Die tschechische Emigrationsbewegung kann nach drei dominanten Ursachen in drei Gruppen eingeteilt werden – in religiös, sozial und politisch motivierte Auswanderungen.
Am ältesten ist die religiöse Emigration, beispielsweise das Exil des katholischen Klerus aus dem hussitischen Böhmen, das Exil im Anschluss an die Schlacht am Weißen Berg und die anschließende protestantische Emigration im 18. Jahrhundert nach Sachsen und Preußen und in der Endphase bis in die USA, wo die Kirche der Mährischen Brüder (Moravian Brethren Church) heute ihre internationale Zentrale hat.
Das Fortziehen breiterer Bevölkerungsschichten war infolge der Leibeigenschaft bis zum 18. Jahrhundert praktisch nicht möglich. Erst nach deren Abschaffung beginnt die sozial motivierte Emigration, die an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert durch die Besiedelung der Balkan-Grenzgebiete der österreichischen Monarchie (Banat, Slawonien) die größten Ausmaße annahm und ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Fortsetzung fand mit der Auswanderungswelle in die USA ( bis zum Jahr 1938 waren dorthin ca. 400 Tausend Personen tschechoslowakischer Herkunft emigriert), nach dem Jahr 1867 auch nach Russland und in die Ukraine. Als die USA ihre Grenzen für Immigranten schließt (1921-1924) beginnt eine intensivere Auswanderungswelle aus der Tschechoslowakei nach Südamerika (Argentinien, Brasilien u.a.) sowie nach Westeuropa (Frankreich).
Eine Welle der politischen Emigration wurde durch die Verfolgung von Revolutionären im Jahre 1848 losgetreten. Es folgten jene, die vor Hitler flüchten mussten, sowie die sporadischen Emigranten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Eine sehr starke Welle folgte dann mit der Emigration nach den Januar-Ereignissen des Jahres 1948, an der alleine in den ersten beiden Jahren rund 100 Tausend Menschen beteiligt waren. Eine Emigration in den späteren Jahren war bereits sehr schwierig, und sie ist bis heute weder statistisch noch demografisch ausreichend erfasst und bewertet. Diese Emigration zielte auf die Staaten Westeuropas, die USA, Kanada, weniger auf Australien und Neuseeland. Nach dem Jahr 1968 gingen ungefähr 250 Tausend Personen fort (genauere Zahlen fehlen erneut), und zwar in die mehr oder weniger gleichen Länder, zu denen noch Südafrika und in geringerem Maße auch einige südamerikanische Staaten (z.B. Venezuela) hinzukamen. In einigen Fällen stellten die Tschechen und Slowaken die Hauptimmigrationsgruppe in dem betreffenden Land – z.B. in Kanada, wohin alleine im Jahr 1969 19 Tausend Tschechen und Slowaken emigrierten, oder in der Schweiz, wo die 14,5 Tausend tschechoslowakischen Exilanten die drittstärkste Gruppe der Schweiz-Immigranten nach dem Jahr 1945, gleich hinter den Tibetern und Ungarn, darstellten.
Die soziale und berufliche Struktur der Emigrationswellen 1948 und 1968 unterschied sich von den voraufgegangenen Auswanderungen durch den höheren Anteil an Intellektuellen und politisch prominenten Persönlichkeiten, von denen viele zu Hause unmittelbar verfolgt worden waren (Drohung einer Inhaftierung u.ä.). Beträchtlich unterschied sich auch der Mechanismus der Emigration: Die meisten Emigranten durchliefen Flüchtlingslager in Deutschland und Österreich, von wo sie dann in andere Länder aufbrachen.
Die aktuelle Migration nach dem Jahr 1999 wurde bislang noch nicht erfasst, genaue Zahlen liegen nicht vor. Das Land verlassen in der Regel Menschen, die eine vorübergehende Arbeitstelle in einem wirtschaftlich entwickelteren Land suchen – einige von ihnen beschließen, nachdem sie entsprechende Erfahrungen gemacht haben, nach Hause zurückzukehren, andere gehen in ihrer neuen Heimat dauerhaft vor Anker. Viele Tschechen arbeiten in multinationalen Gesellschaften und wechseln die Destination. Ein neues Phänomen der klassischen Emigration stellt Neuseeland dar, wohin es am stärksten die ökologisch und technisch orientierten Absolventen der tschechischen Hochschulen zieht. Das Ziel vieler Studenten ist darüber hinaus Australien. Zu einem wichtigen Katalysator der legalen, durch den Arbeitsplatz motivierten Migration von Tschechen wurden die EU-Länder, die den Zustrom von Arbeitskräften aus den neuen Mitgliedsländern nicht begrenzen – vor allem Großbritannien und Irland.