Jede Stunde von neun Uhr morgens
bis neun Uhr abends sammeln sich unter dem Turm des Altstädter Rathauses
(karte), an dem sich die Aposteluhr befindet, Massen von Menschen an. Alle erwarten
ungeduldig den Zug von zwölf Aposteln, das Aufleben des Türken, des
Verschwenders, des Geizes und des Knochenmannes, das mit Klingen und Hahnkrähen
begleitet wird. Bei einem Besuch von Prag die Aposteluhr auslassen bedeutet
ungefähr das gleiche, als ob man beim Besuch von Paris den Eiffel-Turm
unbeachtet lassen würde.
Die Prager Aposteluhr ist nicht
nur das Gipfelwerk der tschechischen gotischen Wissenschaft und Technik, sondern
handelt es sich gleichzeitig um ein wunderschönes Kunstdenkmal. Neben vier
Zeitarten zeigt sie auch die Bewegungen der Himmelskörper und seit dem
19. Jahrhundert auch die Tage auf einem Kalender mit Tierkreis
einschließlich der Allegorie der Monate und 365 kirchlicher Feiertage an.
Das Uhrwerk der Prager Aposteluhr
wurde im Jahre 1410 vom Uhrmacher Mikuláš z Kadaně hergestellt,
wahrscheinlich nach dem Entwurf des Mathematik- und Astronomie-Professors Jan
Šindel. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde die Aposteluhr mehrmals
vervollkommnet und repariert. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde
sie beim Brand des Altstädter Rathauses sehr deutlich beschädigt. Erneut wurde
sie erst nach drei Jahren, nach einer sehr komplizierten Rekonstruktion in
Betrieb gebracht. Die bisher letzte bedeutende Reparatur wurde im Jahr 2005
durchgeführt, wobei die Aposteluhr nach sechzig Jahren komplett zerlegt wurde.
Es wurden nicht nur die technischen Bestandteile renoviert, sondern wurden auch
die Statuen und der untere Kreis von Josef Mánes, einem bedeutenden
tschechischen Maler und Illustrator, Vertreter der Romantik, der für die
Aposteluhr die bereits erwähnte Kalendertafel mit Tierkreis gemalt hatte,
restauriert.