Die Tschechische Republik bemühte sich bereits seit einigen Jahren um die Aufnahme des Königritts in die UNESCO-Liste, auf welcher bereits drei weitere tschechische immaterielle Kulturgüter verzeichnet sind: der Slovácko Verbunk, der Tanz der Rekruten, ein improvisierender Männertanz, die dörflichen Faschingsumzüge und Masken in Hlinecko
(mapa) und die Falknerei.
Der Königsritt ist ein alter, traditioneller Volksbrauch, der meist mit dem christlichen Pfingstfest in Verbindung gebracht wird. Früher wurden auf gesamtem Landesgebiet Königsritte veranstaltet, heute ist diese Tradition aber nur in der Mährischen Slowakei und der Region Hanná erhalten geblieben. Die eigentliche Entstehung der Königsritte ist nicht bekannt. Grundlage könnten königliche Zeremonien gewesen sein, Osterprozessionen oder ein heidnischer Brauch, bei welchem eine öffentliche Prozession auf Pferden eine reiche Ernte auf den Feldern einbringen sollte.
In der Mährischen Slowakei finden Königsritte heute in vier Ortschaften statt: in Vlčnov
(mapa), Hluk
(mapa), Kunovice
(mapa) und Skoronice
(mapa). Besonders bekannt sind sie für die reich verzierten und schönen Trachten. Der König reitet, begleitet von den in diesem Jahr volljährig gewordenen Männern aus dem Dorf und seinem Gefolge, durch den Ort, wobei alle in Trachten gekleidet sind. Die Pferde sind mit Bändern, stilisierten Blumen und roten Tüchern, die wie Fahnen gebunden sind, geschmückt. Der König, ein kleiner Junge in Frauenkleidern, sitzt auf einem weißen Pferd. Sein Gesicht wird von Bändern verdeckt und er trägt eine Rose im Mund, zum Zeichen seines Schweigens. Ethnographen gehen davon aus, dass der hiesige Brauch ursprünglich zur Erinnerung an die Flucht des ungarischen Königs Matthias Corvinus aufkam, der 1469 während des Krieges gegen König Georg von Podiebrad in der Schlacht besiegt wurde und daraufhin, der Legende nach, in Frauenkleidern floh, sein Gesicht mit Bändern verdeckt und mit einer Rose im Mund, um sich nicht durch seine Stimme zu verraten. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass die Tradition in heidnischen Zeiten begann, in welcher junge Männer beim Viehtreiben wetteiferten und der beste unter ihnen dann als König durchs Dorf zog.
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