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Im Sinne der Wirtschaft: Babišs große Asienreise

 
photo:  (radio.cz)
 

Eine Woche lang war Premier Andrej Babiš in Süd- und Südostasien unterwegs. Dabei ging es vor allem darum, der tschechischen Wirtschaft dort die Türen zu öffnen. Begleitet wurde der Regierungschef von einer umfangreichen Unternehmerdelegation. Eine Bilanz der Reise.

 
 

Singapur, Thailand und Indien – das waren die Ziele. Dabei ging es nicht vorrangig um Politik, die Menschenrechte oder Fragen internationaler Diplomatie. Vor dem Abflug nach Singapur sagte Premier Andrej Babiš:

„In jedem der Länder richten wir ein gemeinsames Unternehmerforum aus. Wir wollen Tschechien als Land der Zukunft innerhalb Europas bewerben. Wir knüpfen erste Kontakte. Wenn ich dann die Politiker der Staaten bei weiteren Konferenzen wiedertreffe, gibt es bereits Anknüpfungspunkte für ein Gespräch. Und wir können unsere Interessen weiter sichern. Ich halte das Handelspotenzial in Asien – übrigens genauso wie in Afrika – für groß, und das wollen wir nutzen.“

Tor nach Asien

Singapur am südlichen Ende der Malaiischen Halbinsel. Der Stadtstaat ist von der Fläche her nur anderthalb Mal so groß wie Prag, hat aber ein Bruttoinlandsprodukt, das über dem tschechischen liegt. Wirtschaftskontakte bestehen schon seit der Zwischenkriegszeit, als Schuhfabrikant Baťá dort eine Vertretung eröffnete. Singapurs Regierungschef Lee Hsien Loong kam sogar darauf zu sprechen:

„Viele Generationen von Kindern in Singapur trugen und tragen bis heute Sneakers von Baťá als Teil der Schulkleidung. So war das auch bei mir.“

Die Boom-Town Singapur mit ihren Wolkenkratzern gilt als Tor zum Handel in Asien. Sie hat einen der offensten Märkte weltweit. Auch deswegen plant Prag, dort nun wieder eine reguläre diplomatische Vertretung einzurichten. Diese soll tschechischen Firmen helfen – etwa dabei, in Singapur einen Partner zu finden, um dann in weitere asiatische Länder vorstoßen zu können.

„Singapur hat derzeit den Vorsitz im Freihandelsverband Asean inne, dazu gehören zehn Länder in Südostasien. Von dem Stadtstaat aus wird Handel auf dem ganzen Kontinent betrieben. Unsere Treffen waren ausgesprochen angenehm“, so Premier Babiš gegenüber dem Tschechischen Fernsehen.

58 Vertreter von 42 tschechischen Firmen sind mit dem Regierungschef durch Südost- und Südasien gereist. In Singapur ging es für sie aber nicht vorrangig um Aufträge, sondern ums Kennenlernen. Am zweiten Ziel wurde allerdings schon deutlich konkreter verhandelt.

Waffen und Tourismus

Thailand gilt für viele Menschen vor allem als Urlaubsparadies. Tropische Strände und spektakuläre Tempelanlagen locken jährlich 40 Millionen Menschen in das Land. Aber auch für diejenigen, die Handel treiben wollen, bietet der südostasiatische Staat genügend Möglichkeiten. Zudem will Thailand gerne mit der EU ein Freihandelsabkommen abschließen.

Allerdings herrscht dort seit 2014 das Militär. Erst zu Beginn dieses Jahres sollen wieder Wahlen stattfinden. Mittlerweile sind die Menschen in dem Land unruhig, die Medien werden gegängelt und Andersdenkende schikaniert. Doch das hindert Tschechien nicht, vor allem Waffentechnik dorthin zu liefern. Die thailändische Armee nutzt bisher tschechische Ausbildungs-Flugzeuge vom Typ Albatros. Diese müssen aber demnächst aus Altersgründen auf den Schrott. Doch der Hersteller aus der Nähe von Prag möchte im Geschäft bleiben und auch gerne das Nachfolgemodell verkaufen. Deswegen sagte Premier Babiš bei der Ankunft in Bangkok:

