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Prager Brunnen

 
photo:  (sxc.hu)
 

Brunnen waren früher die Hauptquelle für Trinkwasser in Prag. Sie standen auf jedem freien Platz. Manche waren einfache gezimmerte Becken, andere waren mit Plastiken mit antiken, biblischen und Naturmotiven geschmückt.

 
 

Besonders zur Zeit der Renaissance und des Barock überboten sich reiche Bürger und Adlige gegenseitig in der prunkvollen Ausschmückung der Brunnen und bauten wunderschöne Springbrunnen. Der Schriftsteller Ignát Hermann erwähnt, dass es in Prag im 19. Jahrhundert mehr als 400 Brunnen gab, davon über 70 öffentliche, die übrigen waren privat. Heute ist ihre Zahl zurückgegangen, aber gegenwärtig werden besonders in den Ruhezonen neue Wasserbecken geplant und gebaut und alte versucht man zu erhalten.

Falltür der Zeit (Propadliště času) (Kinský-Platz, Prag 5 - Smíchov)
An der Stelle, an der einst der Bärenbrunnen (Medvědí fontána) und später ein sowjetischer Panzer standen, wurde 2002 der neue Springbrunnen des Architekten Jan Lauda aufgebaut.

Der zerbrochene Fels – zwei Granitplatten aus einem Steinbruch bei Liberec – symbolisiert den Abgrund der Zeit, der alle menschlichen Taten verschlingt. Das herausschießende Wasser reinigt alles und führt zum Vergessen. Die Fontäne hat 64 Düsen, von denen 24 mit einer speziellen Sprudeltechnik ausgestattet sind, sodass sie einen besonderen Wasserstrom bilden. In der Nacht wird sie von 40 Lampen erhellt. Das Wasser im unbearbeiteten Mittelspalt des Granits schießt bis zu einer Höhe von 8 m empor. Der äußere Syenit-Rand des Springbrunnens ist dagegen präzise ausgearbeitet.

Brunnen am Annenplatz (Anenské náměstí) (Prag 1 – Altstadt)
Er stammt aus der Zeit des Barock nach 1700 und stand ursprünglich vor der Kaserne am Újezd.

Die Soldaten glaubten an die Sage, dass sie das Wasser aus dem Brunnen im Kampf schützt. Der ovale Brunnen aus Sandstein und Eisen ist bedeckt mit einer flachen Eisenplatte und an seinem oberen Rand ist ein geschmiedeter Käfig mit zwei einander gegenüberliegenden halbkreisförmigen Türchen angebracht. Auf der Spitze ist an einer Stange ein doppelschwänziger vergoldeter Löwe mit einer Krone auf dem Haupt und einem Schwert befestigt. Der Brunnen ist nicht in Funktion.

Brunnen unterhalb des Aufgangs zum Nationalmuseum (Prag 1 – Neustadt)
Er ist geschmückt mit einer Figurengruppe der Bohemia und der Allegorie tschechischer Flüsse von Antonín Wagner.

Er stammt aus dem Jahr 1890. Der Brunnen wie auch das ganze Museumsgebäude wurde von dem Architekten Josef Schulz entworfen. Er befindet sich genau an der Stelle, wo das Pferdetor (Koňská brána) stand. Das Wasser fällt über die Kanten von drei Marmorstufen in ein unteres Becken aus Stein. Die Becken des Brunnens bestehen aus Sandstein von Hradec Králové, rotem Granit aus Skandinavien und gelbem Untersberger Forellenmarmor. Die Bronzespeier mit der Löwenmaske wurden von dem Bronzegießer Václav Mašek anscheinend nach einem Modell von Bohuslav Schnirch geschaffen.

Brunnen am Malé náměstí (Prag 1 - Altstadt)
In der Mitte des Platzes steht dieser schöne funktionsfähige Brunnen, der von einem handgeschmiedeten Renaissancegitter aus dem Jahr 1560, vielleicht aus der Werkstatt des Hofschlossers Jörg Schmidhammer, geschützt ist. Wahrscheinlich ist es der älteste in Prag. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Gitter ausgebessert und der Schlosser Duffé fertigte nach einem Entwurf des Architekten Josef Mocker inmitten des Käfigs einen gusseisernen Säulenständer zur Verschönerung an. Außerdem wurden damals Maschinenpumpen und ein steinerner Sockel eingebaut, in den das Wasser herausfließt. Das farbige handgeschmiedete Gitter ist eine meisterhafte Arbeit. Es ist mit Ornamenten geschmückt und auf den Ecken des Gitters stehen Engelsfiguren. Im 17. Jahrhundert wurde die Spitze mit der Kugel durch einen böhmischen Löwen ergänzt. 

