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Alltag im Sozialismus: Autor Petr Šabach gestorben

 
photo:  (radio.cz)
 

Petr Šabach gehört zu den meistgelesenen tschechischen Autoren. Einige seiner Erzählungen wurden mit Erfolg verfilmt.

 
 

„Ich betrachte mich selbst nicht als einen hervorragenden Schriftsteller. Ich bin einfach ein Erzähler, der nicht langweilen will.“

Mit diesen Worten hat Petr Šabach sein Schreiben vor zwei Jahren gegenüber dem Tschechischen Rundfunk charakterisiert. Die bekanntesten Texte des Bestsellerautors, Jahrgang 1951, behandeln Prag und vor allem das Prager Viertel Dejvice. Das Erwachsenwerden in der sozialistischen Tschechoslowakei, Big-Beat und Bierstuben prägen seine humorvollen Erzählungen und Romane.

Šabach debütierte 1986 mit dem Band „Jak potopit Austrálii“ („Wie lässt sich Australien versenken“). „Hovno hoří“ („Scheiße brennt“) und „Opilé banány“ („Betrunkene Bananen“) sind weitere seiner insgesamt fünfzehn Buchtitel. Eigene Lebenserfahrung mischt sich in seinen Texten mit Alltagsgeschichten, die er vor allem am Kneipentisch mitgehört hat. Er scheut auch nicht vor derben Ausdrücken zurück. Als Schriftsteller wird Šabach oft mit Bohumil Hrabal verglichen. Der Filmregisseur Ondřej Trojan:

„Šabach hat ähnlich wie Hrabal aus Geschichten geschöpft, die er in der Kneipe gehört hat. Die Figuren stützten sich meistens auf wirkliche Personen.“

Trojan hat den letzten Film gedreht, der nach Vorlage von Šabach gemacht wurde: „Občanský průkaz“ („Der Personalausweis“). Der Autor kehrte darin in die Zeit des Prager Frühlings zurück. Fünfzehnjährige Jungs stehen darin dem Kommunismus trotzig gegenüber.

Insgesamt fünf seiner Prosawerke wurden zur Vorlage für erfolgreiche Filme: Der Musicalfilm „Šakalí léta“ („Die Jahre des Schakals“) thematisiert den Aufstieg des Big-Beat in der Tschechoslowakei der 1950er Jahre. Die Komödie „Pelíšky“ („Kuschelnester“) ist eine Verfilmung der Erzählung „Scheiße brennt“, in der Šabach seine Jugend als Sohn eines Berufssoldaten Ende der 1960er Jahre literarisch darstellt. „Pupendo“ schildert wiederum das Leben unter der kommunistischen Herrschaft der 1980er Jahre. Die literarischen Texte wurden von Petr Jarchovský zu Drehbüchern gemacht, Jan Hřebejk hat die Regie geführt. Der Regisseur Hřebejk:

„Petr Šabach bleibt mir als ein Mann in Erinnerung, der sehr witzig und sehr bescheiden war. Die Zusammenarbeit mit ihm war wie ein Geschenk. Er beteiligte sich selbst nicht am Schreiben des Drehbuchs und der Verfilmung seiner Texte. Wir haben ihm zugehört und gelacht. Und wenn wir daraus einen Film machen wollten, hat er gesagt, die Geschichte gehört euch.“

2016 wurde Petr Šabach mit dem Karel-Čapek-Preis des tschechischen PEN-Zentrums ausgezeichnet. Der Jury zufolge hat Šabach eine überzeugende Weise gefunden, die junge Leser-Generation anzusprechen. Der Schriftsteller verstehe es in seinen Werken, eine Brücke zwischen eigenen Äußerungen und den Gedanken seiner Leser zu bauen, hieß es. Der Bestsellerautor ist am Samstag im Alter von 66 Jahren gestorben.

 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 18.09.2017
 
 
 

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