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Architektur und Design der Gegenwart

 
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Die tschechische Architektur hat immer einen individuellen Charakter. Möglicherweise erfahren die tschechischen Architekten und Designer deshalb weltweit Anerkennung. Ihre Bauwerke können an den unterschiedlichsten Stellen Tschechiens bewundert werden, auf ihr Design sind die Galerien in aller Welt stolz.

 

20. Jahrhundert und Kubismus

Die neue Auffassung der Architektur des 20. Jahrhunderts, die im beschleunigten Tempo der Zeit einen ganz neuen künstlerischen Ausdruck suchte, wurde vom stilisierten dekorativen Jugendstil vorgezeichnet, der in Böhmen durch seine Quantität wie durch seine Qualität europäisches Spitzenniveau erreichte (Gemeindehaus in Prag, kleiner Jugendstilsalon im Theater von Prostějov (Proßnitz)).

Um das Jahr 1910 tauchte in der tschechischen Architektur der einzigartige Kubismus mit seinen kristallenen und abgerundeten Ableitungen geometrischer Figuren auf. Die tschechischen Architekten applizierten als weltweit einzige kubistische Formen auch in der Architektur, und zwar nicht etwa mechanisch, sondern mit umfangreichem theoretischem Unterbau (Pavel Janák). Aus der großen Anzahl von Haus-, aber auch Möbel- und Denkmalentwürfen wurde ein kleinerer Teil verwirklicht, vor allem im Prag der Vorkriegsjahre 1913 und 1914 .

Zu den wichtigsten im Stil des Kubismus arbeitenden tschechischen Architekten gehört vor allem Josef Gočár , Baumeister z.B. des Hauses Zur schwarzen Mutter Gottes in Prag und des Kurpavillons im Kurort Lázně Bohdaneč (Bochdanetsch); ein bedeutender Kubist war auch Josef Chochol, der z.B. für das Haus in der Straße Neklanova 30 in Prag verantwortlich zeichnete. Ein wichtiges kubistisches Bauwerk im Zentrum von Prag ist das Haus Diamant von Emil Králíček , der auch die viel bewunderte kubistische Laterne auf dem Jungmann-Platz baute.

Die nachfolgende Ära der architektonischen Moderne befreite die Bauten gänzlich von Dekor und Monumentalität und fand ihren stilistischen Ausdruck in der Einfachheit und Zweckmäßigkeit des Raumes sowie in neuen Konstruktionselementen. Diese Epoche wird von hervorragenden Architekten repräsentiert: J. Kotera, J. Gočár, P. Janák .

Die 20er Jahre bringen einen monumentalen Stil: die Kirche des Allerheiligsten Herzen des Herrn sowie die Neugestaltung der Prager Burg, beide von Josef Plečnik , einem Architekten slowenischer Herkunft. Ihre stärkste Ausprägung findet die funktionalistische Architektur in Prag und in Brünn, wo außer ausgezeichneten tschechischen auch die besten europäischen Architekten zum Zuge kamen – der aus Brno stammende Adolf Loos baute in Prag die Müller-Villa und Ludwig Mies van der Rohe verwirklichte in Brno die Villa Tugendhat.

Das schlagkräftige Schaffen der tschechoslowakischen Architekten in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wurde durch das deutsche Verbot von Bauaktivitäten im Jahre 1940 unterbrochen und nach dem 2. Weltkrieg durch den obligatorischen Historismus des sozialistischen Realismus gedämpft, des sog. Sorels. Das letzte Drittel des Jahrhunderts hinterließ außer entpersonalisierten Neubausiedlungen, Industriekomplexen, Zweck- und Erschließungsbauten auch ganz neue postmoderne Werke der 90er Jahre. Es entstanden allerdings auch mehrere hochwertige Solitärbauten, z.B. der Sender auf dem Berg Ještěd (Jeschken) von Karel Hubáček, der dafür im Jahr 1969 mit dem bedeutenden internationalen August-Perret-Preis ausgezeichnet wurde.

