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Auf den Spuren Karel Gotts durch Tschechien

 
photo:  (radio.cz)
 

An diesem Wochenende findet Karel Gott seine letzte Ruhe in Prag. Dort verbrachte der Meister – wie er hierzulande liebevoll genannte wird – seinen Lebensabend. Doch die Schlagerlegende war noch mit vielen weiteren Orten Tschechiens eng verbunden. In den nächsten Minuten nehmen wir Sie deshalb mit auf eine Reise durch Tschechien auf den Spuren Karel Gotts.

 

In Deutschland ist Karel Gott als die „Goldene Stimme aus Prag“ bekannt. Der Sänger hatte seine Wurzeln aber woanders, und zwar in der westböhmischen Großstadt Plzeň / Pilsen. Dort wurde er geboren und dort verbrachte er seine ersten Lebensjahre. Mehr dazu weiß die Pilsner Archivarin Štěpánka Pflegrová:

„Im April 1938 zogen die Eltern von Karel Gott in die Nepomuk-Straße 53 hier in Pilsen, heute heißt sie Slovanská-Straße. Dort lebte auch der kleine Karel nach seiner Geburt. Die Familie wohnte im ersten Stock eines Hauses mit insgesamt acht Parteien, und im Erdgeschoss befanden sich ein Spielwarengeschäft sowie ein Laden mit Kurzwaren. Dort machte Karel seine ersten Schritte, bewunderte die Spielsachen im Schaufenster und spielte mit seinen Freunden Fangen.“

Lange lebte die Familie Gott aber nicht in dem Haus. Denn auch sie litt unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs:

„Das Haus in der Nepomucká 53 wurde im April 1945 von Fliegerbomben getroffen und war darauf unbewohnbar. Auch die Familie Gott musste deshalb eine neue Unterkunft suchen. Sie fanden im Juli 1945 schließlich eine Wohnung in der Nepomucká – heute Slovanská – 193.“

Auch einen Teil seiner Schulzeit verbrachte Karel Gott in der Bierstadt. Ob er ein guter Schüler war, weiß Pflegrová nicht. Dafür kann sie aber sagen, wo er sich in seinen jungen Jahren herumgetrieben hat:

„Der kleine Karel besuchte die Knabenschule im Viertel Pilsen-Slovany. Diese befand sich im Gebäude der Masaryk-Schule auf dem Jirásek-Platz. Gegen Kriegsende wurde der Bau jedoch noch von Soldaten genutzt. Der Unterricht für die Buben fand deshalb im Bau der Doudleby-Schule statt, wohin auch der junge Gott ab September 1945 als Erstklässler ging. Er verließ die Schule schließlich im Mai 1948.“

Lehrjahre in der Geburtsstadt

In diesem Jahr zog Karel Gott nämlich mit seiner Familie nach Prag. Sein Vater hatte eine Stelle in den dortigen Škoda-Werken bekommen. Das junge Sängertalent kehrte aber schnell in seine Geburtsstadt zurück:

„Karel Gott kehrte im Dezember 1954 nach Pilsen zurück, aber nur für kurze Zeit. Er begann dort seine Ausbildung in den Škoda-Werken. Schon 1955 setzte er diese aber in den ČKD-Betrieben in Prag fort. Abgeschlossen hat er seine Ausbildung schließlich im Jahr 1957.“

Schnell führte Karel Gotts Weg von der Werkbank vors Mikrophon. Seinem Pilsen blieb er aber auch als Weltstar treu:

„Er hatte hier viele Onkel und Tanten, weshalb er immer wieder in seine Geburtsstadt zurückkehrte. Später dann, in den 1960er und 1970er, war er schon sehr populär und ein gern gesehener Gast auf den Pilsener Bühnen.“

Aufs Dorf zur Babička

Doch nicht nur mit Pilsen verbanden Karel Gott die schönsten Kindheitserinnerungen. Wahrscheinlich stammte die Inspiration für seine berühmte „Babička“ aus der kleinen Ortschaft Újezd bei Rokycany in Westböhmen. Dort lebte nämlich seine Großmutter. Alena Mánková ist Bürgermeisterin des Dorfes:

„Ich weiß nicht, ob er zu uns lieber gefahren ist als nach Pilsen, wo er ja geboren wurde. Aber er ist oft zu uns gekommen, um sich auszuruhen. Er hatte hier seine Großmutter und Cousinen, aber auch sein Fahrer Olda Havránek lebte bei uns im Dorf.“

Der Meister entdeckte Újezd vor allem dann wieder, als er selbst Frau und Kinder hatte. Die Ortschaft wurde zu einem beliebten Ausflugsziel mit der Familie:

