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Entstehung der Manufakturen

 
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Unter der Regierung Karls des IV. wurden die Grundlagen der zukünftigen Wirschaftsregionen gelegt.

 
 
Unter der Regierung Karls des VI. (14.Jhd.) wurde in Folge der erzwungenen Abwendung vom internationalen Handel die einheimische Wirtschaft spürbar unterstützt. Die Unternehmer genossen zahlreiche Vorrechte und zinslose Kredite. Insbesondere wurde eine einheitliche Zollordnung geschaffen, die die bis dahin üblichen protektionistischen (im Wesentlichen noch mittelalterlichen) Regional- und Stadtzölle abschaffte und diese durch einen einfachen Zolltarif ersetzte. Dieser war für die ganze Monarchie gültig, was die Bedingungen für den Handel, zumindest innerhalb des österreichischen Staatenbundes, wesentlich verbesserte.

Trotzdem kann noch nicht von so etwas wie einem freien Markt gesprochen werden. Das Volumen des Exports aus Böhmen ins Ausland war im Vergleich zum Export in die übrigen Gebiete der Monarchie fast doppelt so hoch. Auch innerhalb der böhmischen Gebiete existierte eine gewisse Aufteilung. Der hauptsächliche Export aus Böhmen erfolgte über die Elbe in die deutschen Gebiete, das Ziel war Hamburg. Der Export aus Mähren dagegen bewegte sich vor allem nach Süden zum Schwarzen Meer oder auf dem Oder-Weg zur Ostsee. In Anbetracht der erfolglosen Pläne für die Errichtung eines Oder-Elbe-Kanals wurde diese Aufteilung erst durch die Errichtung der so genannten Kaiserstraßen überwunden, die in der Zeit vor der Entstehung der Eisenbahn das wichtigste Kommunikationssystem darstellten.
Die Entstehung der Manufakturen spielte sich zu Beginn völlig außerhalb der alten Struktur der Zünfte ab, die langsam ihre privilegierte Position verloren. Sie knüpfte insbesondere an die entwickelten Heimhandwerke an, vor allem an die Leinenindustrie. In der frühen Phase handelte es sich hauptsächlich um so genannte zerstreuten Manufakturen. Die Spinner und Weber lebten auf Dörfern, hauptsächlich im Vorgebirge, häufig noch im leibeigenen Verhältnis zu ihrer Obrigkeit. Ihre Produkte kauften die so genannten Faktoren (Vermittler zwischen den Unternehmern und den Heimarbeitern) auf, die sie an große Lager in der Lausitz und in Schlesien lieferten, von wo aus sie anschließend über Hamburg nach England exportiert wurden. Die Faktoren verschafften den Kleinhandwerkern auch Arbeit. Das ganze System wurde unter tatkräftiger Hilfe ausländischer Experten organisiert, die von den adligen Unternehmern berufen wurden und über das notwendige Kapital und genügend Arbeitskräfte verfügten. Im Übrigen waren die Ausgangsbedingungen der böhmischen Gebiete für die Entwicklung der industriellen Produktion im Vergleich zu den übrigen Staaten der Monarchie verhältnismäßig gut. Das Land verfügte über die notwendigen Rohstoffquellen und auch über ein gutes Niveau in der handwerklichen Produktion.

Im Bereich der Textilherstellung erfolgte dann ein weiterer Fortschritt, nämlich die Entstehung der zentralisierten Manufaktur. Ab jetzt waren die einzelnen Phasen der Produktion nicht mehr unter den aneinander anknüpfenden, zerstreuten Werkstätten aufgeteilt, sondern die Produktion fand gebündelt an einem Ort statt. Die erste Manufaktur dieser Art war die Tuchherstellung in Horní Litvínov, die 1693 von Jan Josef Waldstein  gegründet wurde, eine weitere war dann die Strumpffabrik in Osek, die beim örtlichen Kloster im Jahre 1695 von einem eigens berufenen sächsischen Spezialisten gegründet wurde. Ein weiterer Zweig, der zu großer Blüte gelangte, war die Glasherstellung, die sich vor allem in den Wald- und Gebirgslandschaften (Isergebirge und Böhmerwald und Umgebung) entwickelte. Diese boten einerseits Grundrohstoffe für die Herstellung von Glas (Quarzsand) und andererseits genügend Holz für die Herstellung von Holzkohle, welche für den Betrieb der Glasöfen gebraucht wurde. Den verfügbaren Quellen zufolge erreichte das so genannte böhmische Kristallglas die Qualität des berühmten venezianischen Glases und wurde zu einem der wichtigsten Exportartikel.

Dank seines Preises, der niedriger war als der für die eingeführten venezianischen Produkte, setzte sich das Produkt im Balkan und in den fortschrittlichen Ländern West- und Südeuropas durch. Im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts begannen sich außer den oben genannten Zweigen auch die Zuckerfabrikation, die Porzellanherstellung (Horní Slavkov) und die Papierherstellung zu entwickeln. Es ist interessant, dass bereits damals die Grundlagen für die künftigen Industrieregionen geschaffen wurden. Und weil die erste maschinelle Herstellung vom Wasserantrieb abhängig war, bildeten sich Zentren in den Gebieten, in denen dafür günstige natürliche Bedingungen herrschten, also an den Strömungen kleiner, aber kräftiger Flüsse (Iser, Oberlauf des Flusses Morava, Elbe und Oder, zum Teil auch die Moldau und weitere). Es handelte sich insbesondere um die Vorgebirgsgegenden im Norden Böhmens und in Nordmähren. Die wichtigsten Bereiche waren die Tuchproduktion, Glasproduktion, erste Hüttenwerke und die beginnende Maschinenherstellung. Auch wenn der Wasserantrieb später von den Dampfmaschinen verdrängt wurde, erhielten sich diese Regionen ihren „industriellen Charakter“, obwohl das Produktionssortiment im Laufe der Zeit zum Teil selbstverständlich verändert wurde, wie später beschrieben wird. In Folge der napoleonischen Kriege und der damit verbundenen kontinentalen Blockaden erlitten die traditionellen Exportzweige wie die Leinenindustrie und Glasherstellung einen Verfall, gleichzeitig traten aber auch neue Zweige in Erscheinung. Wegen der völligen Abwesenheit des Exports insbesondere aus England begannen die heimische Baumwollindustrie, die Tuchherstellung und auch die Herstellung und Verarbeitung von Eisen sich zu entwickeln, also Produktionen, die bis dahin fast ausschließlich vom Export abgedeckt worden waren.
 
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Datum: 01.01.2010
 
 
 

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