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Böhmische Spuren eines amerikanischen Heiligen

 
photo:  (Geburtshaus von Johann Nepomuk Neumann (Foto: Martina Schneibergová))
 

Der böhmische Priester Johann Nepomuk Neumann gilt als Begründer des christlichen Schulsystems in den USA. Mitte des 19. Jahrhunderts wagte er den Sprung in die Neue Welt, und wurde dort schließlich zum Bischof von Philadelphia geweiht. Dort kümmerte er sich vor allem um sozial Schwache. Neumann, der 1977 heiliggesprochen wurde, wird nicht nur in den USA, sondern auch unter den deutschen und tschechischen Gläubigen verehrt. In seinem Geburtshaus in der Böhmerwaldstadt Prachatice / Prachatitz wurde vor einigen Jahren ein kleines Museum eröffnet.

 

Das Geburtshaus von Johann Nepomuk Neumann steht nur wenige Schritte vom Marktplatz von Prachatice entfernt. Mittlerweile heißt das historische Gebäude Neumanneum und gehört den Borromäerinnen. Vor 14 Jahren haben die Ordensschwestern dort ein Hospiz eröffnet, das den Namen des böhmisch-amerikanischen Heiligen trägt. Seit Jahren zieht es unzählige Pilger vor allem auch aus dem Ausland nachPrachatice, die mehr über den einstigen Bischof von Philadelphia und seine Geburtsstadt erfahren wollen. Deshalb haben die Ordensschwestern beschlossen, eine Dauerausstellung im Kloster zu eröffnen.

Johann Nepomuk Neumann sei 1811 in diesem Haus zur Welt gekommen, erzählt Alena Bártová. Die Borromäerin arbeitet in dem Hospiz:

„Neumann begab sich 1836 als Missionar in die USA, wo er schon bald zum Priester geweiht wurde. Er wanderte aus, weil es im Böhmen jener Zeit viel zu viele Geistliche gab. Sein Weihtermin wurde deshalb immer weiter hinausgeschoben. In den USA war zunächst er in der Gegend um Buffalo und den Niagarafällen als Seelsorger tätig. Wegen seinem Fleiß und Glauben wurde er 1853 zum Bischof von Philadelphia. Neumann stand hinter dem Bau vieler Kirchen, aber auch zahlreicher Schulen in Amerika. Denn eine gute Schulbildung hielt der Priester für eine Möglichkeit, um die Lage der Kinder aus sozial schwachen Familien zu verbessern. Darum gilt er heutzutage als Begründer des christlichen Schulsystems in den USA.“i

Seelsorger der Einwanderer

Neumann kam mit dem Ziel in die USA, sich vor allem um die deutschsprachigen Einwanderer zu kümmern. Vor Ort lernte er aber auch weitere Sprachen. Vor allem Gälisch war wichtig, weil er als Seelsorger oft mit Einwanderern aus Irland in Kontakt kam. Außerdem setzte sich Neumann auch für die Rechte der Indianer ein.

Neumann entschied sich im Jahr 1835 für ein Leben in den USA. Seine Schwester Johanna hatte ihm damals versprochen, dass sie ins Kloster gehen und für ihn beten würde, erzählt Alena Bártová.

„Das hat sie auch eingehalten. Sie hat sich den Barmherzigen Schwestern vom Hl. Karl Borromäus angeschlossen, die 1837 aus Frankreich nach Böhmen gekommen waren. Johanna nahm in der Kongregation den Namen Karolina an. Später wurde sie sogar zur Generaloberin der Borromäerinnen in Böhmen ernannt. Ihr Vater war Strumpfwirker und hatte in diesem Haus in Prachatice seine Werkstatt. Kurz vor seinem Tod im Jahre 1860 vererbte er das Haus den Ordensschwestern. Karolina erhielt damals den Auftrag, in Prachatice eine erste Ordensgemeinschaft zu gründen. Die Borromäerinnen leben also schon seit 1860 in diesem Haus und dienen den Bürgern der Stadt.“

Zuerst wurde dort ein Waisenhaus eröffnet, später kam eine Schule für Kinder aus armen Familien hinzu. Schnell wurde das Haus aber zu klein und die Ordensschwestern kauften auch die Nachbargebäude hinzu. Während des Ersten Weltkriegs wurde in den Gebäuden ein Seniorenheim untergebracht, erzählt Alena Bártová.

„Das kommunistische Regime enteignete das Heim schon im Jahr 1948. Vier Jahre später wurde die hiesige Oberin Vojtěcha Hasmandová von den Kommunisten verhaftet und gemeinsam mit weiteren Ordensschwestern wegen angeblichen Hochverrats in einem Monsterprozess zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.“

Neubeginn nach 1989

Nach der Wende von 1989 bekamen die Borromäerinnen das Geburtshaus von Johann Nepomuk Neumann sowie den Seniorenheim vom Staat zurück. In Zusammenarbeit mit der Stadt Prachatice wurde ein Verein gegründet, der dort ein Hospiz einrichten sollte. Dieses öffnete im Jahr 2005 seine Pforten.

