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Folge der Krim-Krise: Tschechiens Hotels haben weniger Gäste aus Russland

 
photo:  (radio.cz)
 

Die Ereignisse in der Ukraine, besonders aber die Krim-Krise hinterlassen auch immer mehr Spuren in der Wirtschaft. In Tschechien beginnt man dies bereits zu spüren, allen voran im Tourismus.

 
 

In den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres hat die Tourismusbranche einen erheblichen Rückgang bei der Zahl der russischen und ukrainischen Besucher in Tschechien festgestellt. Dazu sagt der der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes in Tschechien, Václav Stárek:

„Laut Informationen der Reisebüros, die mit russischen Touristen arbeiten, kann ich bestätigen, dass die Nachfrage dieser Touristen um 30 Prozent zurückgegangen ist. Was die Hotels betrifft, ist es noch etwas verfrüht, über die Auswirkungen zu orakeln, denn die Zeitspanne seit dem Beginn der Krim-Krise ist noch relativ kurz. Wir rechnen aber damit, dass auch die Hotels diesen Trend im April und Mai, also jenen Monaten, in denen russische Gäste sonst besonders häufig nach Tschechien reisen, zu spüren bekommen.“

Im westböhmischen Karlovy Vary / Karlsbad aber hat man den merklichen Rückgang der Gäste aus Osteuropa schon jetzt registriert, verrät der Bürgermeister der Kurstadt, Petr Kulhánek:

„Nach den Informationen, die uns die Hoteliers der Stadt übermittelt haben, ist es zu einem Rückgang von 20 bis 30 Prozent gekommen. Diese Zahl umfasst sowohl Hotelgäste aus Russland als auch aus der Ukraine.“

Besonders die ausbleibenden Touristen aus Russland sind nicht leicht zu verkraften, weiß Václav Stárek:

„Für die Tschechische Republik sind die Russen die viertstärkste Klientel bei den Auslandstouristen. Erst im letzten Jahr ist ihre Zahl um 13 Prozent angestiegen.“

Auch die absoluten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2013 haben insgesamt 759.000 Russen die Tschechische Republik besucht, davon allein 516.000 die Hauptstadt Prag. 84.000 Russen waren in Karlsbad zu Gast – das ist fast die Hälfte aller Kurgäste dieser Stadt. Zudem geben die Russen in Restaurants und Geschäften von allen Touristen mit das meiste Geld aus, im Schnitt 180 Euro pro Tag. Sie kaufen vor allem sehr gern Luxusartikel wie Lederwaren und Schmuck. Ihr Fehlen werden besonders die Geschäfte der Hauptstadt zu spüren bekommen, glaubt der Analyst Ondřej Novotný:

„In Prag machen die Geschäfte fast die Hälfte ihrer Umsätze bei Auslandskunden gerade mit den russischen Touristen.“

Für das Fernbleiben der Touristen aus Russland ist aber nicht die Krim-Krise allein verantwortlich. Auch die russische Wirtschaft schwächelt, was in den letzten Tagen und Wochen immer deutlicher im fallenden Kurs des Rubels sichtbar wird. Einen weiteren Grund für die Touristenflaute nennt Hotelverbandschef Stárek:

„Auf europäischer Ebene hatte man bereits darüber gesprochen, die Visumspflicht in den Schengen-Raum für Bürger der sogenannten BRICS-Staaten zu lockern. Zumindest für Russland wird dieses Vorhaben nun aber wohl wieder zurückgestellt. Das dürfte dann auch der Hauptgrund sein, wenn sich in den nächsten Monaten die Zahl der russischen Gäste in Grenzen hält.“

Ausbleibende Hotel- und Restaurantgäste, das bedeutet zumeist auch Einsparungen beim Personal. Der Präsident des Verbandes der Reisebüros in Tschechien, Viliam Sivek, malt diesbezüglich bereits den Teufel an die Wand:

„Wenn es zu einer Verschärfung der Visapolitik kommen sollte, dann bin ich überzeugt davon, dass vor den Toren der Arbeitsämter schon bald 20.000 Menschen mehr stehen werden.“

Das wären acht Prozent der rund 250.000 Beschäftigten, die derzeit in der tschechischen Tourismusbranche beschäftigt sind. Weniger drastisch klingt da schon die Einschätzung von Hotelverbandschef Stárek, auch wenn er anmahnt:

„Wir wollen uns ganz sicher nicht in die Politik einmischen. Aber was die Geschäftstätigkeit betrifft, muss man sehr deutlich sagen, dass jedwede Sanktionen tiefgreifende Auswirkungen auf die Wirtschaft, und in unserem Fall auf das Tourismusgeschäft, haben werden.“

Auch wenn die Tourismusbranche nicht unbedingt der stärkste Wirtschaftszweig in Tschechien ist, zeigt dieses Beispiel einmal mehr: Bei Konflikten und Krisen ist die Zahl der Verlierer ungleich größer als die Zahl der Gewinner.

 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 26.03.2014
 
 
 

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