In den Jahren 2010 und 2011 gedenken wir zusammen mit der gesamten Kulturwelt zweier bedeutender Jahrestage des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler, dessen Werk den Höhepunkt der romantischen Symphonie und zugleich den Eintritt der musikalischen Moderne darstellt. Auf dieses Jahr fällt der 150. Jahrestag seit Mahlers Geburt und im nächsten Jahr werden 100 Jahre seit seinem Tod vergangen sein.
Obwohl Gustav Mahler als österreichischer Komponist und Dirigent betrachtet wird, kann man ihn im gewissen Maße auch als tschechischen Komponisten bezeichnen, und zwar sowohl hinsichtlich seines Geburtsortes als auch wegen seiner Inspiration in der böhmischen Volksmusik und seiner Tätigkeit in den Böhmischen Ländern.
Er wurde am 7. Juli 1860 in der Gemeinde Kaliště
(karte) in der Nähe der Stadt Humpolec, im damaligen Kaiserreich Österreich, auf dem heutigen Gebiet der Tschechischen Republik, geboren. Seine Kindheit und Jugend bis zum Alter von 15 Jahren hat er in Jihlava verbracht. Auch im Erwachsenenalter hatte er viele Bezugspunkte zum Gebiet und zur Kultur der heutigen Tschechischen Republik – es handelte sich besonders um die Dirigententätigkeit im Königlichen Theater in Olmütz (1883 – 1885) und im deutschen Königlichen Landestheater in Prag (1886 – 1888). Im Jahr 1908 fand in Prag die Weltpremiere seiner Symphonie Nr. 7 statt, die er selbst dirigiert hat.
Er stammte aus einer deutschsprachigen jüdischen Familie ab und war deswegen mehrmals antisemitischen Übergriffen ausgesetzt. Er hatte ein außergewöhnliches musikalisches Talent, deswegen ist er nach dem Abitur am Gymnasium in Jihlava nach Wien gegangen, um dort am Konservatorium und an der Universität zu studieren. Dort widmete er sich der Philosophie, Geschichte und Musikgeschichte.
Bereits mit zwanzig Jahren nahm er seine Dirigentenkarriere in Halle auf. Er dirigierte in Laibach, wie bereits erwähnt in den Städten Olmütz und Prag und später auch in Leipzig. Im Jahr 1888 wurde er zum Kunstdirektor der Oper in Budapest, seit 1891 war er als Leiter der Oper in Hamburg tätig und in den Jahren 1898 – 1907 wirkte er als Direktor der Hofoper in Wien. Unter seiner Leitung erlebte die Wiener Oper ihre größte Blütezeit. Danach ging Gustav Mahler in die USA, wo er in der Metropolitan Opera und in der Philharmonic Society in New York philharmonische Konzerte dirigierte. Unheilbar krank und erschöpft kehrte er 1911 nach Wien zurück, wo er am 18. Mai desselben Jahres im Alter von 51 Jahren starb.
Mit Betonung auf Mahlers tschechische Abstammung wurde im Jahr 1994 im Rahmen des Vysočina-Museums eine Niederlassung mit der ständigen Ausstellung „Der junge Gustav Mahler und Jihlava“ eröffnet. Ebenfalls wurde sein Geburtshaus in Kaliště erneuert, im vorbildlichen Zustand befindet sich auch das
Haus von Gustav Mahler in Jihlava (karte). Im Rahmen des Jahrestages der Geburt von diesem Künstler werden viele bedeutende kulturelle Veranstaltungen stattfinden, deren Ziel die Erinnerung an die Bedeutung und den Nachlass von dieser Persönlichkeit ist. Eine Übersicht der Veranstaltungen finden Sie hier.