„Wir beziehungsweise unsere Firmen wollen dort Geschäfte machen. Wir bieten die neuen Hightech-Flugzeuge vom Hersteller Areo Vodochody an. Der thailändische Markt hat 65 Millionen Menschen, ich will dort sicher nicht über politische Dinge reden.“

Das war ganz im Sinne der regierenden Junta in Bangkok. Sie ist um jeden Besuch aus dem Ausland bemüht. Und Premierminister Prayut Chan-o-cha sagte dann auch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Andrej Babiš:

„Wir bieten Thailand als Standort an für tschechische Firmen, damit diese in weitere Länder expandieren können. Dabei denken wir besonders an die Rüstungsindustrie, das Flugwesen, die Autoherstellung, den Maschinenbau und die Nanotechnologie.“

Dass man von Thailand aus gut operieren kann, das glaubt auch der Investmentberater Dušan Jilčík von Starteepo. Im Tschechischen Fernsehen kommentierte er die Asien-Tournee von Babiš:

„Es ist nicht so schwer, von Thailand aus mit den unmittelbaren Nachbarstaaten wie Laos oder Kambodscha Handel zu betreiben. Allerdings bestehen dort größere Schwierigkeiten mit der Rechtssicherheit. Außerdem sollte man in der Region auch die Philippinen und Sri Lanka erwähnen. Und sicher darf man Taiwan nicht vergessen, schließlich ist das eine hoch entwickelte Volkswirtschaft. Leider wird das Land häufig vergessen, da es von Peking nicht als eigenständiger Staat anerkannt wird.“

Aber auch der Tourismus soll weiter angekurbelt werden. So konnte zum Abschluss des Aufenthalts in Thailand eine direkte Flugverbindung zwischen Prag und Bangkok ausgehandelt werden. Die Fluggesellschaft Air Asia soll diese zu Ende dieses Jahres aufnehmen.

Riesige Möglichkeiten, schwieriger Markt

Letzte Station: Indien. Ein Land voller Gegensätze. Auf der einen Seite große Armut, auf der anderen Seite der Hunger nach neuen Technologien. Mit einer Wachstumsrate von rund sieben Prozent greift der Subkontinent nach dem dritten Platz der weltgrößten Volkswirtschaften. Tschechische Regierungschefs schaffen es dennoch nur selten nach Indien, Andrej Babiš ist erst der dritte überhaupt. Am Freitag nahm er an einem Investitionsforum in Gujarat teil. Dort war Tschechien dieses Jahr eines von 15 Gastländern.

Am Rande der Wirtschaftskonferenz hatte Babiš auch die Möglichkeit, sich mit seinem indischen Amtskollegen Narendra Modi zu unterhalten. Danach sagte der tschechische Regierungschef:

„Der Zugang zum indischen Markt ist nicht leicht. Ich habe bei Premier Modi interveniert, weil das Land im vergangenen Jahr Zölle auf Autozubehör eingeführt hat. Das gefällt uns natürlich nicht. Indien kopiert das chinesische Modell. Die ausländischen Firmen werden aufgefordert, dort zu produzieren und ihre Technologien ins Land zu bringen. Das wollen nicht alle unserer Firmen mitmachen.“

Der tschechische Auto-Hersteller Škoda aber schon. Seit 2001 betreibt er bereits ein Werk in Aurangabad. Nun kommt noch ein Betrieb in Pune hinzu, der zuvor zum Mutterkonzern Volkswagen gehört hat. Dort soll ein eigenes Modell für den indischen Markt entwickelt werden. Damit will man die Verkaufszahlen erhöhen, denn die hinken den bisherigen Erwartungen weit hinterher. Bohdan Wojnar gehört dem Unternehmensvorstand bei Škoda an:

„Die reellen Verkaufsziffern in Indien liegen bei 17.000 bis 18.000 Pkw pro Jahr.“

Zum Vergleich: In China setzt Škoda 317.000 Wagen ab, Stand 2017. Am Samstag eröffnete daher Premier Babiš am Standort in Pune ein neues Technologiezentrum. Damit soll es mit dem eigenen Modell für Indien dann auch klappen.

 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 21.01.2019
 
 
 

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