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Traum vom Mittelalter: eigene Burg und Brauerei

 
photo:  (Malešov (Foto: Ondřej Tomšů))
 

Wer eine Burg oder Schloss besitzt, hat sich häufig einen Kindestraum erfüllt. Die Eigentümer scheuen daher weder Kosten noch Mühe, um die historischen Gemäuer für folgende Generationen zu erhalten. Einige Schlossbesitzer aus Tschechien wollen wir Ihnen ab heute in einer kleinen Serie vorstellen. Ondřej Slačálek ist ein Mann in mittleren Jahren und eigentlich Manager. Sein romantischer Traum ging vor fünfzehn Jahren in Erfüllung.

 
 

Malešov ist ein kleiner Ort in Mittelböhmen, nur ein paar Kilometer entfernt von Kutná Hora. Am Rande der Gemeinde, auf einem Felsen über einem Stausee des Flusses Vrchlice, ragt ein burgähnliches Haus mit einem mächtigen Turm empor. Dieses sogenannte Feste Haus in Malešov ist 1303 zum ersten Mal erwähnt worden. Sieben Jahrhunderte später, im Jahr 2002 hat Ondřej Slačálek es gekauft.

Rohes Mittelalter

„Ich kann den eigentlichen Impuls gar nicht nennen, warum ich dies gemacht habe. Aber seit etwa meinem 17. Lebensjahr habe ich mir gewünscht, ein historisches Gebäude zu besitzen. Ich wollte etwas eher Rohes, kein Schloss, sondern eine Burg oder eben ein Festes Haus.“

Außerdem hätten praktische Gründe bei der Wahl mitentschieden, sagt Slačálek:

„Die Renovierung eines mittelalterlichen Objekts ist schon ein Traum und ein Unterfangen voller Enthusiasmus. Bei einer kleineren Burg lässt sich das Projekt einfacher realisieren. Aber zurück zu der Frage: Warum? Ich liebe einfach die Geschichte und fand es toll, in historischen Gemäuern zu wohnen. Das war wohl in meinem Unterbewusstsein gespeichert.“

Es war auch kein Zufall, dass die Wahl gerade auf Malešov fiel:

„Ich kannte Malešov noch aus meiner Kindheit. Meine Mutter wurde in Kutná Hora geboren, meine Ureltern kommen aus zwei Dörfern hier aus der Umgebung. Trotzdem habe ich ein Jahr lang landesweit gesucht und mir Objekte angeschaut, um die Sicherheit zu haben, dass Malešov die beste Lösung ist. Letztlich bin ich hierher zurückgekehrt. Malešov entsprach am besten den Bedingungen, die ich gestellt hatte: Das Objekt sollte schön sein, das Projekt realistisch, die Umgebung lieblich und die Entfernung von Prag nicht allzu groß.“

Das Feste Haus war seit 1985 im Besitz der Gemeinde Malešov. Man wollte ein Kulturzentrum dort einrichten, doch der Plan wurde nie umgesetzt. Im Jahr 2002 habe sich das Baudenkmal bereits am Rande des beginnenden Verfalls befunden, so Slačálek.

„Es war noch nicht komplett verfallen. Es hatte noch das Dach. Dieses war an manchen Stellen beschädigt, aber der hölzerne Dachstuhl musste nicht ausgetauscht werden. Das Objekt war aber nicht bewohnbar, es gab hier keinen Strom, keine Wasserleitung und keinen Abfluss. Die Innenräume waren völlig verwüstet.“

Anders als in vielen anderen Fällen ist das Kulturdenkmal in Malešov aber nicht nur durch die Kommunisten beschädigt worden, betont Slačálek.

„Bereits Graf Sporck trägt Schuld an der Verwahrlosung. Er hat das Wohngebäude nach einem Brand im 17. Jahrhundert umfunktioniert. 300 Jahre lang diente es als Speicher.“

Renovierung mit eigenen Kräften

Diejenigen, die sich entschieden haben, ein historisches Denkmal instand zu setzen, müssen meist dieselben Eigenschaften mitbringen: eine Riesenportion an Energie, Tatkraft und Arbeitslust. Häufig beteiligen sie sich selbst an der Instandsetzung und den Bauarbeiten. Und sie finden Vergnügen daran.

