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Emil Zátopek

 
photo: Emil Zátopek, Melbourne 1956 (ČOV - Olympic.cz)
 

Unter den tschechischen Sportlern gibt es zahlreiche Medaillenträger von Olympischen Spielen und Championaten, die sich um den Weltruhm Tschechiens verdient gemacht haben. Zu solchen Sportlegenden zählen Gymnastin Věra Čáslavská, Tennisspielerin Martina Navrátilová, Speerwerfer Jan Železný, Schiakrobat Aleš Valenta oder Eisschnellläuferin Martina Sáblíková. Dank diesen und vielen anderen Sportlern kann sich Tschechien zu Recht „Sportsweltmacht“ nennen. Doch wollen wir nur einen Sportler nennen, dessen Leistungen auf der internationalen Arena besonders hervorragen,  dann ist es Emil Zátopek, einer der besten Langstreckenläufer des 20. Jahrhunderts.
 

 
 
Er wurde am 19.  September 1922 in Kopřivnice geboren.  Oft hängt das Schicksal eines Menschen vom Zufall ab, und so war es auch im Zátopeks Fall. 1941 nahm er an einem Straßenlauf in der Stadt Zlín teil und obwohl er bis zu diesem Zeitpunkt niemals trainiert hatte, schaffte es der junge Emil wider Erwarten auf den zweiten Platz. Nach diesem überraschenden Erfolg begann er mit einem harten und intensiven Lauftraining  und in kurzer Zeit sammelte er Rekorde über verschiedene Distanzen. Beim Europa-Championat in Oslo, wo er zum ersten Mal seine Heimat repräsentierte, wurde er Fünfter über 5.000 Meter.  Ende der 40er Jahre stand er bereits an der Weltspitze der Langstreckenläufer und nahm zum ersten Mal an den Olympischen Spielen in London teil.

1952 wurde ein höchst erfolgreiches Jahr für Emil Zátopek. Bei den olympischen Spielen in Helsinki verteidigte er sein Gold von London über 10.000 Meter, in einem dramatischen Finale erkämpfte  er Gold über 5.000 und schließlich auch noch im Marathon, den er zum ersten Mal in seinem Leben lief. Der Hattrick war perfekt: Eine Leistung, die vor und nach ihm keiner erreicht hat, brachte ihm nicht nur internationalen Ruhm, sondern auch enorme Popularität daheim. Wie es sich für einen wahren Champion gehört, bekam der Athlet mit dünnen Haaren und einer schmerzverzerrten „Grimasse“ seinen eigenen Spitznamen: »die tschechische Lokomotive«.  Er stellte im Laufe seiner Karriere 18 Weltrekorde auf, dreimal wurde er zum Besten Weltsportler gewählt.   

Mit seiner Frau Dana, einer Olympiasiegerin und Weltrekordlerin im Speerwurf, bildeten sie das tschechische Sport-Traumpaar. Den tschechischen Triumph in Helsinki, wo Emil in acht Tagen dreimal Gold geholt hat, komplettierte seine Frau Dana, die olympisches Gold im Speerwurf gewann.
 
1958 trat Zátopek vom Hochleistungssport zurück. Nach dem sportlichen Rücktritt fand er als Berufssoldat eine Anstellung im Verteidigungsministerium. 1968 unterstützte Emil Zátopek aktiv die Demokratieströmungen im Prager Frühling und sprach sich gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen nach Prag.  So wurde er nach der Niederschlagung des Prager Frühlings unverzüglich aus dem Dienst entlassen. Der einst gefeierte Nationalheld wurde zum Hilfsarbeiter.  Nach der politischen Wende 1989 wurde er vollkommen rehabilitiert und anlässlich des 100. Jubiläums der tschechischen Athletik zum tschechischen „Athleten des Jahrhunderts“  und  zum „Olympiateilnehmer des Jahrhunderts“ gewählt.
 
Die tschechische Sportlegende verstarb im November 2000 im Alter von 78 Jahren. Doch ein wenig ist er immer noch präsent als Vorbild für Läufer weltweit.  Der tschechische Historiker Pavel Kosatík verfasste ein Buch über das Leben des weltberühmten Läufers unter dem Titel  «Emil, der Läufer». Auf dem Buchumschlag stehen die Worte des britischen Athleten Mo Farah, der 2010 in London im 5000-Meter-Lauf sowie im 10000-Meter-Lauf gewonnen hat und in Rio de Janeiro das goldene Double noch einmal geschafft hat:  „Ich habe selbst Gold über 5 000 Meter und über 10 000 Meter geholt … Aber danach noch einen Marathon laufen? Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich zweifle, dass jemand so etwas wiederholen könnte. Emil Zátopek war doch der Erste auf der Welt, der 10 km unter 29 Minuten lief!“
 
In Belgien hat man ein Laufmagazin nach Zátopek benannt. Die amerikanische Zeitung Wall Street Journal bezeichnete Zátopek als besten Läufer aller Zeiten.  Das Autoportrait des viermaligen Olympiasiegers, vom tschechischen Künstler Milan Jaroš in ein gegenwärtiges Logo umgewandelt, sowie die berühmten Worte des Athleten: „Du kannst nicht mehr? Lauf schneller!“ verzierten 2016 die Bekleidung der tschechischen Olympiamannschaft  in Rio de Janeiro.
 
Autor:
 
Datum: 18.04.2017
 
 
 

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