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Die zeitgenössische bildende Kunst

 
photo:  (sxc.hu)
 

Den Exkurs in das gegenwärtige gestalterische Schaffen beginnen wir zu der Zeit, als das Kriterium für die allgemeine Anerkennung des Künstlers nicht mehr die bildnerische Qualität seines Werks, sondern die richtige politische Parteinahme war. Möglicherweise ist gerade das Diktat der „richtigen Meinung“ dafür verantwortlich, dass in der tschechischen bildenden Kunst Werke der höchsten Qualität entstanden – immer einen Schritt vorwärts und niemals dem Druck des Augenblicks nachgebend.

 
 

Die Auseinandersetzungen des sozialistischen Realismus mit der Kreativität des menschlichen Geistes

Nach der Machtübernahme durch die tschechoslowakische kommunistische Regierung im Jahr 1948 war die bildnerische Qualität nicht länger das Kriterium für die allgemeine Anerkennung eines Künstlers. Die Hauptrolle spielten auf einmal ganz andere Gesichtspunkte: politisches Engagement, Loyalität gegenüber dem Regime, gegebenenfalls das Nichtabweichen von den gewohnten Konventionen des damaligen künstlerischen Stereotyps.

Um 1984 begann sich in der Tschechoslowakei die postmoderne Kunstauffassung durchzusetzen. Zur ersten ausgeprägten Gruppe wurden die Tvrdohlaví (die Hartnäckigen). Mit diesem Namen bezeichnete sich 1978 eine Gruppe junger Künstler (František Skála, Jiří David, Michal Gabriel, Petr Nikl, Jaroslav Róna und andere).

Tolerierung der Künstler

Die Anerkennung für den tschechischen Pavillons auf der Weltausstellung EXPO 58 in Brüssel bedeutete eine größere Freiheit für die Darstellung der jungen Künstlergeneration. Die Entwicklung der Bühnenbildnerei erlebte durch das Schaffen von Josef Svoboda einen markanten Auftrieb.Er konstruierte eine Szene, die die Hauptidee der Inszenierung durch seine Darstellung auf spezifische Bühnenart symbolisiert, mittels Licht, Diaprojektion und architektonischer Einfälle. Seine bildhafte Ausarbeitung der Bühne können wir bis heute im Prager Theater Laterna Magika antreffen.

Die Illustration von Kinderbüchern hat bei uns bereits seit der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts eine langjährige Tradition (Mikoláš Aleš, Josef Lada, Josef Čapek, Zdeněk Burian und andere). Die Illustratoren lehnten es ab, das Geschehen nur banal zu beschreiben und die kleinen Leser durch ihre Bilder im Buch lediglich zu belehren. Sie waren bemüht, ein eigenständiges imaginäres Werk zu schaffen, das auch Raum für die Kinderphantasie lassen würde.

Zu den bekannten Illustratoren der tschechischen Szene gehören Jiří Trnka, Zdeněk Miller, Adolf Born, Radek Pilař und andere.

Im Puppenfilm nimmt eindeutig Jiří Trnka (1912 - 1969) eine zentrale Rolle ein. Seine Filme Stare povesti ceske (Alte böhmische Sagen), Spalicek (Stöckel), Princ Bajaja (Prinz Bajaja) und einige weitere Arbeiten sind einzigartige Beispiele im Goldenen Fond der tschechischen Kinematographie .

Nach dem Krieg ging die Produktion des böhmischen Gebrauchsglases zurück, nur individuell geschaffenes Glas konnte sich ein hohes Niveau erhalten, vor allem dank des Ateliers von Josef Kaplický an der Kunstgewerbehochschule. Ein international bekannter Glaskünstler ist Stanislav Libenský, der zusammen mit Jaroslava Brychtová Schöpfer vieler monumentaler Werke in der Architektur ist.

Der neue Stil der tschechischen Kunst

Eine der häufig nicht beachteten Persönlichkeiten der tschechischen abstrakten Kunst war Mikuláš Medek (1926 - 1974), der Enkel von Antonin Slavicek.

