HOMEPAGE

Touristen
 
Was unternehmen, Sehenswertes
 
Interessante Plätze

 

Ostrau

 
photo:  (mojefoto.cz)
 

Die Eintragung des Industriekomplexes in Ostrau in die Liste des Weltkulturerbes UNESCO ist für das Jahr 2010 vorgesehen.

 

Das schwarze Ostrau

„Ostrau, Ostrau
du bittere Stadt
mein Glück
Ostrau, Ostrau
du schwarzer Stern über meinem Kopf“

Mit diesen poetischen Worten besingt der Folkbarde Jarek Nohavica seine Heimatstadt Ostrau, das sich während des Sozialismus wegen Kohlenförderung den Beinamen „schwarz“ verdiente.
Ostrau und die ganze Mährisch-Schlesische Region hat eine reiche industrielle Geschichte, die über die Staatsgrenzen hinausgeht. Die Region ist voll von Kontrasten, aber es gibt ein gemeinsames Merkmal – die Tradition der Erzförderung und -bearbeitung. Steinkohlenberg- und Eisenwerke sind miteinander eng verbunden. Die Rede ist nicht nur von den 1950ern, die manche von uns noch gut in Erinnerung haben. Das Wort „Tradition“ bezieht sich schon auf die mittelalterliche Weise der Erzförderung im Gesenkengebirge oder auf die Roheisenherstellung am Fuß der Beskiden. Es handelt sich um eine Spezialität dieser Region, die man am besten in den folgenden Ostrauer Gebieten nachweisen kann: Grube Anselm – Grube Hlubina, Kokerei und Hochöfen der Witkowitzer Eisenwerke – Grube Michael – Windschacht in Wrbitz.Der Industriekomplex in Ostrau wurde 2001 in die indikative Liste der UNESCO einbezogen. Die Eintragung des Komplexes in das kulturelle Welterbe der UNESCO kann 2010 erfolgen, solange die Tschechische Republik, die Mährisch-Schlesischen Region und die Stadt Ostrau alle Bedingungen erfüllen. Die einzigartigen Ostrauer Sehenswürdigkeiten leben auch heute. Dafür verdanken wir besonders dem Bürgerverein Za starou Ostravu (Für das alte Ostrau), der die Aufmerksamkeit der Ostrauer auf die Architektur lenkt.

„Wir veranstalten öffentliche Diskussionen über geschützte Lokalitäten, die ihre künftige Gestaltung beeinflussen. Rundgänge durch geschichtsträchtige Orte mit ausführlichen Erläuterungen bringen die lokale Architektur denjenigen näher, die sie sonst nicht wahrnehmen. Um ein historisches Schlachthaus zu retten, verläuft eine Serie von DJ-Auftritten und Konzerten, “ beschreibt der Architekturhistoriker Martin Strakoš die jetzigen Aktivitäten des Vereins.

Natur-, Archäologie- und Industrieort Landek

Die erste der Lokalitäten, die eine Chance haben, in der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO zu erscheinen, umfasst ein gut erhaltenes Areal des ältesten, 1782 am Abhang des Gipfels Landek gegründeten Stollens. Die vorhandenen Bauobjekte der Grube Anselm, für die Rohmauerwerk typisch ist, wurden von der Architektur des industriellen Wiener Jugendstils beeinflusst. Die meisten der elf Bauwerke des Industrieareals unter Landek stammen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Der Gipfel Landek über der Grube ist eine bedeutende archäologische Lokalität aus der späten Steinzeit. Zwei Funde sind von außerordentlicher Bedeutung: Die Venus von Landek, eine kleine Statue einer ungewöhnlich schlanken Frau, und der Fund, der den allerersten Gebrauch von Steinkohle zur Erwärmung in der ganzen Welt belegt. Die Lokalität wurde zu eine slawischen Burgstätte und danach zu einer Burg. Noch später entstand dort das älteste Ostrauer Steinkohlebergwerk Anselm. Es ist eine eigenartige Natur-, Archäologie-, Geologie- und Industrielokalität.
Das Gebiet ist heute für die Öffentlichkeit als Bergwerksmuseum zugänglich. Im Untergrund des Bergwerks steht den Besuchern eine wirkliche ehemalige Stollensohle zur Verfügung, die eine der Bergwerkstechnik gewidmete Ausstellung anbietet.

