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Kultur

 

Sudetendeutsche pflegen ihre Krippenkultur

 
photo:  (Foto: Martina Schneibergová)
 

Die Sudetendeutschen Krippenfreunde haben zwei Ziele: Sie wollen die Krippenkultur pflegen und historische Stücke restaurieren. Der Verein war auch beim diesjährigen Sudetendeutschen Tag wieder mit einem eigenen Stand vertreten. Martina Schneibergová war an Pfingsten in Augsburg und hat mit den Krippenfreunden Patrick Ernst und Reinhard Müller gesprochen.

 

Herr Ernst, aus welchen Regionen stammt die Krippenkultur, die hier vorgestellt wird?

„Sie stammt vor allem aus dem Böhmischen Niederland, aber auch aus dem Riesengebirge, dem Kuhländchen, dem Iglauer Gebiet und dem Böhmerwald.“

Herr Müller, welche Krippen sind denn beispielsweise für Nordböhmen typisch?

„Das sind die Nazarener Krippen, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Die Gestaltung der Figuren folgt dem Werk des Nazarener Malers Joseph von Führich (1800-1876, Anm. d. Red.), der in Prag und in Wien tätig war. Die nordböhmischen Krippenschnitzer haben sich von Führichs Gemälden inspirieren lassen. Zu ihnen gehörte auch mein Urgroßvater. Bekannt waren zudem die Krippenschnitzer Franz Xaver Schütz und Anton Wendler. Sehr geschätzt wird die Krippe von der Kirche in Schluckenau (tschechisch Šluknov, Anm. d. Red.) mit Figuren von Wendler. Ich bin zu unserem Verein gekommen, nachdem ich eine Krippe von meinem Vater geerbt habe. Ich wollte mich in der Krippenkultur orientieren können. Wir haben inzwischen auch Tagungen veranstaltet.“

Herr Ernst, gibt es noch Menschen, die die alte Kunst des Krippenschnitzens so beherrschen wie noch vor 100 Jahren?

„Der nordböhmische Krippenbau ist in Schirgiswalde sehr bekannt. Es gibt nur wenige, die die Figuren noch schnitzen. Ich kenne einen Mann in Rumburk, der das kann. Selbst bin ich dazu durch meinen Urgroßvater gekommen, der Krippenbauer war. Sein Schwager war Landschaftsmaler, er stammte aus Schönborn bei Warnsdorf. Sie haben die Krippentradition nach Mitteldeutschland mitgebracht. Ich führe nach zwei Generationen die Krippentradition weiter.“

Wofür interessieren sich die Besucher am meisten, die an dem Stand der Krippenfreunde vorbeikommen?

„Sie wollen mehr über die Krippenkultur erfahren, manche wollen Figuren dafür nachmachen oder reparieren lassen. Man tauscht sich aus über die alten Krippen, die man zu Hause hat. Ich finde es wichtig, ein Netzwerk aufzubauen. Denn es gibt viele alte Krippen, die noch irgendwo auf dem Dachboden schlummern und mit denen die Besitzer nichts anfangen können. Sie brauchen dann vielleicht Hilfe beim Aufbau und bei der Restaurierung.“

Haben Sie Kontakte zu tschechischen Krippenfreunden oder Krippenmuseen?

„Wir haben ein sehr gutes Netzwerk im Schluckenauer Zipfel, wo es mehrere Kultur- und Krippenvereine gibt, darunter in Georgswalde (tschechisch Jiříkov, Anm. d. Red.) und auf deutscher Seite der Grenze in Schirgiswalde. Es ist schön, dass Nachwuchs da ist, der sich für die Sache interessiert.“

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 21.12.2018
 
 
 

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