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Aus der Wabe in die Flasche: Honigweinmuseum

 
photo:  (Foto: Martina Schneibergová)
 

Ende 2014 wurde in einer Prager Teestube ein Honigweinmuseum eröffnet. Mittlerweile ist es in bessere Räume umgezogen.

 
 

Das Museum befindet sich in der Nähe des Karlsplatzes in der Prager Neustadt. Wenn man von der Straße Myslíkova in die Straße Na Zderaze abbiegt, ist gleich um die Ecke ein Aushängeschild zu sehen. Dieses weist auch auf Englisch darauf hin, worum es geht. Betritt man den ersten Raum im Erdgeschoss, trifft man gleich auf eine historische Honigmaschine. Die Regale sind vollgestellt mit zahlreichen Flaschen, auf denen bunte Etikette kleben: Honigwein. Und wie er hergestellt wird, das ist mit Kreide auf einer schwarzen Tafel beschrieben. Jiří Pouček ist der Gründer und Leiter des Museums.

„Ich fand es traurig, was hierzulande manchmal als Honigwein verkauft wird. Viele der Großproduzenten süßen ihre Produkte zusätzlich oder mischen Alkohol dazu. Ich begann also nach kleineren Metproduzenten zu suchen. So bin ich auf viele Hersteller in Tschechien und der Slowakei gestoßen, die Honigwein auf eine traditionelle Weise produzieren. Das hat mein Interesse an der Geschichte des Getränks geweckt, und seitdem forsche ich, wo überall Honigwein noch produziert wird. Dadurch entstand die Idee eines Honigweinmuseums.“

Nach den Anfängen im Keller einer Teestube konnte Jiří Pouček eigene Räume für sein Museum finden. Einen davon nutzt er auch für Verkostungen. Die Dauerausstellung im anderen Raum werde aber erst noch eröffnet, sagt Pouček:

„Dort werden die Geschichte und die Produktion von Honigwein beschrieben. Die Dauerausstellung wird auch in Fremdsprachen beschriftet sein, denn es kommen häufig Ausländer zu uns.“

Exportartikel Honigwein

Honigwein ist ein sehr altes Getränk. Ob er sogar noch früher als Wein aus Trauben produziert wurde, lasse sich heute nicht mehr feststellen, sagt Pouček. Fest stehe jedoch, dass Met schon vor mehreren Tausend Jahren getrunken wurde. Später wurde Honigwein aus Böhmen zu einem Begriff.

„Im 10. und 11. Jahrhundert war Met der wichtigste Exportartikel der Böhmischen Länder. Als dann vor allem im 14. Jahrhundert unter Karl IV. viele Weinberge angelegt wurden, ging die Produktion zurück. Denn Wein aus Trauben war billiger und einfacher herzustellen. In Polen, wo kein Wein angebaut wurde, hat die Honigweintradition 300 oder 400 Jahre länger gehalten.“

Mit Honigwein verbinden viele Menschen ein süßes Getränk. Doch das müsse überhaupt nicht so sein, meint Jiří Pouček.

„Mit Met verhält es sich ähnlich wie mit Wein. Es kommt darauf an, wieviel Bienenhonig vor der Gärung mit Wasser gemischt wird. In letzter Zeit sind eher trockene Honigweine mit niedrigerem Alkoholgehalt beliebt. Einen solchen Honigwein, der etwa elf Prozent Alkohol enthält, kann man auch bei warmem Wetter trinken.“

Vom Programmierer zum Museumsleiter

Jiří Pouček hat auf einer Weltkarte eingezeichnet, wo heutzutage Honigwein hergestellt wird. Bei jedem der Länder steht auch das Wort für dieses Getränk in der jeweiligen Sprache. Bisher lassen sich im Museum aber noch nicht Honigweine aus all diesen Ländern verkosten.

„Ich wäre froh, wenn ich Honigweine aus verschiedenen Ländern in meiner Sammlung hätte. Dies geht aber noch nicht. Ich bin erst dabei, die Länder zu besuchen und mich vor Ort über die Produktion zu informieren. Auf der Karte habe ich auch für jedes Land die Namen der Hersteller notiert, die ich herausgefunden habe. Ich war beispielsweise überrascht, als ich erfahren habe, dass Honigwein in Kenia produziert wird. Honigwein gibt es also in vielen Ländern – von Neuseeland bis nach Kanada.“

Allerdings hat Jiří Pouček viele Honigweinflaschen aus unterschiedlichen Gegenden der Welt mitgebracht und zeigt sie auch in seinem Museum. Und das Getränk wird im Museumsladen natürlich verkauft.

„Es sind aber nur Honigweine aus Tschechien und der Slowakei. Kleine Honigweinmengen von anderswo her zu importieren, lohnt sich nicht. Ich habe selbst Honigweine vor allem aus den Nachbarländern verkostet: aus Deutschland, Österreich, Polen, der Slowakei und auch aus Slowenien.“

Jiří Pouček ist weder Imker noch Winzer, sondern hat früher als Programmierer gearbeitet. Mit der Imkerei kennt er sich jedoch gut aus. Deswegen weist er auf einen Gegenstand hin, der neben der historischen Honigmaschine liegt und wie eine vergitterte kleine Spule aussieht.

„Dies ist ein Nadelkäfig oder Isolator für die Bienenkönigin. Er wird auf die Wabe gesteckt. Zu sehen sind hier noch weitere Gegenstände, die ich von Imkern geschenkt bekommen habe. Wir erklären Besuchern anhand der Exponate auch gerne alles Grundlegende über die Imkerei.“

Kräuter und Gewürze für den Geschmack

Doch zurück zum Honigwein. Der Geschmack und der Duft dieses Getränks werden durch die Honigsorte und das Produktionsverfahren beeinflusst. Als Beisätze werden Gewürze oder Kräuter genutzt. Jiří Pouček:

Das Honigweinmuseum befindet sich in der Straße Na Zderaze 14 im zweiten Prager Stadtbezirk. Geöffnet ist es dienstags bis samstags von 14 bis 20 Uhr.

„Die Wahl der Gewürze ist relativ frei. In Tschechien ist Zimt am beliebtesten. Oft werden auch Ingwer, Vanille oder Walnüsse als Geschmackselemente beigefügt. Oder gleich mehrere Kräuter oder Gewürze. Beliebt sind Honigweine mit Obstgeschmack, dabei wird der Obstsaft noch vor der Gärung beigemischt. Am häufigsten werden dafür schwarze Johannisbeeren, Sauerkirschen oder Himbeeren verwendet.“

Jiří Pouček veranstaltet regelmäßig Verkostungen im Museum, manchmal auch mit dem Schwerpunkt auf einem bestimmten Land. Unter anderem gab es bereits deutsche und polnische Honigwein-Tage. Im Oktober wird Slowenien im Mittelpunkt stehen.

 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 01.09.2017
 
 
 

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