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Die Geschichte der tschechischen Gastronomie

 
photo:  (czechtourism.cz)
 

Die tschechische Küche wurde in der Vergangenheit durch unsere keltische und slawische Herkunft beeinflusst. Sie ist auch ein Gemisch aus Traditionen und Kulturen, die auf unserem Gebiet entstanden. Aufgrund ihrer Lage an der Kreuzung Europas übernahm die tschechische Küche Einflüsse aus dem Norden sowie Süden, Osten sowie Westen und war immer für Neuheiten offen.

 
Der Anbeginn der tschechischen Küche reicht natürlich bis in die Zeiten der Formung des tschechischen Volkes zurück. Die Menschen nutzten bereits damals alle einheimischen Nahrungsquellen, die ihnen die Landwirtschaft, Viehzucht, Jagd sowie der Handel gewährten. Zur Grundlage der altböhmischen Küche wurde das Brot. Es stellte eines der Grundbausteine der Nahrung dar und es scheint, dass sich unsere Vorfahren ohne Brot kaum an den Tisch setzten. Mit Brot aßen sie Käse oder sie haben es mit Butter- und Sauermilch hinuntergespült. Die altböhmische Küche kannte gleich mehrere Brotsorten, z. B. Buchweizen-, Hirse-, Roggen- und Semmelbrot.

Einen weiteren wichtigen Bestandteil der altböhmischen Küche bildeten Hülsenfrüchte und Brei: also der Hirse-, Buchweizen-, Hafer-, Hanfsamen und Grießbrei. Beliebt waren auch Früchte wie Äpfel, Pflaumen, Birnen, Himbeeren, Brombeeren oder Weintrauben.

Ein spezielles Kapitel stellt das Fleisch dar. Es wurden genauso wie heute Schweinfleisch, Rindfleisch, Geflügel, Wild und Fisch gegessen. Zum Fleisch aß man Wurzel- sowie Blattgemüse, die Speisen wurden meist mit Kresse oder Salbei abgeschmeckt. Das Fleisch wurde gekocht, gebraten aber auch geräuchert. Beliebt waren Brat-, Leber- und Blutwürste.

Im 15. Jahrhundert begannen die ersten geschriebenen Rezepte zur Speisenzubereitung zu erscheinen. Das ganze 16. Jahrhundert wird in der tschechischen Küche als die Zeit der „Schwelgerei“ betrachtet. Es wurde die Grundlage für das Abschmecken der Speisen gelegt und in der tschechischen Küche hielten italienische, spanische, französische und englische Speisen Einzug. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten gedruckten Kochbücher. Sie enthalten Ratschläge, wie man Feigen, Oliven und fremde Gewürze benutzen soll. Ihre Anwendung fanden in dieser Zeit zum Beispiel Pfeffer, Zimt, Kapern und Orangenschalen. Die Speisen wurden reichlich gewürzt, gefärbt und verziert (Blumen, Pfaufedern usw.).

Das erste erhaltene Kochbuch aus dieser Zeit ist das Buch des Druckers Severin, das 400 Rezepte enthält. Im 17. Jahrhundert beginnen sich deutlich die Unterschiede zwischen der tschechischen Küche „im Schloss und unter dem Schloss“ zu zeigen. Das arme Volk auf dem Land blieb bei meist pflanzlicher Nahrung, Fleisch wurde nur zu speziellen Anlässen serviert. Der wohlhabende Adel in Residenzen und Städten ahmte hingegen die Gewohnheiten fremder Küchen nach. Die Speisen wurden zu Delikatessen, es wurden Fasanen, Schildkröten, Wild und importierte Fische zubereitet. Auf dem Speiseplan war Kalbfleisch zu finden und eine besondere Spezialität stellten damals die Pasteten dar. Diese wurden aus dem Fleisch von Auerhühnern, Tauben, Enten, Kleinvögeln, Dorschen, Aalen, Krebsen, Schnecken und Trüffeln zubereitet. Dieser Trend setzte auch im 18. und 19. Jahrhundert fort. Es wurden im größerem Masse süße Speisen gegessen, zum Beispiel Torten und Schokolade, es wurden Napfkuchen, Kuchen und Pfannkuchen gebacken.

In dieser Zeit kam auch der berühmte Knödel zu uns. Der heute verbreitete Hefeknödel ist keine typisch böhmische Speise. Die tschechische Küche übernahm ihn wahrscheinlich von den Bergbewohnern Tirols. Erst im Laufe der Zeit wurde er zu unserem Nationalgericht. Zum Bestandteil des Speiseplans von Bauern wurde die Kartoffel, und zwar auf verschiedenste Zubereitungsarten.

In dieser Zeit verbreitete sich das Herausgeben von Kochbüchern mit typisch tschechischen Speisen. Die zweifellos berühmteste Autorin war Magdalena Dobromila Rettigová, die das Hauskochbuch verfasste, das 1826 zum ersten Mal herausgegebenen wurde. Dieses bis heute beliebte Buch erschien dann wiederholte Male im Laufe der nächsten zwei Jahrhunderte.

Zu Beginn des 20. Jahrhundert begann sich die tschechische Küche zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Allmählich setzen sich die Grundsätze der modernen Ernährung durch, die mehr auf den diätetischen und gesundheitlichen Aspekt ausgerichtet ist. Kochspezialitäten anderer Völker werden immer beliebter und auch das Angebot an nationalen sowie internationalen Kochbüchern wächst.

Heute können wir die tschechische Küche als eine typische mitteleuropäische Küche charakterisieren, die sich durch spezifisch tschechische Gerichte auszeichnet, wie zum Beispiel: Semmel- und Obstknödel, einige Suppen und Soßen, viele Kartoffelgerichte, Kuchen und ein relativ breites Angebot an festlichen Gerichten. Was die Getränke betrifft, gehört zur tschechischen Küche in erster Linie das Bier, weiter dann Qualitätsweine und der Sliwowitz, besonders der aus Mähren stammende, und das Karlsbader Kräuterlikör Becherovka.
 
 
Autor: Ivana Jenerálová
 
Datum: 15.06.2010
 
 
 

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