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Grundstein für den Musentempel

 
photo:  (radio.cz)
 

Vor 150 Jahren wurde mit dem Bau des tschechischen Nationaltheaters in Prag begonnen. Die Grundsteinlegung vom 16. Mai 1868 wurde zum großen Fest. Daran wird dieser Tage erinnert.

 

Stolz ragt sein Dach über den Ufern der Moldau: Das Nationaltheater in Prag ist bis heute ein Tempel des Schauspiels, des Balletts und der Oper. 1868 werden die Bauarbeiten aufgenommen für die erste tschechische Bühne in der k. u. k. Monarchie. Wie mühselig schon der Weg dorthin gewesen ist, haben Schauspieler der Bühne am vergangenen Samstag auf der sogenannten Piazzetta inszeniert:

„Vor mehr als zweihundert Jahren wurde zwar hierzulande schon Theater gespielt, aber nur auf Märkten, Jahrmärkten oder auf Puppenbühnen, und es bestanden Laienensembles. Aber ein großes Schauspielhaus gab es nicht.“

Eine Ausnahme bildet damals das Ständetheater von 1783, das Graf Nostitz in Auftrag gegeben hatte. Doch dort, wo etwa Mozarts „Don Giovanni“ seine Premiere hatte, wird zu der Zeit fast nur auf Deutsch gespielt.

1845 legt der nationale Erwecker František Palacký dem böhmischen Landtag seine Idee für den Bau eines tschechischen Theaters vor. Dieser wird schon bald bewilligt, aber erst sechs Jahre später wird eine große Spendensammlung ausgelobt. Bis 1884 wird sie über 3,2 Millionen Golddukaten einbringen. Die Grundsteinlegung erfolgt in der Zwischenzeit. Sie wird zu einem großen gesellschaftlichen Ereignis.

Die damalige Leitung des Baukomitees entscheidet: Es sollen zwei Grundsteine sein, die vom Říp und vom Radhošť kommen – also von den beiden Bergen, die bei den Tschechen und den Mährern als so etwas wie heilige Stätten gelten. Bis heute können diese Steine in einer Wand sechs Meter unter der Erde besichtigt werden. Marie Hradecká verwaltet das Archiv des Nationaltheaters:

„Der Stein mit der Nummer eins stammt vom Radhošť. Der mit der Zwei ist vom Říp. Er wurde bei einem großen Volksfest aus dem Felsen geschlagen. Beide Steine wurden dann feierlich an der Baustelle übergeben, damit sie zu Grundsteinen geformt würden.“

Doch auch weitere Gemeinden aus Böhmen und Mähren wollen nicht zurückstehen. So kommen immer mehr Grundsteine zusammen, von denen insgesamt 22 noch erhalten sind. Marie Hradecká sagt jedoch:

„Der Architekt Josef Zítek wollte in einem der Grundsteine einen Einlass haben. Das Gestein von Říp und Radhošť war dafür aber nicht geeignet. Deswegen schlug der Eigner eines Steinbruchs bei Louňovice einen Quader aus Granit und schuf einen Einlass nach den Plänen von Zítek. Dorthinein wurden Metallschatullen gesetzt. Die eine enthielt die Gründungsurkunde mit allen Unterschriften. In der zweiten befanden sich zum Beispiel Steine aus dem Kerker, in dem Jan Hus eingesperrt gewesen war, sowie Münzen und weitere Artefakte.“

An den Feierlichkeiten in Prag nehmen damals rund 150.000 Menschen teil – darunter wichtige Persönlichkeiten des tschechischen öffentlichen Lebens.

„Der für uns wohl bekannteste war Bedřich Smetana. Er schlug auf den Grundstein und sagte: ‚Musik für alle Tschechen‘. František Kolár vertrat das Schauspiel, er war Leiter des vorläufigen Theaters an dem Ort. Des Weiteren waren es František Palacký sowie Karel Sladkovský, eines der Mitglieder des Ausschusses zur Gründung des Nationaltheaters. Insgesamt 42 Persönlichkeiten waren dabei.“

Auch in der zeitgenössischen Presse wird das Ereignis gefeiert. Es dauert jedoch bis 1881, ehe das Theater eröffnet wird. Kurz darauf kommt es zum verheerenden Brand, und der Wiederaufbau nimmt noch einmal zwei Jahre in Anspruch.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 16.05.2018
 
 
 

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