In der Gegenwart haben tschechische Architekten erneut die Möglichkeit, frei zu schaffen. Die Architekten der Moderne kombinieren verschiedene Materialien, vor allem Metall, Holz und Glas, sie sind um einfache, aber geschliffene Details bemüht. Zu den wichtigsten unter ihnen gehören Alena Šrámková, Josef Pleskot, Ivan Kroupa, Atelier ADR,  Atelier A. D. N. S. und weitere.

Internationale Berühmtheit erlangte die Benedikt-Rejt-Galerie in Louny (Laun) von Emil Přikryl durch ihren äußerst dezenten und besonders funktionalen Raum.

Die neuzeitliche Architektur des 20. Jahrhunderts können Sie im Abschnitt über den Tourismus: Denkmäler anschauen.

 

Design

Einer der bekanntesten Designer, der die meiste Zeit seines Lebens im Ausland wirkte, war Otakar Diblik (1929 - 1999). Seine Zusammenarbeit mit tschechoslowakischen Herstellern war vor allem für die Entwicklung von Verkehrsmitteln anregend, er entwarf Autos, Omnibusse sowie landwirtschaftliche Maschinen für die Firma Karosa Vysoké Mýto, die Automobilwerke Tatra, Škoda Plzeň und Zetor Brno.

Seit 1999 finden in Prag alljährlich im Herbst die Tage des modernen Designs statt. An der Veranstaltung mit dem Namen Designblok  nehmen die wichtigsten Prager Designstudios, Galerien, Modeschöpfer, Designer und Architekten teil.

Zu den bedeutendsten tschechischen Designern der Gegenwart gehört Jiří Pelcl (1950). Den Schwerpunkt seines Schaffens bilden Möbeldesign, Projektierung und Entwürfe von Industriedesign . Im Jahr 1990 entwarf er das Interieur für das Büro von Präsident Václav Havel auf der Prager Burg.

Das unter dem Namen Olgoj Chorchoj (Seite nur auf Englisch) - ursprünglich die Bezeichnung eines im mongolischen Teil der Gobi lebenden mythischen Riesenwurms - bekannte Designerduo besteht aus  Jan Němeček (geb. 1963) und Michal Fronek (geb. 1966). Ihr 1991 gegründetes Studio widmet sich dem Interieurdesign, der Architektur und dem modernen Produktdesign, darunter vor allem Möbel, Glas und Schmuck. Sie sind Träger zahlreicher tschechischer sowie ausländischer Auszeichnungen.

Barbora Škorpilová (geb. 1972) widmet sich vor allem dem Interieurdesign . Zu ihren bekanntesten Werken gehört das Interieur des Café Malostranská kavarna Square in Prag. Sie schuf die Eintrittsfassade des tschechischen Pavillons auf der EXPO 2005 in Aichi in Japan.

Zu den führenden tschechischen Designern gehört ebenfalls Bořek Šípek (geb. 1949). Seine Arbeiten sind unter anderem im Museum für moderne Kunst in New York sowie im Museum für Kunstgewerbe in Paris ausgestellt. Er entwirft Glasobjekte mit der Thematik mythologischer Symbole, seinem Essbesteck und Tafelgeschirr verlieh er bisher nie da gewesene Formen.

Eine führende Persönlichkeit des tschechischen Grafikdesigns der vergangenen Jahre ist Aleš Najbrt (geb. 1962). In seinem gleichnamigen Studio  entstehen z.B. alljährlich die unverwechselbaren visuellen Präsentationen des Internationalen Filmfestivals Karlovy Vary . Unter anderem ist das Studio Urheber des neuen Logos und des visuellen Stils der Hauptstadt Prag.

Wenn Sie sich für die Wurzeln der tschechischen Architektur interessieren, bieten wir Ihnen das Thema: Querschnitt durch ihre Geschichte an.

 

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Datum: 05.03.2010
 
 
 

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