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Per Steinrutsche ins kühle Nass

 
photo:  (Foto: Ondřej Tomšů)
 

In unserer Urlaubsserie zu den schönsten Sommerstränden in Tschechien fahren wir diesmal in die Nähe von Brno / Brünn. In der kleinen Gemeinde Luleč befindet sich eines der schönsten Naturbäder des Landes. Eine Besonderheit ist dort die wohl älteste Wasserrutsche Tschechiens.

 

Der 1000-Seelen-Ort Luleč liegt malerisch am Fuße des Drahánská-Hochlandes zwischen Brünn und Vyškov. Doch nicht nur wegen der Wanderwege und der Ferienhaus-Kolonie am Stadtrand ist Luleč ein Magnet für Besucher aus den umliegenden Großstädten. In dem kleinen Ort befindet sich nämlich eines der schönsten Freibäder der Region – das Naturbad U Libuše.

„Bei uns in Vyškov ist das Schwimmbad immer voll, das kann ich nicht ausstehen. Hier ist alles besser. Der Spielplatz, das Restaurant, alles ist fein. Außerdem treffe ich hier viele Bekannte auf einen Plausch.“, so es schildert die Rentnerin Bernadina aus der Nachbarstadt.

Entstanden sei das Bad aber durch Zufall, erklärt der Bürgermeister von Luleč, Adam Majchrák. Denn eigentlich sei es ja ein Baggersee gewesen:

„Das Bad ist vor etwa 80 Jahren entstanden. Davor war hier ein Steinbruch, bis man eine Quelle ausgegraben hat und das Ganze in nur drei Tagen unter Wasser stand. Das ging alles sehr schnell. Auf dem Grund des Sees befindet sich sicher noch Technik, die man nicht mehr retten konnte.“

Doch in jüngster Vergangenheit kommt es immer wieder zu Problemen:

„Das Wasser kommt aus der Quelle am Boden. Im Herbst senken wir den Wasserspiegel, damit wir die Ufer bearbeiten können. Der See läuft dann von alleine wieder voll. In den letzten Jahren aber werden wir von der Trockenheit geplagt. Irgendwann kam kein Wasser mehr nach und wir mussten uns welches von anderswo her zuleiten. In diesem Jahr haben wir das so gelöst, dass natürliches Wasser aus den umliegenden Brunnen ins Bad einfließt.“

Im Freibad U Libuše gibt es ein kleines Becken und den großen Baggersee. Dort ist das Wasser tief und relativ kalt. Nach Meinung von Adam Majchrák hat das aber einen großen Vorteil:

„An der untersten Stelle ist das Wasser 14 Meter tief. Dabei gilt: Je kälter es ist, desto besser ist die Qualität. Da können die flachen Teiche im Umland nicht mithalten. Außerdem ist das Becken aus Stein, es gibt keinen Schlamm, aber dafür viel Kies.“

Den Badegästen macht die niedrige Temperatur nichts aus. Manche kommen sogar gerade deswegen nach Luleč, so wie die Freibad-Besucherin Jana:

„Das Wasser ist den ganzen Sommer über kalt. Wenn es schwül wird, dann ist das auf jeden Fall besser als in anderen Schwimmbädern. Ich denke, das ist ein großes Plus.“

In den Baggersee hinein führt auch das „Tafelsilber“ des Freibads, das besonders bei Kindern beliebt ist. Es ist die steinerne Wasserrutsche, die aus einem einzigen Felsblock gehauen wurde:

„Erst kürzlich wurde sie renoviert, die Rutsche steht hier aber wirklich schon seit 70 Jahren. Für die Arbeiten haben wir einen professionellen Bildhauer engagiert. Wir haben ihn gefragt, was eine neue Rutsche denn so kosten würde. Er schätzte einen Millionenbetrag, wobei er Zweifel äußerte, ob heute überhaupt noch jemand so etwas herstellen könnte.“

Doch nicht nur für die Kinder gibt es viel zu Erleben im Freibad U Libuše in Luleč. Für die etwas älteren Besucher gibt es am Naturbecken zwei Sprungtürme und ein Restaurant lädt zum Imbiss ein. Natürlich kann man sich auch nur zum Entspannen auf die Wiese legen oder aber einen kleinen Spaziergang durch den anliegenden Wald machen. Während der Saison bereitet das Freibad außerdem ein buntes Programm vor:

„Im Sommer organisieren wir zahlreiche Abendveranstaltungen. Viel geboten wird vor allem für die Kinder. Zum Beispiel der ‚Luleč-Steg‘, also eine Art Straße über den See. Über den Steg können die Kinder mit Bollerwagen drüberfahren. Seit 52 Jahren gibt es hier außerdem ein Fußballtennis-Turnier. Hier geht es also wirklich rund.“


Das Freibad in Lulec ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 60 Kronen (2,40 Euro), für Kinder und Senioren nur 40 Kronen (1,80 Euro).

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 26.07.2019
 
 
 

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