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Geschichte der tschechischen Wirtschaft

 
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Nach der Entstehung des selbstständigen tschechoslowakischen Staates im Herbst 1918 gab es bedeutende Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Hinter der entwickelten Industrie in Böhmen und Mähren lag die Slowakei zurück, und hinter ihr dann noch die Karpaten-Ukraine.

 
Die Erste Republik
Nach dem Ersten Weltkrieg begann sich die Industrie heftig zu entwickeln. Die manuelle Arbeit wurde durch Maschinenproduktion und neue Technologien ersetzt. Der wahrscheinlich bedeutendste Vertreter dieser Zeit ist X1 Tomáš Baťa X1, der es schaffte, zehn tausende Menschen zu beschäftigen. Die Wirtschaft in der Tschechoslowakei verzeichneten mehrere Wellen des Aufschwungs und nachfolgend der Abschwächung während der 20-er Jahre des 20. Jahrhunderts. Trotzdem erreichte die Industrieproduktion im Jahr 1924 den Vorkriegsstand. Die Textil-, Glas- und Schuhindustrie gehörten zu den höchstentwickelten weltweit. Die tschechoslowakische Rüstungsindustrie hatte in Europa keine Konkurrenz. Gemeinsam mit der vollendeten Elektrifizierung der Tschechoslowakei entwickelten sich auch die Elektro- und Energieindustrie. Im Jahr 1928 gab es nur 38 Tausend Arbeitslose in der ganzen Tschechoslowakei, was weniger als 1 % aller arbeitsfähigen Einwohner darstellte. Die Daten aus dem Jahr 1929 belegen: in der Landwirtschaft arbeitete 35 % der Menschen, in der Industrie 34 % und schon damals fast 31 % im Dienstleistungsbereich. Im selben Jahr beteiligte sich Tschechoslowakei mit 1,4 % auf der Weltindustrieproduktion und ihr gehörte der zehnte Rang auf der Welt.

Mit dem Krach der New Yorker Börse (24. Oktober 1929) traten die Weltkrise und damit auch der Rückgang der Industrieproduktion ein. In den Jahren 1932 – 1933, als die Krise kulminierte, gab es mehr als ein Million Arbeitslose in der Tschechoslowakei. Die Industrieproduktion ging um 40 % zurück. Im Jahr 1934 devalvierte dann die Krone und die Industrie hörte praktisch auf, ins Ausland zu exportieren.

Mit dem Eintritt des Faschismus, vor allem dann mit der Entstehung des Protektorats Böhmen und Mähren, und dann bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die tschechische Industrie in erster Reihe zur Versorgung mit Kriegsmaterial genutzt. Auch deshalb waren einige bedeutende Fabriken das Ziel der Bombardierung von Alliierten. Die wichtigste waren die X2 Škoda Werke in Pilsen X2. Die Basis der Rüstungsindustrie stellten Geschütze unterschiedlicher Ragen dar. In den Škoda Werken wurden weiter Komponenten für Flugzeuge und U-Boote sowie eine breite Skala von Geschützmunition produziert. Wichtig war auch die Produktion von Jagdflugzeugen und Zugmaschinen der Artillerie sowie die Reparatur der angegebenen Waffen. Im Frühling 1945 stellten die Lieferungen der Pilsner Škoda Werke fast 30 % aller Waffenlieferungen für die deutsche Armee dar.

Nachkriegsentwicklung
Die tschechoslowakische Wirtschaft war nach dem Zweiten Weltkrieg in einem ausgezeichneten Zustand. Ausgenommen einiger Luftangriffe auf die Škoda Werke in Pilsen blieb die Wirtschaft vom Krieg praktisch unberührt. Wir hatten Kapazitäten, Technologien sowie Fachleute. Die Tschechoslowakei war 1946 aufgrund einer direkten Anordnung aus Moskau leider gezwungen, den sog. Marshallplan abzulehnen, der ganz Westeuropa auf die Füße stellte. Die tschechoslowakische Industrie begann sich nach Osten zu orientieren und die Ära der sozialistischen Planung und der Fünfjahrespläne kam.
Trotzdem war zum Beispiel das Begriff Bohemia Crystal in der Welt sehr gut bekannt. Die Glasindustrie, aber auch die Textil- und Chemieindustrie behielten sich während des kommunistischen Regimes ein Spitzenniveau.

