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Bariton Rajniš singt Jazzmusiker Jonny

 
photo:  (radio.cz)
 

Nach 91 Jahren wird in Prag die Oper „Jonny spielt auf“ von Ernst Krenek wieder aufgeführt. Das Werk hat der US-amerikanische Dirigent Stefan Lano zusammen mit Solisten aus Tschechien und dem Ausland sowie mit dem Chor und dem Orchester der Prager Staatsoper einstudiert. Die Titelrolle des Jazzmusikers Jonny singt der junge tschechische Bariton Jiří Rajniš. Kurz vor der Premiere haben wir den Opernsänger im Prager Nationaltheater getroffen.

 

Jiří Rajniš ist einer der talentiertesten jungen Opernsänger aus Tschechien. Studiert hat er am Prager Konservatorium und bei Vladimir Chernov an der Herb Alpert School of Music, die zur Universität von Los Angeles gehört. Ab 2013 war Rajniš Mitglied des Ensembles im Landestheater Coburg. Im selben Jahr trat er in Bamberg als jüngster tschechischer Don Giovanni in der gleichnamigen Oper auf. Jiří Rajniš hat auch weiter ein Engagement in Deutschland. Seit 2017 gehört er zum Jungen Ensemble der Semperoper in Dresden. Im Prager Nationaltheater war er in Carl Orffs Opern „Die Kluge“ und „Der Mond“ zu erleben. Zudem singt er in der tschechischen Hauptstadt auch den Albert in Massenets „Werther“. Die Hauptrolle in Ernst Kreneks Oper „Jonny spielt auf“ unterscheide sich etwas von den anderen Rollen, die er bisher gesungen habe, sagt Jiří Rajniš:

„Interessant finde ich, dass ich einen schwarzen Jazzmusiker spiele. Was die musikalische Seite betrifft, habe ich bereits Erfahrungen mit Werken des 20. Jahrhunderts. In der Semperoper habe ich beispielsweise in Schönbergs ,Moses und Aron‘ gesungen. Diese Musik ist natürlich anspruchsvoller als italienische Belcanto-Opern. Erstens ist es schwieriger, sie zu lernen. Zweitens wird einem mehr abverlangt, was die Verflechtung der Musik mit der schauspielerischen Leistung auf der Bühne betrifft.“

In der Oper erklingen viele Jazz-Motive. Deswegen sei das Werk auch für jene interessant, die sonst keine klassischen Operngänger seien, sagt der Sänger. Auf der anderen Seite erinnere ihn der Charakter von Jonny an Don Giovanni:

„Denn er ist ein frecher, selbstbewusster Mensch, der nicht gerade vorbildliche Taten begeht. Er kann zwar toll Saxophon und Banjo spielen, will aber eine Geige klauen, um noch berühmter zu werden. Obwohl Jonny die Frauen wechselt und sie ausnutzt, bin ich mit dem Regisseur übereingekommen, dass er im Zimmermädchen Yvonne doch eine ihm sehr nahe Person findet. Nur ihr traut er sich das zu sagen, was er wirklich denkt. Gegenüber den anderen ist er nicht so ehrlich. Dabei spielt eine Rolle, dass er eine dunkle Hautfarbe hat. In seinem Unterbewusstsein ist die Erfahrung verankert, wie die Afroamerikaner einst unterdrückt wurden. Darum spielt er mit den anderen Menschen.“

Rajniš lobt die Zusammenarbeit mit Dirigent Stefan Lano, der Kreneks Oper in Prag einstudiert hat.

„Er ist hervorragend. Er ist bereits in der ganzen Welt aufgetreten. Mir steht er auch aus dem Grund besonders nahe, dass er seit Jahren in Deutschland dirigiert. Die Oper hat er vor einigen Jahren schon im Teatro Colón in Buenos Aires einstudiert. Er wusste von Anfang an, was er wollte, und war sich dessen bewusst, wie schwer das ist. Ich kann sagen, dass mir die Rolle von Jonny ans Herz gewachsen ist. Stefan Lano arbeitet wirklich sehr gut mit den Solisten zusammen. So sollte es eigentlich immer sein beim Einstudieren einer Oper.“

Die Premiere der Neuinszenierung von Kreneks Oper „Jonny spielt auf“ im Prager Nationaltheater ist am Donnerstag, den 24. Januar um 19 Uhr. Es gibt noch Restkarten. Die Oper wird des Weiteren am 26. und 30. Januar sowie am 7. und 20. März gezeigt. Jiří Rajniš tritt im Prager Nationaltheater in dieser Saison auch in Jules Massenets Oper „Werther“ auf. Zudem singt er in mehreren Opern in Dresden.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 24.01.2019
 
 
 

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