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Die Premysliden-Dynastie

 
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Nach der ruhmreichen Epoche des Großmährischen Reiches bewegte sich das Zentrum des Staates westwärts nach Böhmen. Die Macht konzentrierte sich hier in den Händen der Premysliden, die diese für mehr als 400 Jahre - bis 1306 innehatten, bis sie nach einer Übergangsperiode in die Hände der Luxemburger überging.

 
 

Der erste historisch belegbare Premyslide war Bořivoj, den wir bereits kennen gelernt haben. Er hatte sich selbst am Großmährischen Hof des Prinzen Svatopluk taufen lassen. Er hatte anfänglich seinen Sitz in der befestigten Siedlung Levy Hradec, wo sich die älteste erhaltene Kirche Böhmens befindet. Er verlegte seinen Sitz in der Folge nach Prag. Die Frau  Bořivojs, Ludmila, wurde eine der ersten böhmischen Heiligen, da sieWenzel,  ihren Enkel und zukünftigen Schutzpatron von Böhmen, im katholischen Glauben erzog. Bis zu seinem Heranwachsen zum Manne wurde der Königsthron von seiner Mutter Drahomíra besetzt, der der Einfluss Ludmilas auf ihren Sohn so sehr wiederstrebte, dass sie diese erdrosseln ließ.

Wenzel, der Enkel Ludmilas und Bořivojs,  ging als einer der berühmtesten Premysliden in die Geschichte ein. Er lebte von 907 bis 935. Nach dem verlorenen Krieg gegen den sächsischen König Heinrich I. erbot er sich, dem Sieger Anerkennung zu zollen. Er bat auch um die Schulterknochen aus den Reliquien des heiligen Veit (die ursprünglich in St. Denis geruht hatten), um die Sankt-Veit- Kathedrale über diesen Gebeinen auf der Prager Burg zu errichten. Sein jüngerer Bruder Boleslav, der mit der Politik Wenzels unzufrieden war und die Fürtenmacht an sich reißen wollte, ließ Wenzel am 28. September 935 in einer Ansiedlung in Stará Boleslav ermorden. Er übernahm die Regierung als Boleslav I. und wurde später von mittelalterlichen Chronisten Boleslav der Grausame genannt. Sein Krieg mit dem sächsischen König Otto endete jedoch mit einer Niederlage.

Mit der Staatsgründung wurde es wünschenswert eine getrennte Kirchverwaltung aufzubauen. Deshalb wurde 973 ein Bistum gegründet, das dem Erzbistum in Mainz unterstellt war. Der Sachse Detmar wurde der erste Prager Bischof. Nach ihm wurde Adalbert (Vojtěch) 982 in der Kirche von Levý Hradec zum Prager Bischof ernannt. Adalbert stammte aus dem mächtigen Geschlecht der Slavnikiden, dessen Bedeutung mit dem der Premysliden vergleichbar war. Die Slavnikiden wollten jedoch keine Bedrohung ihrer Herrschaft. Im Jahr 995 griff das Heer der Premysliden die Slavníkiden-Siedlung in Libice an. Alle Einwohner wurden niedergemetzelt. Adalbert und seine zwei Brüder wohnten zu diesem Zeitpunkt im Ausland. Er ging dann nach Preußen, um das Christentum zu verkündigen und wurde am 23. April 997 von den Heiden getötet.

Die Berühmtheit Adalberts und die Macht seiner Legende wurden von dem böhmischen Prinzen Břetislav 1039 zu einem Feldzug gegen Gnesen ausgenutzt. Er eroberte die Stadt und brachte Adalberts sterbliche Überreste zurück nach Prag. Um Verwirrspiele und Machtkämpfe unter den Premysliden zu verhindern, bestimmte Břetislav gewisse Erbfolgeregeln.  Bretislav führte das Senioritätsprinzip ein, wonach stets der älteste lebende Premyslide den Thron bestieg. Später wurde das Erstgeburtsrecht angewandt, welches besagte, dass die Erbfolge auf den erstgeborenen Sohn des herrschenden Monarchen übergeht.

Vratislav I., der von 1061 bis 1092 regierte, war der erste böhmische Herrscher, der die Königskrone im Jahr 1085 erhielt. Jedoch wurde sie  nur ihm persönlich und nicht auf erblicher Grundlage verliehen. Er erhielt die Krone von Kaiser Heinrich IV. wegen seiner Unterstützung im Investiturstreit mit Papst Gregor VII., der eine europaweite Auseinandersetzung bezüglich der Frage darstellte, ob die Kirche Vorrang vor der weltlichen Macht genießt oder dieser unterworfen ist.

