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Smržovka: Rodelspaß im Isergebirge

 
photo:  (Miloš Morávek (Foto: Ondřej Tomšů))
 

Schlittenfahren ist mittlerweile wieder in Mode. Denn an vielen Orten sind Naturbahnen entstanden. So eine gibt es auch im tschechischen Isergebirge, konkret in der Gemeinde Smržovka / Morchenstern. Sie ist vier Kilometer lang – und baut auf eine lange Tradition.

 

Es liegt am Schnee, wie schnell man die Strecke hinunterrodelt. Ist dieser stumpf, dann bremst es auch mal, bei Eis hingegen sollte man vorsichtig sein. Seit 2016 besteht die Naturrodelbahn in Smržovka. Der ehemalige Rennrodler Miloš Morávek betreibt sie:

„Meine erste Idee war, irgendwo im Isergebirge eine Rodelbahn aufzumachen. Ich habe mir dann einige Orte dafür angeschaut. Als ich gegenüber dem Bürgermeister von Smržovka mein Vorhaben erwähnte, stutzte er und meinte: ‚Warum suchst du eigentlich woanders? Smržovka hat eine lange Rodeltradition, wir müssen das hier machen.‘ So kam es also dazu. Und ich denke, dass die Entscheidung nicht schlecht war. Wenn ich sehe, wie viele Besucher die Bahn hat, dann macht mich das wirklich froh.“

Anfänge mit Hörnerschlitten

Schon vor dem Ersten Weltkrieg entstand nahe dem Städtchen, das auf Deutsch Morchenstern heißt, die erste Naturrodelbahn. Auf der Website von Smržovka lässt sich sogar ein Zeitungsfoto dazu finden. „Eröffnung der Schwarzbrunn-Rodelbahn am 1. Jänner 1911“ steht auf Deutsch darunter. Auf dem Bild zu sehen ist eine Gruppe von rund 30 Männern und Frauen, einige davon sitzen auf traditionellen Hörnerschlitten. Allerdings führte diese Bahn damals nach Jablonec nad Nisou / Gablonz an der Neiße. Auf der Seite in Richtung Smržovka wurde erst ein Jahr später eine Rodelbahn in Betrieb genommen. Sie wurde dann bald schon betoniert und diente dem Rennsport. Und die Rodler aus dem Isergebirgsort trainierten so fleißig auf der Strecke, dass sie schnell in die europäische Spitze vorstießen.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Smržovka das wichtigste Rodelzentrum in der Tschechoslowakei. Ein Name muss dabei erwähnt werden: Horst Urban. In Jablonec geboren, kümmerte er sich um eine Modernisierung der Bahn in Smržovka. Auch Miloš Morávek nennt seinen Namen:

„Als ehemaliger Rodler kann ich sagen, dass alle meine Kollegen aus der Nationalmannschaft auf Naturbahnen begonnen haben. Erst langsam gingen sie dann auf betonierte und später auf künstlich gekühlte Bahnen über. Von den vielen hervorragenden Rodlern erinnere ich mich vor allem an Horst Urban. Er erhielt sogar den Titel ‚verdienter Meister des Sports‘. So wurden nur außergewöhnlich gute Athleten genannt, also auf dem Niveau von Zátopek, Čáslavská und Co.“

Horst Urban wurde 16 Mal tschechoslowakischer Meister. Sein größter Erfolg war ein Platz knapp unter dem Siegertreppchen bei der Rodel-WM 1965 in Davos. Heute versucht übrigens die gelernte Konditorin Tereza Nosková an solche Erfolge anzuknüpfen. Die 22-Jährige stammt direkt aus Smržovka und hat in Pyeongchang erstmals an den Olympischen Spielen teilgenommen.

Jedermann-Rennen

Aber selbst als Amateur könne man auf der Naturrodelbahn mit anderen um die Wette fahren, sagt der Organisator:

„Jedes Jahr richten wir zu Ende der Saison ein Schlittenrennen aus. Dieses Mal ist es bereits der dritte sogenannte Svijany Cup. Er richtet sich vor allem an die regelmäßigen Besucher der Bahn, die dann mal ihre Kräfte mit Freunden messen können. Dieses Jahr wird der Svijany Cup am 23. Februar gefahren. Ich möchte hiermit alle Schlittenbegeisterten und Adrenalinfans einladen, zu kommen und zu gucken oder selbst mitzumachen.“

Knapp vier Kilometer ist die Strecke lang, dabei saust man mehr als 300 Höhenmeter hinunter. Der Start ist auf dem Schwarzbrunnberg (Černá studnice) auf 869 Meter Meereshöhe. Wer ein bisschen Training möchte, der kann auch hochgehen. Der Gipfel wird dominiert von einem 26 Meter hohen Aussichtsturm, es ist ein massives Steinbauwerk von 1904. In der angrenzenden Hütte bekommt man zudem etwas zu essen. Gerodelt wird dann auf verschneiten Wegen durch den Wald. Wie schnell es werde, das hänge einfach vom Schnee ab, sagt Miloš Morávek:

„Falls es frisch geschneit hat und die Temperaturen auf minus zehn Grad sinken, dann ist der Schnee eher stumpf, und die Schlitten gleiten nicht so gut. Wenn es aber länger nicht geschneit oder geregnet hat und die Strecke hart ist, dann geht’s flott runter. Was aber auch passieren kann: Dass es zunächst regnet und dann gefriert. In dem Fall sollte man den Schlitten gut beherrschen und nicht von der Bahn abkommen. Denn die Strecke führt überwiegend auf Waldwegen lang, und es gibt keine hohe Bande, die den Fahrer zur Not in der Bahn hält.“

Deswegen denkt Morávek neuerdings auch über kleine Kurse oder kurze Instruktionen für die Fahrer nach, zumindest an den Wochenenden.

Vier Kilometer auf Waldwegen

Die Benutzung der Rodelbahn ist kostenlos, nur wer einen Schlitten leiht, der zahlt natürlich eine Gebühr. Die Fahrt ist dann auf eigene Gefahr, in jedem Fall raten die Veranstalter, nur bei Helligkeit hinabzudüsen. Der Betreiber schätzt, dass sich im vergangenen Jahr rund 7000 Besucher dieses Vergnügen gegönnt haben.

„In den ersten drei Jahren kamen praktisch nur tschechische Touristen. Für dieses Jahr haben wir in Deutschland und Polen etwas Werbung gemacht. Wenn ich jetzt an die Bahn gehe, dann höre ich dort auch Deutsch. Also finden die Leute wohl ebenso aus Zittau und Umgebung hierher“, so Morávek.

In Smržovka können zudem weitere Wintersportarten betrieben werden, wie der frühere Rennrodler ausführt:

„Smržovka ist eine Sportstadt – und das auch im Winter. Die Naturrodelbahn endet zum Beispiel am Skilift Filip, mit dem auch die Schlitten wieder nach oben transportiert werden. Das heißt, die Skifahrer kommen ebenfalls hier auf ihre Kosten. Direkt in der Stadt besteht zudem eine Natureisbahn für alle Schlittschuhliebhaber. Am Rand von Smržovka wiederum, im sogenannten Oberdorf, ist eine kleine Loipe. Dort können Langläufer auf einem Zwei-Kilometerkurs ihre Runden drehen.“


Mehr Informationen zur Naturrodelbahn bieten die Website beziehungsweise der Internetauftritt der Stadt .

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 15.02.2019
 
 
 

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