Grube Hlubina, Kokerei und Hochöfen der Witkowitzer Eisenwerke

Die Witkowitzer Eisenwerke wurden 1828 gegründet. Der erste Hochofen wurde 1836 eingeweiht und angeblasen. Dank der hiesigen Naturbedingungen konnte die Steinkohle seit 1857 in der Grube Hlubina in der unmittelbaren Nähe der Einsenwerke gefördert werden. Seitdem war der ganze technologische Prozess der Kohlenforderung, Verkokung und Roheisenherstellung in den Hochöfen eng verbunden. Seit den 1870ern wurde das Hochofenareal allmählich in seinem heutigen Ort ausgebaut. Die Verbindung innerhalb des technologischen Komplexes wurde mit Förderbrücken, Beschickungsvorrichtungen und Bandförderer sichergestellt. Die allmähliche Entwicklung und ununterbrochene Kontinuität der Herstellung ist in dem ganzen Areal selbst nach der Stilllegung der Produktion im Jahre 1998 sichtbar. Es gibt hier auch einzigartige Reihe von Bauanlagen und technischen Anlagen aus verschiedenen historischen Perioden, die die industrielle Revolution ausgezeichnet veranschaulichen. Die wichtigen technische Objekte und Vorrichtungen werden seit den 1990ern zu Kulturdenkmälern erklärt. Das ganze Areal wurde wegen seiner Einzigartigkeit 2002 zum nationalen Kulturmerkmal erklärt. Was unterscheidet ein technisches Merkmal von den traditionellen Kulturdenkmälern? In Witkowitz blieb der technologische Vorgang in einer beeindruckenden und anschaulichen Gesamtheit erhalten. Laut Experten hat das Ostrauer Areal in Europa keine Konkurrenz, denn in keinem der ähnlichen Gebiete blieben alle Objekte und Vorrichtungen in einem einzigen Ort erhalten. In vielen Fällen wurden sie nach dem Krieg umbaut und modernisiert. Die Silhouette der Hochbauten bildet ein ungewöhnliches Panorama nicht weit von dem Stadtzentrum. Drei Hochöfen, Schachttürme, die Türme der Kokerei und drei Schornsteine ragen hervor.

Grube Michal

Die Grube wurde 1843 von der k. u. k. Staatsschürfkommission gegründet. Sie wurde mithilfe von zwei Schürfen ausgeschachtet. Einer vor ihnen wurde später zu dem Hauptförderschacht. In 1856, als die staatlichen Bergbaubetriebe tief in den roten Zahlen steckten, wurde die Grube von der Gesellschaft Kaiser Ferdinands-Nordbahn erworben, die eine Bahn aus Wien über Ostrau zu den polnischen Salzgruben gebaut und betrieben hat. Eine weitere Rekonstruktion folgte zwischen 1913 und 1915, als die Grube Michal komplett umbaut wurde, damit hier die Förderung aus den benachbarten kleinen Gruben konzentriert werden konnte. Die bisherigen Dampfmaschinen wurden vom Elektroantrieb abgelöst. Die hiesigen stationären Maschinen wurden meistens von der Firma Siemens-Schuckert hergestellt. Der zwischen 1912 und 1915 ausgebaute Maschinenraum zeigt, wie damals eine moderne Mustergrube mit Elektroantrieb aussah. Das erste Mal in der Geschichte des Ostrauer Reviers wurden alle wichtigen Oberflächenmaschinen elektrifiziert und in eine große verglaste Halle platziert. Die architektonische und betriebliche Gestaltung der Grube Michal (nach den Entwürfen des bedeutenden Architekten František Fiala, eines Anhängers der Wiener Schuld Otto Wagners) sollte die wirtschaftliche und technische Rolle der Gesellschaft Kaiser Ferdinands-Nordbahn im Ostrau-Karwiner Steinkohlenrevier unterstreichen. Dank der Tatsache, dass hier Bauarbeiten nur im eingeschränkten Umfang stattfanden, bleibt das Areal der Grube Michal seit seinem im 1915 abgeschlossenen Umbau ohne wesentliche Änderungen und stellt einen einzigartigen Betriebs-, Technologie- und Architekturkomplex dar. Es war die Absicht der Denkmalpflege, das ganze Areal in seiner ursprünglichen Form zu belassen, als wären die Leute, die hier früher arbeiteten, erst gestern weggegangen und als hätten sie alles so zurückgelassen, wie es immer war, einschließlich schmutziger Wände, abgegriffener Geländer, ausgetretenen Stufen und abgesprungenen Anstrichen. Der außergewöhnliche historische Wert der Grube Michal liegt deswegen auch in der authentischen Gestaltung des gesamten Areals samt technischer Ausrüstung und hochwertigen handwerklichen Details (Türbeschläge, Pflasterung, Verkleidung, gläserne Öler mit Reliefs, Typenschilder usw.). Zurzeit sind die meisten Objekte der Grube Michal der Öffentlichkeit als Museum zugänglich. Es finden hier auch Konzerte, Vorlesungen, Seminare und Ausstellungen statt.

