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Kultur

 

„Das Filmfest“ startet mit Mackie Messer

 
photo:  (radio.cz)
 

„Das Filmfest“ wird am Mittwoch in Prag eröffnet. Fast 40 deutschsprachige Streifen werden dabei gezeigt.

 

Beim diesjährigen Festival deutschsprachiger Filme stehen historische Themen, psychologische Dramen sowie Komödien im Vordergrund. Die 13. Auflage des „Filmfestes“ wird am Mittwoch in Prag eröffnet. Organisiert wurde das Festival unter anderem von Sarah Polewsky vom Österreichischen Kulturforum und Jana Kuhnová von der Schweizer Botschaft in Prag. Martina Schneibergová hat die beiden vors Mikrophon gebeten und mit ihnen über das Programm gesprochen.

Frau Polewsky, welche Sektionen gibt es beim diesjährigen Festival?

„In diesem Jahr haben wir wieder traditionell die beiden Sektionen ,Das Filmfest Spezial‘ und ,Doku‘ im Programm. ,Das Filmfest Spezial‘ zeigt einen Querschnitt durch das aktuelle deutsche, österreichische und schweizerische Filmschaffen – sowohl Art-Filme, als auch große Kinohits. Im Rahmen der Sektion ,Doku‘ werden die interessantesten aktuellen Dokumentarfilme vorgestellt. Die erste thematische Sektion in diesem Jahr heißt ,Die Persönlichkeit‘. Die Zuschauer können da Spielfilme über Schicksale tatsächlich existierender Persönlichkeiten wie Bertolt Brecht oder Romy Schneider sehen. Die zweite thematische Sektion heißt ,Zusammen & allein‘. Da geht es um das Spannungsfeld zwischen Einsamkeit und der Existenz, dem Leben in der Gesellschaft. Highlights in dieser Sektion sind bestimmt der Roadmovie ,303‘ von Hans Weingartner und ,Arthur & Claire‘ und viele weitere.“

Welchen der Filme über die Persönlichkeiten würden Sie besonders empfehlen?

„Das Festival wird mit dem Film ,Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm‘ eröffnet. Es geht natürlich um die Verfilmung der Dreigroschenoper, aber auch um die Person von Bertolt Brecht. Alles, was er im Film sagt, beruht auf Originalzitaten, die irgendwo einmal gefallen sind. Es ist eine Musical-Tragikomödie, die sich abspielt zwischen dem realen Bertolt Brecht, Kurt Weil und seinem Team und gleichzeitig sieht man, wie die Verfilmung der Dreigroschenoper Form annimmt. Und wie die Macher dabei im Clinsch mit der Filmindustrie lagen.“

Ist der Film über Romy Schneider vor allem für diejenigen bestimmt, die die Schauspielerin in den 1960er und 1970er bewundert haben?

„Nicht nur für sie, sondern auch für die jüngere Generation. Für viele ist Romy Schneider als junge, frische Kaiserin Sissy aus der Sissy-Trilogie bekannt. Das war ein Stempel, mit dem sie lange zu kämpfen hatte und von dem sie sich nicht emanzipieren konnte. Der Film ,Drei Tage in Quiberon‘ bietet einen Ausschnitt aus ihrem Leben, als sie schon eine gebrochene Frau war, die Schwierigkeiten hatte, eine Beziehung zu ihrem eigenen Kind aufzubauen. Sie ist in einem französischen Kurort und dort soll ein ausführliches Interview mit zwei Journalisten vom deutschen Stern stattfinden. Es ist ein sehr spannendes Porträt einer faszinierenden, legendären Persönlichkeit. Es ist zudem eine Darstellung dessen, was Ruhm mit einer Persönlichkeit macht. Der Film beschäftigt sich mit vielen Fragen vor einer melancholischen Kulisse des Kurortes am Meer. Es ist faszinierend, dass auch die Schauspielerin Marie Bäumer sich lange überreden ließ, bevor sie sich für die Rolle der Romy entschieden hat.“

Frau Kuhnová, könnten Sie die Doku-Sektion des Filmfestes vorstellen?

„Es gibt da zwei Filme, die zwei großen Filmemachern gewidmet sind. Erstens ist es der deutsche Film ,Life As It Is: Miloš Forman on Miloš Forman‘. Es geht um ein Interview, das vor 18 Jahren in New York von Regisseur Robert Fischer geführt wurde. Bisher wurden davon aber nur 30 Minuten veröffentlicht. Nach dem Tod von Miloš Forman wurde der Streifen in einen abendfüllenden Doku-Film über den Regisseur erweitert, der auch beim Festival in München vorgestellt wurde. Er beschreibt die Kindheit des Filmemachers, seine ersten Filme, die Zeit um 1968, seine Emigration in die USA und seine besten Filme wie ‚Einer flog über das Kuckucksnest‘ und ‚Amadeus‘. Der zweite Film konzentriert sich auf einen weiteren namhaften Filmemacher, und zwar Ingmar Bergman. Regisseurin Margarethe von Trotta hat den Film gedreht. Zu Wort kommen dort unter anderem Liv Ulmann und der große spanische Regisseur Carlos Saura. Ich möchte zudem auf den Film ‚Cry baby, cry‘ von Regisseur Antonin Svoboda und der Editorin Joanna Scrinzi aufmerksam machen. Es handelt sich um ein Jahr, in dem der Regisseur drei Elternpaare verfolgt, die ihr Kind zu einem Therapeuten begleiten. Im Film des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof ,Eldorado‘ geht es um unsere bürgerliche Verantwortung für Tausende von Flüchtlingen, die nach Europa kommen.“

Welchen der Schweizer Spielfilme sollte man sich nicht entgehen lassen?

„Ich würde den Film ,Dene wos guet geit‘ empfehlen, es ist der Debütfilm von Cyril Schäublin. Er ist eine Sonde in die heutige Gesellschaft in Zürich.“

Kommen auch Gäste – Regisseure oder Schauspielerinnen und Schauspieler – zum Festival?

„Ja, bisher können wir zwölf Diskussionen im Anschluss an die Filmvorführungen bestätigen. Bei der Eröffnung des Festivals wird der Produzent Dirk Derenbach anwesend sein. Zum Abschluss kommt Regisseur Joachim A. Lang. Christian Frosch wird seinen jüngsten Spielfilm ,Murer – Anatomie des Prozesses‘ vorstellen. Der Regisseur Istvan wird in Prag seinen Thriller ,Cops‘ präsentieren. Es kommen noch weitere Filmemacher.“


Das Filmfest findet von 17. bis 23. Oktober in den Prager Kinos Lucerna und Atlas statt. Von 29. Oktober bis 2. November wird eine Auswahl der Filme in den Brünner Kinos Místodržitelský palác (Statthalterpalast) und No Art gezeigt.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 16.10.2018
 
 
 

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