HOMEPAGE

Kultur

 

Heiliger Wenzel: Stummfilm und verschollene Musik

 
photo:  (radio.cz)
 

Mit einer einmaligen Aufführung wird hierzulande des Wenzel-Staatsfeiertags und des 100. Gründungstags der Tschechoslowakei gedacht.

 

Im Smetana-Saal des Repräsentationshauses in Prag wird an diesem Mittwoch und Donnerstag das stumme Filmepos Svatý Václav (deutsch: Heiliger Wenzel) gezeigt. Die Prager Symphoniker unter der Leitung von Jan Kučera begleiten es mit der Originalmusik, die von Oskar Nedbal und Jaroslav Křička vor 90 Jahren komponiert wurde und lange Zeit als verschollen galt. Die Tonfilmspur und die Noten gingen verloren, und der Streifen wurde im Filmarchiv als Stummfilm aufbewahrt. Der Musikologe Viktor Velek hat die Noten vor neun Jahren wiederentdeckt.

„Ich habe im Archiv des Tschechischen Rundfunks gesucht. Im Blätterkatalog habe ich eine Film-Suite gefunden, die etwa 25 Minuten lang ist und bisher nicht aufgenommen wurde, sowie die Partitur der eigentlichen Filmmusik. Etwa zwei Wochen später bin ich dann in der Propstei des Veitsdoms über eine Kiste mit Noten gestolpert: Es waren die Notenparte zur Filmmusik, aus denen mal tatsächlich gespielt wurde.“

Anschließend hat Dirigent Jan Kučera die Noten mit den Filmszenen verglichen und rekonstruiert:

„Die Arbeit daran dauerte etwa ein Jahr. Es sind 100 Minuten symphonische Musik. Ich habe nichts zusätzlich komponiert oder instrumentiert.“

Die Musik korrespondiere hervorragend mit dem Film, ergänzt Kučera:

„Sie wurde exakt für konkrete Szenen und eine gewisse Atmosphäre komponiert und ist sehr gut auf den Film abgestimmt. Ohne die Musik ließe sich der Film kaum zeigen, er wäre nur die Hälfte wert. Aber auch die Musik ohne den Film wäre nur wenig sinnvoll. Es sind zwei Teile eines Werkes, die zusammengehören.“

Der Streifen Heiliger Wenzel aus dem Jahr 1930 von Regisseur Jan Stanislav Kolár ist einer der letzten tschechoslowakischen Stummfilme. Es ist das einzige Filmwerk, das die Geschichte des böhmischen Fürsten und Landespatrons darstellt. Musikologe Viktor Velek:

„Es handelt sich um das erste große tschechoslowakische Geschichtsfilmepos. Anlass für die Entstehung war der 1000. Todestag des heiligen Wenzel im Jahr 1929. Der Regisseur wollte einen repräsentativen Streifen vorlegen. Dieser erzählt von den Anfängen des Christentums, dem Streit zwischen der heiligen Ludmila und ihrer Schwiegertochter Drahomíra sowie dem Bruderzwist zwischen Wenzel und Boleslav und dem Mord an Wenzel.“

Zur Zeit seiner Entstehung handelte es sich um einen der teuersten Filme nicht nur in der damaligen Tschechoslowakei, sondern auch in Europa. Das ambitionierte Werk hat den Geschichtsstoff sorgfältig bearbeitet und wies auch viele technische Errungenschaften auf. Allerdings war das Echo gering: Das Stummfilmepos wurde erst im Frühling 1930 aufgeführt, als man bereits übersättigt war von der Wenzel-Thematik. Zudem beherrschte inzwischen der Tonfilm die Kinosäle und die Neugier der Zuschauer.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 26.09.2018
 
 
 

Mehr zum Thema

 
Kultur
 
 

Burgen und Schlösser bieten...

Die tschechischen Burgen und Schlösser sind weiterhin ein beliebtes Touristenziel. Nun ist die...

 
 
Kultur
 
 

Dänischer Lohengrin mit Vorliebe für...

Der dänische Tenor Magnus Vigilius hat in Tschechien bereits in Opern von Leoš Janáček gesungen. Am...

 
 
Kultur
 
 

Alte Meister in neuem Gewand

Die bedeutendsten Werke Alter Meister aus der Prager Nationalgalerie sind seit vergangenem Mittwoch im...

 
 
Kultur
 
 

Festival bringt die Leipziger...

Ende September hat die Mährische Landesbibliothek in Brno / Brünn ein zweimonatiges Festival gestartet...

 
Favoriten

Die Geschichte der bildenden Kunst

Was geschah in der bildenden Kunst am Wendepunkt der böhmischen Geschichte…

Klima

Tschechische Republik ist ein Binnenland, das in der milden Breite der…

Große Entdeckungen der Gegenwart

In den letzten Jahrzehnten wartete die tschechische Wissenschaft mit vielen…

Tschechisch

Tschechisch gehört zur Gruppe der westslawischen Sprachen. Aus einer anderen…

 
 

Facebook