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Fotograf: 1968 handelten Tschechen als ein Volk

 
photo:  (radio.cz)
 

Drei neue Ausstellungen in der Nationalgalerie in Prag reagieren auf die diesjährigen Achter-Jubiläen der tschechischen Geschichte.

 

Eine akustische Kollage versetzt die Galeriebesucher in den August 1968. Die Fotografien von Josef Koudelka, die in den ersten Tagen der Okkupation in den Straßen Prags aufgenommen wurden, sind weltweit bekannt. Für den Fotografen sind die Bilder mit zwei besonderen Erinnerungen und Erfahrungen verbunden:

„Wir sollten hierzulande nicht vergessen, dass der August 1968 nach längerer Zeit ein Augenblick war, als die Menschen hierzulande als eine Nation und sehr richtig gehandelt haben.“

Die zweite Erinnerung betrifft die Ausstellung der Fotos in Russland:

„Ich habe den jungen Menschen dort damals gesagt, ich weiß, dass das, was in der Tschechoslowakei geschehen war, für die Russen eine Kleinigkeit ist. Dasselbe ist auch in Georgien, Tschetschenien und an anderen Orten passiert. Ich bin mit der Ausstellung nicht nach Russland gekommen, um den jungen Menschen dort zu sagen, ihr seid die bösen Russen. Ich wollte zeigen, was geschehen ist, um ihnen bewusst zu machen, dass sie nicht genauso handeln sollten wie ihre Großväter und Väter.“

Bei der aktuellen Ausstellung werden insgesamt 249 Bilder von Josef Koudelka auf eine neue Art und Weise präsentiert.

„Die Ausstellung, die ich hier zeige, hat praktisch die ganze Welt durchwandert. Die Präsentation in der Nationalgalerie unterscheidet sich dadurch, dass sie nicht nur meine Fotografien, sondern auch großflächige Projektionen enthält. Ich bin froh über diese Idee. Meiner Meinung nach ist sie gelungen.“

Die Video-Installation ist ein Werk des Filmregisseurs Zdeněk Jiráský:

„Wir haben authentische Filmaufnahmen von Jan Němec aus dem August 1968 genommen und diese mit den Fotografien von Josef Koudelka kombiniert. Im fünften Stockwerk der Galerie bieten wir acht Projektionsflächen. Wir haben drei Monate lang die Fotos zusammengeschnitten und jede der acht Projektionen mit einem Ton-Kanal ergänzt. Für mich ist es eine neue Form. Man könnte sie Multikanal-Videoprojektion nennen.“

Die Ausstellung Invasion 1968 ist bis Anfang Januar 2019 zu sehen. Parallel dazu finden noch zwei weitere Ausstellungen statt. Die Bilder von Jiří Petrbok, die unter dem Titel „Das brennende Herz“ ausgestellt werden, bieten eine ironische Interpretation einiger Ereignisse der tschechischen Geschichte und des Themas Heimat. Zum 100. Gründungstag der Tschechoslowakei im Oktober bezieht sich indirekt die Ausstellung „Das Geheimnis von Čapeks Teppich“.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 22.08.2018
 
 
 

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