„Herr Gott ist oft durchs Dorf spazieren gegangen und hat sich viel mit den Leuten unterhalten. Auch als seine Töchter schon auf der Welt waren, hat er uns häufig besucht, gemeinsam mit seiner Frau Ivanka. Er hat uns sogar einen Spielplatz gespendet, auf dem er mit seinen Töchtern die Zeit verbrachte. Außerdem ist gerne auf kulturelle Veranstaltungen hier im Dorf gegangen.“

Erste Prager Jahre

Wie gesagt, Karel Gott kam Ende der 1940er mit seinen Eltern nach Prag. Die Familie zog in den Randbezirk Kobylysy, wo schon damals die ersten Plattenbauten aus dem Boden gestampft wurden. Soňa, eine treue Hörerin des Tschechischen Rundfunks, erinnert sich noch lebhaft an ihre Jugend mit Karel Gott im Schwimmbad des Viertels. Ins Kondolenzbuch des zweiten Programms schrieb sie, Zitat:

„Als Mädchen bin ich oft schwimmen gegangen. Karel Gott kam auch ab und zu, und jedes Mal bildete sich um ihn eine Menschentraube. Wenn er dann ins Wasser gesprungen ist, hüpften alle hinterher. Sicher konnte er da nicht richtig schwimmen in der Menge, aber er zeigte sein schönes Lächeln, das ich nie vergessen werde.“

In Prag hatte der Star dann auch seine Lieblingsorte, an die er Bekannte aus aller Welt mithinnahm. Vor allem hatte es ihm der Novotný-Steg angetan, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die Goldene Stadt hat. Natürlich liebte Karel Gott auch die Theater und Bühnen, auf denen er regelmäßig auftrat.

Vom Bungalow in Mozarts Nachbarschaft

Wenn man über Karel Gotts Prag redet, dann muss man natürlich auch ein paar Worte über seine Häuser in der Hauptstadt verlieren. Die erste Residenz des Meisters war ein moderner Bungalow im Prager Stadtteil Strašnice. Später zog er in eine Villa in Jevany, etwas außerhalb von Prag, wobei er das Haus eigentlich für seine Eltern gekauft hatte. Später entstand dort das – etwas kurzlebige – Karel-Gott-Museum „Gottland“. In den 1970er Jahren kaufte der Meister schließlich eine Villa im Viertel Bertramka, in der er bis zuletzt mit seiner Familie lebte. Mit der Geschichte des Baus kennt sich der Kunsthistoriker Zdeněk Lukeš gut aus:

„Nach einem früheren Besitzer heißt das Haus ‚Urbánková vila‘. Sie ist im typischen romantischen Stil der ausgehenden 1930er Jahre gehalten. Sie ist eigentlich ein Gegenstück zum Funktionalismus der damaligen Zeit. Nichtsdestotrotz finden sich in der Umgebung zahlreiche Bauten in diesem Stil. Die Villa hat einen groben Putz, ein auffallendes Kranzgesims sowie ein spitzes Dach und mehrere Zierbalkone aus Eisen. Insgesamt kann man den Stil als romantisierende Architektur der 1930er Jahre bezeichnen.“

Der Architekt des Hauses ist der deutsche Prager J.L. Peschinger, der auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg das Gesicht der Hauptstadt mitgestaltete. Übrigens liegt die Villa nur einen Steinwurf vom Landhaus Bertramka entfernt, in der seinerzeit Mozart seine Prager Tage verbrachte.

Große Reisen und kleine Paradiese

Natürlich war Karel Gott nicht nur in Prag und Pilsen unterwegs. Der Musikpublizist Miloš Skalka weiß dazu mehr:

„Er ist sehr gerne Auto gefahren. Zum Beispiel hat er seine Tour-Reisen nach Deutschland als Fahrer absolviert.“

Doch eigentlich habe Karel Gott Freizeit und Urlaub gar nicht so gern gemocht, meint Miloš Skalka:

„Wenn Karel Gott eine Sache wirklich von ganzem Herzen gehasst hatte, dann war es generell der Urlaub. Wenn er zum Beispiel im Sommer ein neues Lied aufnehmen wollte, musste er feststellen, dass alle seine Musiker auf der Datscha oder im Ausland waren. Das konnte er einfach nicht verstehen.“

Gerade im Alter änderte sich das etwas, denn da hatte der Meister etwas mehr Zeit. Zumindest wollte er sich diese nehmen, vor allem für die Familie:

„Gerade wegen ihnen hat er viele Reisen ins Ausland gebucht. So war die Familie zum Beispiel auf Sri Lanka. Doch in den letzten Jahren hat er besonders Sardinien ins Herz geschlossen.“

Aber auch in Tschechien hatte Karel Gott sein kleines Paradies:

„Früher interessierte ihn diese ganze Datscha-Kultur überhaupt nicht. Doch er fuhr mit seiner Familie gerne nach Doubice, wo er sich selbst ein Ferienhäuschen hat bauen lassen.“

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 11.10.2019
 
 
 

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