HOMEPAGE

Rund um CZ
 
Fakten über CZ
 
Kulturdaten

 

Unterirdische Fabriken aus dem Zweiten Weltkrieg

 
photo: Rabštejn (podzemirabstejn.cz)
 

Da die von Nationalsozialisten geführten Industrieunternehmen während des Zweiten Weltkriegs immer öfter Ziele von alliierten Luftangriffen wurden, waren die Reichsbehörden gezwungen, die Produktion unter die Erde zu verlagern. Meist bestanden die unterirdischen Fabriken aus miteinander verbundenen Produktionshallen mit Förderbändern, an denen vorwiegend Gefangene aus Konzentrationslagern arbeiteten.

 
Das Gebiet der heutigen Tschechischen Republik war für diese U-Verlagerungen besonders geeignet. Die Alliierten flogen hier kaum Bombenangriffe, es gab praktisch keinen bewaffneten Widerstand und die Infrastruktur war unbeschädigt. Daher entstand hier eine Reihe von unterirdischen deutschen Fabriken, insbesondere in den Bergbaugebieten des Tschechischen Karsts, den Höhlen des Mährischen Karsts und in Eisenbahntunneln. Einige von ihnen sind heute für Besucher zugänglich.

Lassen Sie uns ein paar von ihnen besuchen:

Die unterirdische Luftwaffenfabrik Rabstein (mapa) befindet sich in einem Sandsteinfelsen in der Gegend um Česká Kamenice und Janské in Nordböhmen. In Zusammenarbeit mit den überirdischen Fabriken wurden hier während des Zweiten Weltkrieges Flugzeuge und Waffen produziert. Die unterirdischen Labyrinthe sind insgesamt 4 500 m lang. Die Stollen wurden von den Gefangenen des Konzentrationslagers in den Jahren 1944 – 1945 in den Sandstein getrieben. Nach dem Krieg übernahm die Tschechoslowakische Armee das Objekt und es diente als Lager für Geniematerial. In den neunziger Jahren verließ die Armee das Gebiet. Seit 2003 sind Teile des unterirdischen Systems für Besucher zugänglich gemacht worden. Es wurde ein Museum eingerichtet, das die geheimnisvolle Geschichte Rabsteins dokumentiert.

Die unterirdische Fabrik „Richard“ (mapa) ist die größte unterirdische Fabrik auf tschechischem Landesgebiet. Sie lag in der Nähe der Stadt Litoměřice in den Berggebieten Radobýl und Bídnice im Böhmischen Mittelgebirge. Sie entstand durch die Erweiterung und Befestigung vieler Kilometer Stollen (25 – 30 km) des ehemaligen Kalkbergwerks. Während des Baus der Anlagen in den Jahren 1944 – 1945 starben beinahe 5 000 Gefangene des Konzentrationslagers Terezín (dt. Theresienstadt). Die unterirdischen Produktionsanlagen waren für die Waffenproduktion vorgesehen. Seit 2009 werden Schritte unternommen, um die Anlage für Besucher zugänglich zu machen.

Aktuell können Sie auf www.podzemi.eu zumindest einen virtuellen Rundgang machen.

Lindava – „Nautilus“ (mapa) – in den sog. Lindavské komory (Lindenauer Kammern), großen unterirdischen Hallen, entstand 1944 ein Werk der Firma WFG mit dem Decknamen „Nautilus“. Hier wurden Maschinenkanonen MK 108 für Jagdflugzeuge hergestellt. Nach dem Krieg wurde die Anlage als Gemüselager genutzt. Ab 1989 begannen die Hallen zu verfallen und in dem verlassenen Objekt wurden Abfälle eingelagert. 2003 entdeckten die Anlage begeisterte Motorradfahrer und gründeten den „Unterirdischen Motorradklub Pekelné doly (Teufelsgruben)“. Heute ist das Areal auch für Besucher geöffnet.

Die unterirdische Anlage Výpustek (Auslasshöhle) (mapa) ist eine etwa zwei Kilometer lange Höhle im Mährischen Karst. Hier sollte nach 1935 ein Waffenlager der tschechoslowakischen Armee eingerichtet werden. Ab 1944 bis Kriegsende diente die Höhle den Deutschen als unterirdische Fabrik der Auslasswerke (Deckname „DINAR“) für die Herstellung von Flugzeugbestandteilen. Nach dem Krieg entstand hier ein Reserve-Kommandoposten für die Tschechoslowakische Volksarmee. Seit 2008 ist das Areal auch für Besucher zugänglich.

Die in der unterirdischen Fabrik Flusspat, in Brno, Stadtteil Stránská skála (mapa) gebauten Produktionsanlagen für Klöcknerwerke, haben nie die Produktion aufgenommen. In den sechziger Jahren errichtete die Tschechoslowakische Volksarmee auf diesem Gelände dann einen Atombunker. Später wurde das Areal der heutigen Firma ZETOR übergeben, die hier Zivilschutzübungen für die Bevölkerung durchführte. Die Gänge mit einer Länge von etwa 800 m sind heute für Besucher zugänglich und ein beliebtes Ausflugsziel der hiesigen Einwohner.
 


 
Autor: Romana Kuncová
 
Datum: 06.02.2012
 
 
 

Mehr zum Thema

 
Kulturdaten
 
 

Industriearchitektur Teil 2.

Das Interesse an Industriedenkmälern und Industriearchitektur, an der die industrielle Entwicklung...

 
 
Kulturtipps
 
 

49. Internationales Fernsehfestival...

Das Internationale Fernsehfestival „Zlatá Praha/ Goldenes Prag“ mit dem Untertitel „Die...

 
 
Kulturdaten
 
 

In Prag eröffnet die Ausstellung...

Das berühmte „Slawische Epos“ wird wieder in Prag ausgestellt. Liebhaber Muchas und seiner...

 
 
Freizeit
 
 

„Besucher-Oscar“ für Český Krumlov

Český Krumlov (historischer deutscher Name: Böhmisch Krumau) gehört zu den größten Schätzen der...

 
Favoriten

Die Geschichte der bildenden Kunst

Was geschah in der bildenden Kunst am Wendepunkt der böhmischen Geschichte…

Klima

Tschechische Republik ist ein Binnenland, das in der milden Breite der…

Große Entdeckungen der Gegenwart

In den letzten Jahrzehnten wartete die tschechische Wissenschaft mit vielen…

Tschechisch

Tschechisch gehört zur Gruppe der westslawischen Sprachen. Aus einer anderen…