Drei Ziele waren es, die den damals jungen Mann zum Kauf motiviert haben:

„Erstens das Objekt gewissermaßen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Etwa für Gruppen, die historische Fechtturniere veranstalten. Sie können das Haus für ein Wochenende oder für länger mieten und hier in historischen Kostümen eine schöne Zeit verbringen. Der Innenraum ist so gestaltet, dass hier keine modernen Elemente stören.“

Zweitens hatte Slačálek kommerzielle Pläne. Er vermietet seine Burg auch für Hochzeitsfeiern oder Firmentreffen. Diese Idee entsprang der Befürchtung, dass er nicht imstande sein würde, das Projekt zu finanzieren. Mittlerweile hat Slačálek aber diese Aktivitäten schon deutlich heruntergeschraubt. Und das hängt mit dem dritten Grund beim Erwerb der Ruine zusammen: ein eigenes Heim hier zu haben. Je mehr er sich in Malešov zu Hause fühle, desto mehr würden ihn dort fremde Menschen stören, die sich nicht nach seinen Vorstellungen verhielten, sagt der Burgbesitzer:

„Nachdem ich hier so viel Zeit bei der Renovierung verbracht habe, wollte ich hier leben. Diesen Wunsch habe ich mir vor acht Jahren erfüllt und hier eine Wohnung renoviert. Ich arbeite zwar in Prag, verbringe aber immer mehr Zeit in Malešov.“

Kleinbrauerei Malešov

Auch seine Familie ist hier, und seit dem Frühjahr kümmert er sich zudem um ein eigenes Unternehmen:

„Wir haben hier im Frühjahr eine Brauerei eröffnet. Sie wirft noch keinen Gewinn ab. Es ist aber ein Unternehmen, durch das ich mit der Zeit etwas verdienen kann.“

Ondřej Slačálek selbst ist weder ein großer Kenner, noch ein Liebhaber von Bier. Trotzdem war es seine Idee, in Malešov eine Brauerei zu eröffnen.

„Es gab ab dem 16. Jahrhundert bis 1942 hier bereits eine Brauerei. Ich habe mich mit mehreren Menschen zusammengetan. Wir haben zunächst eine Handelsfirma gegründet und Bier verkauft, das anderswo gebraut wurde. Später haben wir hier in Malešov ein historisches Gebäude restauriert und dort die Brauerei eingerichtet. Seit Januar dieses Jahres braut ein Freund von mir hier unser eigenes Bier. Auch meine Frau beteiligt sich teilweise an der Bierproduktion. Ich organisiere das alles.“

Zehn- und zwölfgradiges Lagerbier, IPA und neu nun auch halbdunkles elfgradiges Bier werden in Malešov gebraut. Der Gerstensaft wird hauptsächlich an Gaststätten in größeren Städten wie Prag und Brno geliefert. Man kann ihn aber auch in einer Schenke direkt in Malešov verkosten.

„Ich habe mein ganzes Leben lang in großen Firmen gearbeitet, wo man das Ergebnis der eigenen Arbeit kaum sehen kann. Mich hat es immer zu Sachen hingezogen, die sich erfassen lassen. Dies gilt für die Renovierung der Festung, wobei ich hoffe, dass sie nun einige weitere Jahrhunderte hier stehen wird. Mit dem Bier knüpfe ich an die Tradition des Ortes an und finde das sehr schön: Bier zu produzieren heißt Freude zu produzieren.“

Zu besonderen Gelegenheiten öffnet Slačálek sein Haus für die Öffentlichkeit. Immer am ersten Samstag im September findet eine Veranstaltung statt, die sich „Die Eroberung von Malešov“ nennt. Eben an diesem Samstag wird das FeMalešov (Foto: Ondřej Tomšů)ste Haus nach der Neueröffnung im Jahr 2002 bereits zum 15. Mal wieder erobert.


Durch das Feste Haus in Malešov werden zwar keine regelmäßigen Führungen angeboten, wir werden aber in einer der nächsten Ausgaben unserer Sendereihe „Reiseland Tschechien“ eine Radio-Führung machen. Und in der Sendereihe „Heute am Mikrophon“ lernen Sie einen weiteren Eigentümer eines historischen Baudenkmals in Tschechien kennen.

 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 02.09.2017
 
 
 

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