Vor drei Jahren waren die umfangreichen Renovierungsarbeiten fertig. Danach kamen die Borromäerinnen auf die Idee, mit einer Dauerausstellung an den ehemaligen Hausherren Johann Nepomuk Neumann zu erinnern. Alena Bártová:

„Wir wollten dazu beitragen, dass Neumann auch in seiner Heimat bekannter als bisher wird. In den USA wird er verehrt, in Tschechien weiß man aber nur sehr wenig über ihn. Darum haben wir hier eine Galerie eröffnet, die seinen Namen trägt. Unter den Exponaten ist beispielsweise eine Handschrift von ihm mit dem Bischofssiegel, es werden aber auch Fotos, Briefe sowie ein Stück seines Ärmels gezeigt. Das kleine Heft in der Vitrine ist besonders interessant, denn es enthält lateinische Psalmen, die sich Johann Neumann notiert hat und aus denen er auf Reisen betete. Wie man sieht, ist das Heft sehr abgenutzt.“

Das Büchlein stammt aus dem Archiv der Borromäerinnen. Wahrscheinlich hat es Neumanns Schwester Johanna-Karolina aus den USA bekommen. Zu sehen sind zudem Fotos der Eltern und Geschwister des Bischofs von Philadelphia. Diese haben die Redemptoristen aus den USA für die Dauerausstellung zur Verfügung gestellt. Zudem werden Originalbriefe ausgestellt sowie Schriften, die über den Hl. Johann Nepomuk Neumann erschienen sind.

„Neben den größeren Werken zeigen wir eine Broschüre, die 1977 anlässlich der Heiligsprechung von Johann Nepomuk Neumann herausgegeben wurde. Damals wollte eine Kirchendelegation aus den USA Neumanns Geburtshaus besuchen, dies wurde ihr jedoch von den Kommunisten damals nicht erlaubt. Zu sehen sind hier mehrere Bücher über Neumanns Leben, die in den USA, Mexiko und auch Deutschland erschienen sind.“

100 Kirchen und Schulen in den USA

Zu den Kuriositäten der Ausstellung gehört eine Fahrkarte für die Bahn von Linz nach München, die Neumann im Februar 1836 gelöst hat. Die Aufmerksamkeit ziehen einige Zeichnungen von Holzkirchen auf sich.

„Derartige Blockhauskirchen ließ Neumann in den USA erbauen. Denn es gab dort damals kein anderes Baumaterial. Er hat rund 100 Gotteshäuser bauen lassen. Bei uns waren schon viele Besucher aus dem Ausland. In diesem Jahr hatten wir hier schon einige Mal Gäste aus den USA. Aus Deutschland kommen sehr oft Pilger, die an Gottesdiensten in der Neumann-Kapelle im Hospiz teilnehmen.“

Am 22. Juni fand eine Nepomuk-Wallfahrt in Prachatice statt, an der auch Pilger aus Würzburg teilgenommen haben. Die Messe zelebrierte der apostolische Nuntius in Tschechien, Erzbischof Charles Daniel Balvo, der aus den USA stammt. In seiner in Tschechisch vorgetragenen Rede hob der Diplomat Neumanns Verdienste um das Schulwesen hervor.

„Neumanns Einsatz brachte viele Früchte: Er war der erste Bischof in den USA, der ein System von Diözesan- und Pfarrschulen aufbaute. Da er mehrere Sprachen beherrschte, konnte er sich um Einwanderer aus verschiedenen Ländern kümmern. Es gelang ihm, Institutionen in seiner Diözese dazu zu bewegen, dass sie ihre Türen den Bedürftigen öffnen. Mit allen Kräften diente Neumann nach dem Vorbild von Christus seinen Nächsten.“

Johann Nepomuk Neumann ist am 5. Januar 1860 im Alter von 49 Jahren an Herzversagen gestorben. Bestattet wurde er in der Redemptoristenkirche in Philadelphia. In Prachatice erinnert an ihn eine der Seitenkapellen in der Jakobskirche. Im Garten des Hospizes steht eine Statue von Bischof Neumann.

Die Johann-Nepomuk-Neumann-Galerie ist von Mai bis September am Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9.30 bis 15.30 Uhr und am Donnerstag von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Vom Oktober bis April ist das Museum von Dienstag bis Donnerstag von 9.30 bis 15.30 zugänglich. Es ist jedoch möglich, einen Besuch auch außerhalb der Öffnungszeiten zu vereinbaren. Neumans Geburtshaus befindet sich in der Straße Neumannova 142 im Stadtzentrum von Prachatice.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 13.07.2019
 
 
 

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