Nach der Wende im Jahr 1948 begann die gezwungene Kollektivierung der Landwirtschaft. Einheitliche Landwirtschaftliche Genossenschaften (LPG) entstanden, was in der Praxis bedeutete, dass die Landwirte gezwungen wurden, Vieh, Boden und Maschinen „freiwillig“ abzugeben. Der Kollektivierung entging niemand. Auch die kleinen Bauer mussten das Nutzvieh abzugeben. Die kleinen Felder wurden beseitigt und riesige Felder entstanden.

Im Jahr 1949 war die Tschechoslowakische Republik eines der Gründungsmitglieder des RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe). Diese war ein Machtinstrument zur Beherrschung der Wirtschaft der sozialistischen Staaten seitens der UDSSR und ein sowjetischer Gegenpol des Marshallplans.



Samtene Revolution
Im November 1989 kam es in der Tschechoslowakei zur „Samtenen Revolution“. Die führende Rolle der kommunistischen Partei wurde aufgehoben und die Tschechoslowakei begab sich auf den Weg zur Demokratie und Kapitalismus. Anfang der 90-er Jahre verlief die sog. Coupon-Privatisierung. Im Grunde bedeute es, dass jeder Bürger der Tschechoslowakei die Möglichkeit hatte, sich Aktien eines beliebigen, bis dahin staatlichen Unternehmens zu kaufen. An der ersten Welle der Privatisierung im Jahr 1992 nahmen 77 % aller Bürger der Tschechoslowakischen Republik teil und das privatisierte Eigentum betrug 679 Milliarden Kronen. Die gesamte Industrie geriet damit entweder in Hände kleiner Aktionäre oder verschiedener Fonds. Die folgenden 20 Jahre überlebten viele kleine Firmen nicht und zum Beispiel die Textilindustrie hörte, bis auf einigen Ausnahmen, zu existieren auf.

Gegenwart
Bei der Entstehung der Tschechoslowakei arbeitete eine circa gleiche Anzahl an Menschen in allen Sphären, und zwar um die 30 %, die gegenwärtige Gliederung weicht diametral ab. In der Landwirtschaft arbeiten nur ein bisschen mehr als 3 % Einwohner, in absoluten Zahlen sind es ca. 160 Tausend. In der Industrie sind es 38 %, bzw. 1 870 000 Menschen. Die meisten Menschen sind im Dienstleistungsbereich beschäftigt, und zwar fast 59 %, bzw. 2 890 000 Menschen. (3 Quartal 2009)
Kein wichtiges Unternehmen, ausgenommen der Energetik, ist in tschechischen Händen. Trotzdem ist z. B. die Automobilindustrie eine der meist entwickelten in Europa. Mehrere renommierte Weltautomobilproduzenten errichteten hier ihre Fabriken. Außer Škoda Auto ist es auch TPCA in Kolín, die Autos der Marke Toyota, Citroën und Peugeot herstellt, und die Automobilfirma Hyundai hat in Nošovice ihre Produktion. An diese Produktionslinien ist eine riesige Menge von Unterlieferanten angeknüpft. In der Umgebung der Automobilwerke entstehen ganze Industriezonen, die zusammen meist mehr Menschen beschäftigen als die Automobilwerke selbst.

Die Tschechische Republik investiert immer größere Beträge in die Entwicklung von Technologien. Ein Beispiel dafür kann das Weltpatent für die Produktion von Nanofasern erwähnt werden, das die Technische Universität in Liberec erwarb.
Die Agrarproduktion wird in beträchtlichem Maße von den Quoten der Europäischen Union bestimmt. Diese Quoten gibt es praktisch für alles.

Autor: Aleš Martínek
 
 
Autor:
 
Datum: 25.01.2010
 
 
 

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