Mit der lyrischen Abstraktion wird Jan Kotík (geb. 1916) verbunden, Zdeněk Sklenář (1910 - 1986) ließ sich in seinem Schaffen von der orientalischen Kalligraphie inspirieren. Ein einzigartiges Kapitel in der tschechischen Kunst bildet eine Gruppe von Graphikern der fünfziger und sechziger Jahre, deren Werk mit dem abstakten Expressionismus zusammenhängt, beispielsweise Vladimír Boudník (1924 - 1968), der Schönheit in den alltäglichsten Dingen zu sehen vermochte, oftmals auf experimentelle Weise.

Außerhalb all dieser Strömungen steht der Maler Jiří John (1923 - 1979), in dessen nicht figurativen Bildern man doch ein größeres Maß an Mitteilsamkeit findet.

In den Vordergrund rückt auch das radikalere Informel, dessen Vorreiter in Böhmen ab den 30er Jahren Václav Hejna (1914 – 1985) war. Außer ihm wurden hier auch Mikuláš Medek und Vladimír Boudník zu beherrschenden Persönlichkeiten.

Poetisch ist das Werk des Malers und Graphikers Vladimír Komárek (1928 - 2002), der zu den älteren und „erprobten“ Künstlern gehört. Einen starken Einfluss hatte auf ihn das Milieu der Heimat.

In einer neuen künstlerischen Form erscheint die Revolte gegen die gesellschaftlichen Beziehungen, es werden neue Ausdrucksmöglichkeiten gesucht. Olbram Zoubek (geb. 1926) mit seinen „archaischen“ Statuen bekennt sich zu der neuen Form.

Karel Nepraš (1932 - 2002) macht den Sinn für Humor in der Figuralplastik geltend. Auch Eva Kmentová (1928 - 1980) ist in ihrem Schaffen von der Abstraktion zur einfachen Form gelangt.

Auch die Schwestern Jitka (geb. 1922) und Květa (1922 - 1998) Válová sowie Jříi Anderle oder Jiří  Načeradský sind Figuralisten.

In die Kunst dringen Reklame, Comic-Serien und andere Elemente der Massenkultur ein. Die Pop-Art sucht eigentlich den Kontakt mit dem menschlichen Leben in einer konkreten Welt. In das tschechische Milieu gelangte diese Richtung vor allem durch das Verdienst von Jiří Balcar , der 1966 Amerika , das Muttreland der Pop-Art, besuchte. Eine Fülle von Methoden zur Herstellung von Collagen dachte sich Jiří Kolář (1914 - 2002) aus, der Ende der fünfziger Jahre zur Auflösung der natürlichen Poesie und zur Bildung von Typogrammen, Assemblagen und Collagen gelangte, in denen er außer Fetzen unterschiedlichster Schriftarten auch Reproduktionen berühmter Kunstwerke verwendete.

Eine Begleiterscheinung der Pop-Art ist das sogenannte Happening , eine Art künstlerischen Schaffens, bei der mit der aktiven Teilnahme des anwesenden Publikums am schöpferischen Prozess mit Hilfe ständiger Improvisation gerechnet wird. In Tschechien hat sich vor allem Milan Knížak (geb. 1940) für seine Verbreitung eingesetzt, der gegenwärtige Leiter der Nationalgalerie in Prag.

Zu den Hyperrealisten kann der Maler Theodor Pištěk (geb. 1932) gezählt werden, der auch als Gestalter in den Filmen von Frantisek Vlacil Markéta Lazarová oder Udolí včel (Das Bienental) bekannt wurde; für die Kostümentwürfe zu Miloš Formans Film Amadeus erhielt er den angesehensten Preis der Amerikanischen Filmakademie, den Oscar.

Ende der siebziger Jahre verstärkten sich die minimalistischen Tendenzen und konzeptuellen Äußerungen, vor allem im Bereich der Body-Art. Petr Štembera (geb. 1945) stellte zunächst den eigenen Körper in einer extremen Situation aus (Spani na strome – Schlafen auf dem Baum, 1979), dann schnitt er sich den Arm auf und legte wenige Tage später die Pfropfreiser eines Baumes in die Wunde ein (Stepovaní - Veredelung, 1979).