1126 besiegten böhmische Truppen unter Führung von Prinz Sobeslav in einer Schlacht in der Nähe von Kulm (Chlumec) die Armee von Kaiser Lothar III. Der Kaiser hatte seinen Einfluss in Böhmen stärken wollen, indem er in die Machtkämpfe der Premysliden eingriff. Die böhmischen Truppen, die unter dem Banner des heiligen Adalbert, das an die Lanze des heiligen Wenzel geheftet worden war, in die Schlacht gezogen waren, veranlassten den Geistlichen Veit zu einer Vision. Angeblich sah er, wie der heilige Wenzel oberhalb der Lanzenspitze auf einem weißen Schimmel und in einer weißen Robe für Böhmen kämpfte. Lothar III. wurde in der Schlacht besiegt, worauf Sobeslav am Georgsberg die St.- Georg-Rotunde errichten ließ. Sie steht noch  heute dort.

Vladislav wurde im Jahr 1158 der zweite böhmische König . Er erhielt für seine Unterstützung des Kaisers auch die königliche Krone. Die Trennung Böhmens, die vom Herrscher selbst durchgeführt wurde, ging  auf die beträchtliche Hilfe für Kaiser Friedrich Barbarossa in einem Feldzug gegen die Stadt Mailand zurück.

Der Premyslide Ottokar I (der von 1197 bis 1230 regierte) nutzte auf geschickte Weise die Kämpfe um den Thron des Reichses. Zuerst erreichte er 1198 die Erneuerung des Königstitels für den böhmischen Prinzen, und 1212 verlieh Kaiser Friedrich II. in der sogenannten Goldenen Bulle Böhmen den Status eines Königreichs.

Der Premyslide König Ottokar II. (Přemysl Otakar II.), der 1253-1278 herrschte, erhielt den Spitznamen "der König von Gold und Eisen" wegen seiner militärischen Macht und seines Reichtums. Er kam während einer günstigen außenpolitischen Lage auf den Thron und genoss die Stellung des stärksten Herrschers im Reich. Um den Erbteil der Babenberger zu erhalten, die Österreich und die Steiermark besaßen, heiratete er Margarethe von Babenberg, die 10 Jahre älter war. In der ersten Phase seiner Regentschaft herrschte er mit der Zustimmung des Adels, der von der Gebietserweiterung des böhmischen Königreichs profitierte.

Auf einem Kreuzzug nach Preußen im Jahr 1255 gründete er die Stadt Königsberg , heute Kaliningrad. Fünf Jahre später besiegte er in der Nähe von Kressenbrunn den ungarischen König Béla IV.  und schaffte es, die Steiermark, die die Ursache des Krieges war, zu behalten. Der Streit zwischen dem König und dem Adel über dessen Status innerhalb des Königreichs gipfelte in einer Revolte der Adligen. Nach dessen Niederschlagung blieben die gegenseitigen Beziehungen angespannt. Der Premyslide Otakar II. fand seinen Tod 1278 auf dem mährischen Schlachtfeld in einer Schlacht mit seinem Rivalen, dem römischen König Rudolph von Habsburg.

Sein Sohn Wenzel II. (1278-1305) war noch ein Kind, als sein Vater starb. Ein Streit brach unter den Verwandten  aus, wer der Vormund des jungen Wenzel in einem reichen Königreich sein würde. Für fünf Jahre wurde das Land von brandenburgischen Streitkräften besetzt, und es drohte die Gefahr, dass der Staat aufgelöst wurde. Der Adel kam jedoch zusammen und zahlte das Lösegeld für die Freilassung des königlichen Prinzen aus der brandenburgischen Gefangenschaft. Dafür forderten sie dann einen größeren Anteil an der Macht. Einer der Adligen - Zavis von Falkenstein - heiratete Kunigunde, die Witwe des Premysliden Ottokar. Er hielt die wichtige Stellung des Regenten, doch folgte schon bald sein Untergang. Es gelang seinen Gegners, ihn in Haft zu setzen. Zavis wurde dann vor der Burg Hluboká hingerichtet.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts ließen sich viele Menschen in Kuttenberg nieder, nachdem dort reiche Silbererzvorkommen entdeckt worden waren. Die Einwohnerzahl der Stadt stieg schnell an. Mit Hilfe italienischer Experten brachte Wenzel II eine neue Münze in Umlauf - den "Prager Groschen." Der Groschen wurde bis 1547  in Kuttenberg geprägt. Um die Entwicklung des Bergbaus zu unterstützen, erließ Wenzel II. im Jahre 1300 das Bergrecht (Ius Wiedersturm montanorum) . Der Reichtum der Kuttenberger Minen ermöglichte es Wenzel, das Königreich um das Egerland und um das Gebiet nördlich des Erzgebirges zu erweitern.

Er erhielt außerdem die polnische Krone, und sein Sohn Wenzel versuchte, den vakanten ungarischen Thron zu besteigen, doch scheiterten die Premysliden aufgrund der ausgestorbenen Familienlinie der Arpadin in der Erbfolge.

Wenzel III.

Er bestieg 1305 nach dem Tode seines Vaters den Thron. Ein Jahr später, als er Vorbereitungen traf, nach Polen zu gehen, um die polnische Krone zu schützen, wurde er ermordet. Sein Tod beendete die mehr als 400-jährige Regierungszeit der Premysliden auf dem böhmischen Thron.
 
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Datum: 17.12.2009
 
 
 

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