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Industrielle Entwicklung

 
photo:  (sxc.hu)
 

In der 19. Jhd. geschieht auf dem Gebiet der tscheschischen Länder ein ungewöhnlicher wirtschaftlicher Aufschwung.

 
Während sich die österreichische Monarchie bis zu diesem Zeitpunkt eher an der Peripherie der modernen industriellen Zivilisation befand, gehörten die böhmischen Gebiete in der Zeit, über die wir sprechen, bereits zu den Gebieten mit dem am weitesten entwickelten Wirtschaftssystem Europas. Die stattlichen Bodenschätze, insbesondere die reichen Vorkommnisse von Schwarzkohle, die hohe Bevölkerungsdichte und das wohl dichteste Eisenbahnnetz Europas führten dazu, dass Böhmen die industriell interessanteste Region der Monarchie in Bezug auf Volumen und Qualität der Produktion war, vergleichbar mit den am weitesten entwickelten Ländern Westeuropas.

Zur Veranschaulichung: In den böhmischen Ländern konzentrierten sich 60 – 70% der gesamten Industrieproduktion des österreichischen Staatenbundes. Ein typischer Vertreter der neuen Wirtschaftselite dieser Zeit war der Unternehmer österreichischer Herkunft Emil Škoda, der 1869 in Pilsen eine kleine Fabrik des Grafen von Waldstein kaufte und sie innerhalb weniger Jahre in eine erstklassige Maschinenfabrik umwandelte, deren Produktion auch auf anspruchsvollen westeuropäischen Märkten Beachtung fand. Emil Škoda gründete so ein Unternehmen, das trotz der verschiedensten politischen Umwälzungen, mehrerer Besitzerwechsel, Verstaatlichung und abermaliger Privatisierung bis heute funktioniert und bis zum heutigen Tage immer noch an der technologischen Spitze seiner Branche steht (jetzige Škoda holding).

Die sich immer mehr entfaltende Großproduktion könnte nicht ohne hinreichende Kapitalsicherung funktionieren. Da die finanziellen Möglichkeiten der Einzelnen, ob adliger  Unternehmer oder Angehöriger der neuen unternehmerischen Eliten, an sich nicht für große Investitionen gereicht hätten, begann sich auch der Finanzsektor zu entwickeln, und zwar zunächst auf der Basis genossenschaftlicher Vorschusskassen, später auch klassischer Investitionsbanken. Das wirtschaftliche Leben erzwang auch eine rechtliche Regelung der Handelsgesellschaften, von denen die Aktiengesellschaft den wichtigsten Platz einnahm und auch heute noch einnimmt. Auf die Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung hatte auch das Schulwesen einen entscheidenden Einfluss. Im Unterschied zu England – der Wiege der industriellen Revolution, wo sämtliche technische Kenntnisse und Fähigkeiten in der Praxis gewonnen wurden – legte man in Böhmen (und ähnlich auch in Deutschland) immer Wert auf eine perfekte theoretische Vorbildung. Die Investitionen in die Bildung machten sich dann zweifellos in Form vieler technischer Erfindungen und in der qualifizierten Arbeitskraft, die die industrielle Produktion wirksam bereichern konnte, bezahlt. Die Anfänge der Industrialisierung waren mit der Textilproduktion verbunden, die in den überwiegend von deutscher Bevölkerung besiedelten Grenzgebieten angesiedelt war. Im Inland, das eher tschechischer Nationalität war, entwickelte sich hauptsächlich die Landwirtschaft (insbesondere der Anbau von Getreide, Zuckerrüben und Hopfen) und die daran anknüpfende Lebensmittelindustrie, vor allem die Herstellung von Zucker und Bier. In den großen Industriezentren in der Gegend von Pilsen, Kladno und Ostrava konzentrierten sich der Maschinenbau, die chemische Industrie und die Rohstoffförderung, vor allem von Schwarzkohle.

Das Ende des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt sich dann im Zeichen der neuen Technologien – Verbrennungsmotor und Elektrosystem. In diesem Zusammenhang spricht man manchmal ebenfalls von der zweiten industriellen oder wissenschaftlich-technischen Revolution. Von den bedeutendsten tschechischen Erfindern können wir z.B. Josef Ressl nennen, den Erfinder der Schiffsschraube, die Brüder Veverka, die den Kainzpflug erfunden haben, also den verbesserten Pflug, der den Boden nicht nur aufgrub, sondern auch wendete, oder den Erfinder der Wasserturbine, Professor der Brünner-Technik, Viktor Kaplan. Eine ganz außerordentliche Bedeutung errang der „tschechische Edison“ František Křižík. Dieser Erfinder, Elektroniker und Unternehmer erfand unter anderem die elektrische Bogenlampe, verbesserte das Sicherheitssystem der Eisenbahn, gründet das erste tschechische Elektrizitätswerk und nahm 1881, zum Anlass der
Jubiläumsausstellung, in Prag die erste elektrische Bahn in Betrieb. 1903 errichtet er dann die erste elektrifizierte Eisenbahn auf der Strecke Bechyně – Tábor. Die Periode der relativen Wirtschaftsblüte, die im Wesentlichen nur von der Wirtschaftskrise im Jahre 1873 unterbrochen wurde, wurde jedoch 1914 durch den ersten Weltkrieg gewaltsam beendet.

 


 
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Datum: 28.12.2009
 
 
 

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