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Die Heilige Agnes von Böhmen

 
photo:  (wikimedia.org)
 

Das außergewöhnliche Leben einer außergewöhnlichen Frau – Agnes von Böhmen ist eine der bekanntesten tschechischen Heiligen, die Schutzpatronin von Böhmen, der Kranken, der Armen und der Leidenden. Außerdem ist sie eine Königstochter und eine Frau, um deren Hand der Kaiser selbst anhielt.

 
Agnes wurde um das Jahr 1211 herum in Prag als Tochter des böhmischen Königs Ottokar I. Přemysl und der Königin Konstanze von Ungarn geboren. Ihr Vater versprach sie dem Sohn des deutschen Kaisers Friedrich II., dem späteren Staufenkönig Heinrich VII. zur Frau und schickte Agnes an den Wiener Hof der Babenberger, damit sie höfische Etikette und Umgangsformen lernte. Herzog Leopold VI. aber überzeugte den Kaiser, seinen Sohn statt mit Agnes lieber mit seiner eigenen Tochter Margarethe zu verheiraten, und so reiste Agnes zurück nach Böhmen. Später bemühten sich auch der englische König, dann sogar der ehemalige Verlobte Heinrich und auch sein Vater, der inzwischen verwitwete Kaiser Friedrich II., um die Hand von Agnes. Agnes aber war zu dieser Zeit bereits entschlossen, einen geistlichen Lebensweg zu gehen und in ein Kloster einzutreten. Ihre großen Vorbilder waren Klara und Franziskus von Assisi, die ihr wohlbehütetes Leben in den reichen Häusern ihrer Eltern aufgaben, um in kleineren Klöstern das Schicksal der Armen zu teilen.

Um das Jahr 1232 gründete Agnes, unterstützt von ihrem Bruder und ihrer Mutter, das Spital des Heiligen Franziskus für Arme und Kranke, und legte damit den Grundstein für eine Hospitalbruderschaft, die später zum Orden der Kreuzritter mit dem roten Stern erhoben wurde. Ein Jahr darauf entstanden im Umfeld des Spitals zwei Klöster: ein Männerkloster des Franziskanerordens und ein Frauenkloster des Klarissenordens. Die Gesamtheit dieser drei Gebäude bildete die erste gotische Dominante der Stadt Prag, eine optische Konkurrenz zum Palastsitz auf der Prager Burg.

1234 trat Agnes, gemeinsam mit sieben weiteren Frauen aus reichen, böhmischen Adelsfamilien, in den Orden der Klarissinnen, dem weiblichen Zweig der Franziskaner, ein. Sie wurde Äbtissin des Klosters „Zu Sankt Franziskus“, das sie im Anschluss 47 Jahre lang leitete.

Während ihres ganzen Lebens bemühte sich Agnes unter anderem, im böhmischen Land für Ruhe zu sorgen. Sie war es, die es schaffte, einen Ausgleich zwischen König Wenzel I. und seinem Sohn Ottokar II. zu vermitteln und damit einen dem Land drohenden Bürgerkrieg zu verhindern. Daneben gelang es ihr außerdem Böhmen durch ihre Fürsprache vor dem Einfall der Tartaren zu bewahren.

Agnes starb im März 1282 im Kloster „Zu Sankt Franziskus“. Sie war berühmt für ihre Bildung, ihre Nächstenliebe und ihre Barmherzigkeit und war gleichzeitig eine wichtige Persönlichkeit des politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Seit ihrem Tod begannen sich Legenden um die Geschichte ihres Lebens zu ranken.

Bereits die přemyslidische Königin Elisabeth und der Kaiser Karl VI. setzten sich für die Heiligsprechung von Agnes ein. Erst  1874 aber wurde sie auf die Initiative des Kardinals und Erzbischofs von Prag Friedrich Josef Fürst zu Schwarzenberg hin seliggesprochen. Am 12. November 1989 dann folgte die Heiligsprechung durch Papst Johannes Paul II., an welcher in Rom 10 000 tschechische Pilger teilnahmen.

Zum Anlass des 800-jährigen Jubiläums der Geburt der Heiligen Agnes findet im St.-Agnes-Kloster in der Prager Altstadt (karte) vom 25. November 2011 bis zum 25. März 2012 eine einmalige Ausstellung mit dem Titel „Die Heilige Agnes von Böhmen – Prinzessin und Nonne“ statt. Diese Ausstellung ist eine Hommage an die Heilige Agnes von Böhmen, eine der herausragenden Persönlichkeiten der tschechischen Geschichte, und stellt dem Besucher ihr Leben vor, das sich im Laufe der Jahrhunderte in einer Reihe von Kunstwerken und Referenzen wiederspiegelt. Eine ähnliche, der Heiligen Agnes von Böhmen gewidmete Ausstellung, war in Böhmen zum letzten Mal vor beinahe 80 Jahren zu sehen. Die aktuelle Exposition umfasst 300 Ausstellungsstücke. Zu den Bedeutendsten unter ihnen gehören die lateinische Version der Legenden „Candor lucis aeternae“ aus dem Jahr 1328 und Abschriften der Anträge zur Heiligsprechung.

Die Ausstellung wird von der Erzdiözese Prag in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie Prag organisiert. Partner sind der Orden der Kreuzritter mit dem roten Stern, das Nationalarchiv und die Karlsuniversität. Die Schirmherrschaft für die Veranstaltung haben der Präsident der Tschechischen Republik Václav Klaus, der Kultusminister der Tschechischen Republik Jiří Besser und der Oberbürgermeister der Stadt Prag Bohuslav Svoboda übernommen.

Weitere Informationen zu dieser einzigartigen Ausstellung finden Sie hier.
 


 
Autor: Petra Hubálková
 
Datum: 20.12.2011
 
 
 

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