Areal des Windschachts Wrbitz

Das Abteufen des Windschachts Wrbitz wurde 1911 von dem Eigentümer der Grube Hubert, der Gesellschaft Kaiser Ferdinands-Nordbahn, eingeleitet. Es war eine Maßnahme, die die Ablüftung des stark gasgefährderten Schachtfeldes sicherstellen sollte. Der Schacht mit dem Durchmesser von 4,5 m wurde in der Nähe der Hauptbahn aus Wien nach Krakau ausgeschachtet. Da dieser Ort vielen Blicken ausgesetzt wurde, sollte das Bergbauareal seinen Eigentümer entsprechend repräsentieren. Der architektonische Entwurf der Gebäude aus Rohmauerwerk enthielt auch das Schachtgebäude mit einem niedrigen Schachtturm. In dem Areal ist eine Fördermaschine aus 1916 mit einem einzigartigen elektrischen Asynchronmotor AEG erhalten geblieben. In der ehemaligen Kompressionsanlage steht ein elektrischer Kolbenkompressor der Firma Siemens-Schuckert aus 1913. Neben seinem historischen und technischen Wert biete das erhaltene Grubenareal vor allem eine beeindruckende architektonische Ausprägung.

Olga Slámová

Quellen: Materiale der Landek-Stiftung und des Nationalinstituts für Denkmalpflege

 

Links

 
Autor:
 
Datum: 12.01.2010
 
 
 

Mehr zum Thema

 
Freizeit
 
 

Die schönsten tschechischen Gärten...

In Tschechien kommen Liebhaber gepflegter Gartenanlagen und naturbelassener Parks auf ihre Kosten. In...

 
 
Interessante Plätze
 
 

Wassermühlen

Das Klappern des Mühlrades war in vergangenen Zeiten recht oft zu hören. Heute sind Wassermühlen zumeist...

 
 
Freizeit
 
 

Boheminium – Tschechien im Maßstab 1...

Entdecken Sie mehr als 40 Miniaturen bekannter Baudenkmäler und technischer Sehenswürdigkeiten der...

 
 
Freizeit
 
 

Die schönsten tschechischen Gärten...

In der Tschechischen Republik kommen alle Liebhaber von schön angelegten Gärten und Naturparks ganz auf...

 
Favoriten

Die Geschichte der bildenden Kunst

Was geschah in der bildenden Kunst am Wendepunkt der böhmischen Geschichte…

Klima

Tschechische Republik ist ein Binnenland, das in der milden Breite der…

Große Entdeckungen der Gegenwart

In den letzten Jahrzehnten wartete die tschechische Wissenschaft mit vielen…

Tschechisch

Tschechisch gehört zur Gruppe der westslawischen Sprachen. Aus einer anderen…