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Verkosten erwünscht: das Honigweinmuseum

 
photo:  (Foto: Martina Schneibergová)
 

In der tschechischen Hauptstadt gibt es eine Reihe von allen möglichen Museen. Neben einem Museum für Gastronomie entstanden in der Moldaustadt in den letzten Jahren auch ein eigenes Kaffee- sowie ein Schokoladenmuseum. Am Mittwoch kam ein weiteres Museum aus dem kulinarischen Bereich hinzu: Das Honigweinmuseum wurde offiziell eröffnet.

 

Das Museum ist ein wenig versteckt, auch wenn es sich im Stadtzentrum befindet. In einer Passage in der Straße Myslíkova unweit vom Karlsplatz macht eine große Tafel darauf aufmerksam, dass es dort nicht nur eine Teestube namens Buddha, sondern auch ein „Muzeum medoviny“ – ein Honigweinmuseum gibt. Durch die Teestube kommt man direkt ins Museum, das in einem Kellerraum eingerichtet wurde. An den Wänden hängen Rezepte, Fotos und Texte zur Geschichte des uralten Getränks, das im Tschechischen „medovina“ und im Deutschen „Met“ oder „Honigwein“ heißt. Zu besichtigen sind zudem eine historische Honigmaschine, Honigweinflaschen, Etiketten und Plakate. Viele Tschechen kennen den Honigwein als meist viel zu süßes Heißgetränk von den Weihnachtsmärkten. Echter Honigwein schmeckt aber viel besser, meint Jiří Pouček. Obwohl er selbst kein Imker ist, hat er sich vor kurzem entschieden, ein Museum dieses Getränks zu eröffnen.

„Leider sind viele Honigweine, die es hierzulande auf den Märkten gibt, zusätzlich gesüßt. Häufig wird Alkohol dazu gemischt, damit sie stärker wirken. Sie schmecken manchmal gar nicht mehr nach Honig. Darum versuche ich, im Museum den echten Honigwein ohne diese Zusätze zu propagieren. Nicht immer hat der Met die Farbe, die der Verbraucher gewohnt ist. Aus dem Grund färben die Hersteller das Getränk manchmal künstlich. Denn wenn ein Honigwein – beispielsweise der Akazienhonigwein – allzu hell ist, kauft ihn kaum jemand mehr.“

Das Getränk, dem Pouček nun ein eigenes Museum widmet, entsteht durch Gärung von Bienenhonig. Die tschechische Bezeichnung „medovina“ entstand aus dem Begriff „medové víno“ – wörtlich übersetzt also Wein aus Honig. Der Honigwein sei ein uraltes Alkoholgetränk, das schon 3000 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung hergestellt wurde, erzählt der Experte. Im Großmährischen Reich setzte sich das Getränk dann ab dem siebten Jahrhundert durch. Im 11. und 12. Jahrhundert waren die Böhmischen Länder bedeutende Exporteure des Honigweins. Im Deutschen wird das Getränk auch „Met“ genannt. Der Begriff geht auf den indoeuropäischen Wortstamm „medhu“ zurück, von dem in vielen Sprachen die Bezeichnung für den Honig abgeleitet wurde – im Tschechischen heißt er „med“.

Der Begründer des Honigweinmuseums, Jiří Pouček, ist weder Imker, noch Honigweinproduzent. Sein Interesse für Honigwein und dessen Geschichte erwachte schon in jungen Jahren.

„Zum ersten Mal habe ich Honigwein während einer Wanderung in der Slowakei gekostet, da war ich noch ganz jung. Weil es zu regnen begann, gingen wir in eine Berghütte, um unsere Sachen zu trocknen. Dort hat man uns einen warmen Honigwein serviert. Er hat mir damals geschmeckt. Nach ein paar Jahren habe ich auf Bauernmärkten oder auf historischen Jahrmärkten immer wieder mal guten Honigwein entdeckt und habe damit begonnen, diese Getränke zu sammeln. Ich fand immer wieder neue Produkte und habe sie gekauft. Nach einer Weile hatte ich zu Hause eine ganze Auswahl an Honigweinen. Dann habe ich Verkostungen für Freunde organisiert. Die hiesige Teestube hat mir schließlich einen Raum angeboten, in dem ich das Honigweinmuseum einrichten konnte. Der Honigwein passt gut zu einer Teestube, vielleicht besser als zu einer Weinstube.“

In der Dauerausstellung werden nun die Geschichte des Weins und das Herstellungsverfahren beschrieben. Eine Ecke widmet sich der Imkerei. Die Besucher haben auch die Gelegenheit, ein Glas Honigwein zu probieren. Jiří Pouček veranstaltet zudem regelmäßig größere Verkostungen, und führt dabei auch umfassend in die Thematik ein:

„Dabei hören die Teilnehmer mehr über die diversen Honigweine. Den Museumsraum haben wir erst jetzt eingerichtet. Zuvor konnte man die Honigweine aus meinen Sammlungen nur in der Teestube verkosten. Es kommen öfter auch Imker hierher, die uns ihre eigenen Hausprodukte mitbringen. Ich bin immer wieder überrascht, welch gute Honigweine sie herstellen. Etwa 75 Prozent der Honigweine, die man im Museum probieren kann, stammen aus Tschechien. Der Rest kommt aus der Slowakei, und erst kürzlich habe ich ein neues Produkt aus Polen mitgebracht.“

Jiří Pouček möchte sein Sortiment im kommenden Jahr um Honigweine aus anderen Ländern, unter anderem aus Deutschland, erweitern. Immer wenn er auf Reisen ist, sucht er nach neuen Sorten:

„Bei jedem Ausflug schaue ich mich um, wo man Honigwein bekommen könnte: in kleinen Läden, im Infozentrum oder in Kneipen. Zuletzt war ich in der Hohen Tatra, und innerhalb einer halben Stunde habe ich in Starý Smokovec drei Flaschen Honigwein gefunden, die ich noch nicht kannte. Der Geschmack und Duft des Honigweins ist stark durch die Honigsorte beeinflusst. Zudem spielt das Produktionsverfahren eine Rolle dabei. Als Zusatz für Honigweine werden oft Kräuter oder Gewürze genutzt. Im Museum habe ich auch Honigweine mit Obstgeschmack. Bei der Gärung wird ein Teil der Wasserlösung durch Obstsaft ersetzt, auch diese Honigweine werden nach traditionellen Rezepten hergestellt.“

Ausländische Besucher könne er in Englisch durch sein Museum führen, sagt Jiří Pouček. Außerdem ist es möglich, für angemeldete Interessenten eine Führung in Deutsch zu organisieren. Der frischgebackene Museumsleiter ist selbst mehrmals pro Woche vor Ort:

„In den letzten zehn Jahren habe ich als Programmierer gearbeitet. Noch vor zwei Jahren hätte ich nicht geglaubt, dass ich so etwas verwirklichen würde. Aber das Museumsprojekt macht mir wirklich Spaß. Ich bin davon überzeugt, dass es nützlich ist, denn soviel ich weiß, gibt es sonst nirgendwo ein Museum dieser Art.“

Das Honigweinmuseum befindet sich in der Myslíkova Nr. 23. Wer es besuchen möchte, geht erst durch die Teestube. Geöffnet ist es täglich von 14 bis 22 Uhr.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 12.12.2014
 
 
 

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