Kohlbrunnen (Kohlova kašna) im II. Vorhof der Prager Burg
Nach dem Figurenschmuck wird er auch Löwenbrunnen (Lví kašna) genannt.  Er stammt aus dem Jahr 1686 und ist einer der ältesten der Stadt. Der Sandsteinbrunnen war ein wichtiger Teil der Wasserversorgung auf der Prager Burg. Er war der größte der Wasserbehälter auf der Burg und wurde auch im Fall von Bränden genutzt. Sein Becken hat den Grundriss eines vierblättrigen Kleeblatts. Neben ihm steht ein Brunnen mit einem Gitterkäfig.

Brunnen im II. Vorhof der Prager Burg
vom Anfang des 18. Jahrhunderts
Er hat eine achteckige Umwandung und ein schmiedeeisernes Baldachin-Gitter von einem unbekannten Künstler. Das Eisengitter wird durch eine geschmiedete Rosette abgeschlossen. Er steht gleich neben dem Kohl-Brunnen.

Brunnen mit der Statue des Hl. Georg (Kašna se sochou sv. Jiří) im III. Vorhof der Prager Burg
Im Jahr 1928 entstand nach einem Entwurf von Plečnik ein moderner rechteckiger Flachbrunnen zu ebener Erde mit einem kreisförmigen Geländer auf Säulchen aus Diorit. Inmitten des Brunnens steht auf einem hohen Sockel die Statue des Hl. Georg, die früher den ursprünglichen Barockbrunnen schmückte. Dieser war abgebaut und in den 1990-er Jahren auf dem Georgsplatz (Jiřské náměstí) aufgestellt worden. 

Adlerbrunnen (Orlí kašna) im III. Vorhof der Prager Burg
Der kleine Barockbrunnen mit der toskanischen Säule aus dem Jahr 1661 befindet sich neben dem gotischen Tor zum kleinen Hof unterhalb des Hofniveaus. An seiner Ausschmückung beteiligten sich die berühmten Künstler Ignaz Franz Platzer und Nicolas Pacassi.

Venus-Fontäne (Venušina fontána) im Wallensteingarten (Prag 1 – Kleinseite)
Die anmutige Bronzeplastik der Venus mit Amor und Delfin, die auf der Fontäne im Garten steht, wurde 1599 von dem Nürnberger Bildhauer und Metallgießer Benedikt Wurzelbauer für den Lobkowitz-Garten in Hradčany geschaffen. Von dort erwarb sie 1630 Albrecht von Wallenstein und ließ für sie in seinem Garten eine Bronzefontäne errichten. 1648 wurde sie von den Schweden geraubt, zusammen mit anderer Kriegsbeute nach Schweden gebracht und kam dort in die Sammlungen der Königin Christine im Museum von Drottningholm. Im Jahr 1899 war die Venus eines der Exponate auf einer Ausstellung in Berlin. Dort entdeckte sie der Prager Museumsausschuss und begann mit Verhandlungen über ihre Rückgabe. Schließlich wurde sie zurückgekauft und kehrte an ihren angestammten Platz in der Mitte des runden Brunnens vor der Sala terrena im Wallensteingarten zurück. Seit 1938 ist hier eine genaue Kopie aufgestellt.

Die Singende Fontäne am Lustschloss Belvedere (Zpívající fontána u Belvedéru - Letohrádku královny Anny) im Königlichen Garten (Prager Burg)
Die Fontäne gehört zu den schönsten Renaissancebrunnen nördlich der Alpen. Sie wurde 1562-68 von dem Meister Jaroš nach einer Zeichnung und einem Wachsmodell des italienischen Malers Francesco Terzio von Bergamo gegossen, der um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Prag tätig war. Die Holzform wurde von Hanus Peysser geschnitzt. Der Brunnen besteht aus mit Glockenmetall vermischter Bronze  und ist reich verziert mit Jagdmotiven, Reliefmasken und Palmetten. Die aus dem Brunnen hervorquellenden Wasserstrahlen erzeugen den anmutigen rhythmischen Klang von Wasser, das auf eine widerhallende Bronzeplatte fällt. Um die Töne zu hören, muss man jedoch unter der Brunnenschale in die Hocke gehen.



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Datum: 01.01.2010
 
 
 

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