Jan Mlčoch (geb. 1953) veranstaltete in den siebziger Jahren rund 30 Aktionen in Prag, Krakau, Budapest und Paris, die er photographieren und durch schriftliche Dokumentationen ergänzen ließ. Auf originelle Art und Weise sollten sie auf das Problem der Beschränkungen des Lebens durch Regeln, Gesetze und Grenzen aufmerksam machen.

Es gibt viele Möglichkeiten, Jan Švankmajer (geb. 1934) beruflich einzustufen, als tschechischen Filmregisseur, Drehbuchautor, Animator oder Gestalter. Er wirkte im Theater Semafor sowie im Theater Laterna Magika und ist Schöpfer surrealistischer Filme.

Die Jahrtausendwende

Zu den bekanntesten darstellenden Künstlern der Gegenwart gehört zweifellos eines der wichtigsten Mitglieder der Gruppe Tvrdohlavi (Die Hartnäckigen), Jaroslav Róna (geb. 1957). Eine seiner bekanntesten Plastiken im öffentlichen Raum ist die originelle Franz-Kafka-Statue, die in Prag an der historischen Grenze der Altstadt und der ehemaligen Judenstadt steht.

Einer der originellsten Schöpfer, die das eingefahrene Klischee der gewöhnlichen darstellenden Produktion verlassen haben, ist František Skála (geb. 1956). Seine Bilder, Objekte und Installationen weisen eine besondere Poesie auf, die auf dem „magischen“ Umgang mit den Dingen beruht.

Petr Nikl (geb. 1960) kehrte in seinen frühen Bildern zum Stand vor der Geburt zurück, er schuf Bilder von Tierkindern, Insektenlarven, Puppen und von aus dem Ei schlüpfenden Vögeln. Von ihm stammt die tschechische Ausstellung auf der EXPO in Aichi in Japan im Jahr 2005.

Die darstellende Künstlerin und Photographin Veronika Bromová (geb. 1966) bewegt sich an der Grenze zwischen dem Inneren und dem Äußeren. Bekannt sind ihre „anatomischen“ Photographien, bei denen sie sich von Exponaten in anatomischen Museen oder Pathologielehrbüchern inspirieren ließ. 1999 vertrat sie die Tschechische Republik auf der 48. Biennale in Venedig.

Kunstphotographie

Der bekannteste tschechische Photograph und Künstler von Weltformat ist zweifellos Josef Sudek (1896 - 1976). Seine bedeutendsten Photographien schuf er seit den 40er Jahren, neben Panorama-Veduten mit Prager Thematik vor allem Portraits und ungewöhnlich lyrische Stillleben, darunter z.B. der Zyklus Okno meho atelieru (Das Fenster meines Ateliers) oder Malostranský hřbitov (Kleinseitner Friedhof).

Frantisek Drtikol (1883 - 1961) war nicht nur ein bedeutender tschechischer Photograph, sondern auch Maler und Philosoph. Weltweite Berühmtheit erlangten seine dynamisch aufgefassten Frauenakte in eier Dekoration mit Elementen von Konstruktivismus und Art Déco aus den 20er Jahren.

Mit der Avantgarde zwischen den beiden Weltkriegen ist auch der Name des Photographen, Theoretikers und Publizisten Jaromír Funke (1896 - 1945) verbunden. Er war einer der Ersten der tschechischen Szene, der neue Werte in die photographische Arbeit brachte, die der zeitgenössischen bildenden Kunst (Surrealismus, Funktionalismus) entsprachen.

Zu den gegenwärtigen tschechischen Photographen von Weltruf gehört Jan Saudek (geb. 1935). Seine arrangierten und kolorierten Photographien, die sich mit der Konfrontation der männlichen und weiblichen Figur im Akt und in angespannten erotischen Situationen befassen, wurden unter anderen im Art Institute in Chicago (1976) und im Musée d’Art Moderne in Paris (1987) ausgestellt.

In Frankreich lebt ein weiterer international anerkannter tschechischer Fotograf, Josef Koudelka (* 1938), der sich in den letzten zwanzig Jahren vor allem den Szenerien des Panorama-Formats widmet.


 

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Datum: 09.12.2009
 
 
 

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