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Jan Zrzavý

 
photo:  (wikimedia.com)
 

(1890–1977)

 
Jan Zrzavý war Maler, Graphiker, Illustrator und Bühnenbildner, eine wichtige Persönlichkeit der tschechischen, modernen bildenden Kunst und Vertreter der Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er war Mitbegründer der Gruppe „Sursum“, Mitglied des Vereins der schaffenden Künstler „Mánes“, der „Hartnäckigen“, des „Künstlergesprächs“ und der „Vereinigung der Tschechischen Künstler & Graphiker Hollar“. Jan Zrzavý war ein einsamer Künstler, der kaum jemanden in seine magische melancholische Welt, in welcher er lebte, hineinließ. Aufgrund des Geheimnisses, das seine Werke umgibt, wird er auch „Maler der Träume“ genannt.  

Jan Zrzavý wurde am 5. November 1890 in Okrouhlice bei Havlíčkův Brod (karte) geboren. In seiner Jugend standen ihm verschiedene Wege bildender Künste offen: Malerei, Literatur (er schrieb Gedichte) oder eine Karriere als Schauspieler. Er entschied sich für die Malerei. Jan Zrzavý studierte an der Kunstgewerbeschule in Prag, wurde aber nach zwei Jahren von der Schule verwiesen. Insgesamt vier Mal versuchte er, an der Akademie in Prag aufgenommen zu werden, doch jedes Mal ohne Erfolg. Daher nahm er Privatunterricht bei berühmten tschechischen Malern (Karel Reisner, Vladimír Županský, František Ženíšek).

Das Werk von Jan Zrzavý wurde von einer Reihe internationaler Künstler und Richtungen beeinflusst. Er suchte Inspiration bei den Meistern der italienischen Renaissance, wie Leonardo da Vinci und Raffael, Motive fand er in der mittelalterlichen gotischen Malerei (Magdalena)und bei Munch, und auch Seurat und Gaugin begeisterten ihn. Sein Schaffen wurde zu Beginn durch den sezessionistischen Symbolismus und Impressionismus beeinflusst (Bilder: Tal der Traurigkeit, Nocturno). Schon damals war in seinen Werken deutlich der Lyrismus zu erkennen, der in den folgenden Jahren einen erheblichen Teil seines unverwechselbaren Ausdrucks ausmachte. Später entwickelten sich auch kubische Elemente (Stillleben mit den Maiblumen, Meditation).

Nach dem Ersten Weltkrieg bildete sich Jan Zrzavýs abstrakter, poetischer Stil mit seinen einfachen Formen, weichen Linien und nicht typisch malerischen Koloriten (Freundin) weiter aus. In seinem weiteren Schaffen widmete er sich mehr der Landschaftsmalerei, vor allem Venedig, die Bretagne aber auch Tschechien inspirierten ihn (Camareto, Venedig, 2 Variationen – San Marco in der Nacht/ am Tage, Ostrauer Halden). Anregungen fand er auf seinen Reisen nach Italien, Belgien und Frankreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchten in seinen Landschaften Verhängnis und Balladeske auf (Via Appia), neben dem Motiv des Todes war jedoch auch Hoffnung vertreten (Motive aus Venedig). Jan Zrzavý behielt seinen stark lyrischen, auf Imagination begründeten Stil auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei. In diesen Jahren entstanden die Bilder Biton, Der Brunnen in der Karlacher Parkanlage, Die Schiffe in Le Fret, Das rote Schiff und Der Hafen in der Bretagne. Über seine gesamten Schaffensperioden hinweg können sich wiederholende Motive festgestellt werden (insbesondere das Motiv der Kleopatra oder die Bretagne).

Neben seinen Bildern illustrierte Jan Zrzavý viele Bücher. Am bekanntesten sind seine Illustrationen zu Karel Hynek Máchas Gedicht „Der Mai“ und zu der Gedichtsammlung „Blumenstrauß nationaler Sagen“ von Karel Jaromír Erben. Daneben entwarf er Bühnenbilder für Operninszenierungen am National- und am Ständetheater in Prag (Mozart – Idomeneus, Verdi – Rigoletto, Debussy – Der verlorene Sohn, Dvořák – Armida).

Nach dem Krieg war Jan Zrzavý kurz als Professor für Malerei und Komposition an der Philosophischen Fakultät der Palacký-Universität in Olmütz tätig. 1965 wurde er mit dem Titel Nationaler Künstler ausgezeichnet. Sieben Jahre später, im Jahr 1972, erschien ein Buch mit seinen Erinnerungen unter dem Titel „Jan Zrzavý vzpomíná” (auf Deutsch: Jan Zrzavý erinnert sich).

Am 12. Oktober 1977 starb Jan Zrzavý in Prag, trotz schlechter Gesundheit wurde er 86 Jahre alt. Zwei Jahre vor seinem Tod stiftete er seine Werke der Nationalgalerie. Es handelte sich dabei um mehr als 100 Bilder und 1 500 Zeichnungen. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Krucemburk in der Region Hochland (Vysočina), wo er viele Jahre lang lebte.
 


 
Autor: Romana Kuncová
 
Datum: 23.09.2010
 
 
 

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