tötet, lässt sie sich, die doch eigentlich völlig gesund ist, in das Irrenhaus einliefern - und dort wird sie langsam wirklich verrückt. Doch auch die Gesellschaft - im Irrenhaus vertreten durch Ärzte und Pfleger - verfällt mehr und mehr dem Wahnsinn. Sie gönnt der freiwilligen Irren ihren Frieden nicht und zwingt sie schließlich wieder in die Realität. Der schönen Protagonistin des Buches bleibt nur die Flucht in den Selbstmord.

Die Autorin dieser Geschichte, die Schriftstellerin Dana Horáková, befand sich vor über 30 Jahren in einer ähnlichen Situation. Sie fühlte die Bedrohung ganz real durch die Verfolgung der Geheimpolizei.

„Ich wusste seit einiger Zeit, dass die Familie, die neben mir wohnte, für die Stasi arbeitete. Das heißt, ich wurde 24 Stunden am Tag abgehört, beobachtet, verfolgt, bei allem was ich tat.“

Horáková aber gab nicht auf, sie wollte nicht sterben und floh stattdessen nach Westdeutschland und arbeitete sich von einer Putzfrau bis zur Kultursenatorin hoch. Über 30 Jahre später traf sie hier in Prag zur tschechischen Uraufführung der Verfilmung ihres Buches auf viele ehemalige Weggefährten, welche heute teilweise zur Politprominenz Tschechiens gehören.

Während der Tag der Idioten in deutscher Sprache allerhöchstens noch antiquarisch zu kaufen ist, erlebte er in Tschechien vor kurzem eine Neuauflage. Laut Horáková richte sich das Buch denn auch – obwohl im Original in deutscher Sprache geschrieben - eigentlich an das tschechische Publikum. Bezieht es sich aber wirklich direkt auf die die Verfolgung der Dissidenten?

„Aber natürlich. Wir waren eine sehr kleine Gruppe, also der Kern der Opposition, die sogenannten Dissidenten, das waren keine Tausende, nicht einmal Hunderte, das waren 20, 30, 40 Leute. Immer wieder sickerte etwas durch, es gab immer wieder Veranstaltungen oder Treffen, wo wir plötzlich von der Geheimpolizei überrascht wurden. Natürlich ahnten oder wussten wir, dass jemand etwas aussagt“, sagt Dana Horáková.

Wer aber ist dieser Jemand? Wie soll man nicht verrückt werden, wenn man nicht in Erfahrung bringen kann, was der andere denkt, wie der andere fühlt. Das Misstrauen erstreckt sich so auch auf das ganz private Umfeld und geht einem näher, als man will. Im Film klingt das so:

„Ich darf nicht träumen. Ich darf nicht träumen. Aus Alexanders Kopf möchte ich ein kleines viereckiges Stück herausschneiden und stattdessen ein Glasfenster einsetzen, um zu sehen, ob er mich liebt.“

Das fängt die Stimmung der 70er Jahre in Prag wohl ziemlich genau ein. Erklärungen oder Lösungsansätze darf man vom Buch oder Film allerdings ebenso wenig erwarten, wie die Hoffnung auf ein tieferes Verständnis. Gelungen ist jedoch, die monotone und bedrückende Atmosphäre des Irrenhauses der 70er Jahre erfahrbar zu machen, ganz hautnah kann man sie spüren. Ohne dabei selbst sterben zu müssen.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 07.11.2014
 
 
 

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